01.02.13

Tarifstreit

Eon-Mitarbeiter entscheiden sich für Streik-Premiere

Die Urabstimmung ist beendet: 91,4 Prozent der Angestellten befürworten einen Ausstand beim Energiekonzern. Streik soll am Montag starten.

Foto: dpa
Urabstimmung bei Eon beginnt
Mit Eon soll erstmals ein deutscher Energiekonzern bestreikt werden

Hannover/Düsseldorf/Budapest. Erstmals wird bei einem Energiekonzern gestreikt. 91,4 Prozent der Eon-Mitarbeiter haben sich in einer Urabstimmung für einen Ausstand ausgesprochen. Der Streik solle am Montag beginnen. Das Ergebnis teilten die Gewerkschaften Ver.di und IG BCE am Freitag in Hannover mit.

Gestreikt werden soll nach Gewerkschaftsangaben sowohl bei der Energieerzeugung als auch im Service- und Abrechnungsbereich. Niemand müsse aber befürchten, im Kalten sitzen zu müssen. Die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik war am Montag gestartet worden und hatte am Freitag früh geendet. Für einen Streik war eine Zustimmung von mindestens 75 Prozent der Mitglieder nötig.

In dem Tarifstreit fordern die Gewerkschaften Ver.di und IG BCE rund 6,5 Prozent mehr Geld für die rund 30.000 Beschäftigtendes Düsseldorfer Konzerns und haben die Verhandlungen nach drei ergebnislosen Runden für gescheitert erklärt. Das Unternehmen hatte bisher 1,7 Prozent geboten.

1,7 Prozent liege unter der Inflation, bedeute also reale Einkommensverluste, hatte Ver.di-Verhandlungsführer Volker Stüber zum Auftakt der Urabstimmung erklärt. Damit "steuert der Konzern geradewegs auf eine Auseinandersetzung zu, die es in dieser Schärfe in der privaten Energiewirtschaft noch nicht gegeben hat". Ver.di und IG BCE verlangen auch eine Übernahme von Lehrlingen und Tarifbindung ausgelagerter Sparten

Versorgung soll sichergestellt werden

Ende vergangener Woche hatte die Eon-Geschäftsleitung neue Gesprächsbereitschaft signalisiert. Eon sei bereit, sich "sehr deutlich zu bewegen", falls es zu neuen Verhandlungen komme, sagte ein Firmensprecher am Montag. Darauf seien die Gewerkschaften aber nicht eingegangen.

Die Gewerkschaften hatten angekündigt, die Unternehmensleitung über den Streik, der auch Kraftwerke betrifft, rechtzeitig zu informieren. Versorgungsprobleme drohen also nicht, das Unternehmen muss aber mit Zusatzkosten Strom auf den Märkten beschaffen. Kosten ließen sich dafür noch nicht abschätzen. Das hänge vom Umfang der Streikpläne ab, sagte ein Eon-Sprecher.

Eon hatte 2011 erstmals in der Firmengeschichte Milliardenverluste erwirtschaftet. Für 2012 rechnet das Unternehmen wieder mit Gewinnen, die Marge steht aber weiter durch den niedrigen Börsenpreis des Stroms, die Abschaltung der Atomkraftwerke und die Energiewende unter Druck.

Ungarn will 800 Millionen für Gasgeschäft zahlen

Unterdessen kann der schuldengeplagte Energiekonzern durch den Verkauf seiner Gasgeschäfte in Ungarn auf Einnahmen in Höhe von rund 800 Millionen Euro hoffen. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban sagte am Freitag im Rundfunk, die Übernahme des Geschäfts durch den Staat sei so gut wie perfekt. Eine genaue Summe für den Kaufpreis nannte er zwar nicht, die in Medienberichten genannten 800 Millionen Euro seien aber "nicht unrealistisch".

Eon bestätigte nicht, dass es bereits eine Vereinbarung mit der Regierung in Budapest gebe. Eine Sprecherin wollte die Äußerungen Orbans nicht kommentieren. Eon-Chef Johannes Teyssen hat in rund zwei Jahren Geschäfte im Gesamtwert von knapp 17 Milliarden Euro verkauft. Eon drücken trotzdem immer noch Schulden von mehr als 35 Milliarden Euro.

Orban muss sich in gut einem Jahr der Wiederwahl stellen. Der Regierungschef versucht, mit der Energiepolitik zu punkten. So hatte er eine Senkung der Strom- und Gaspreise um zehn Prozent verfügt. Das unter einer Rezession leidende Land muss mehr als 80 Prozent seines Gasbedarf durch Importe, insbesondere aus Russland, decken. Orban will den Bezug auf breitere Beine stellen.

Die Eon-Tochter ist das größte Gashandelsunternehmen des Landes. Das Gasspeichergeschäft mit vier Anlagen soll im Zuge des Deals ebenfalls an die staatliche Energiefirma MVM gehen.

(dpa/rtr)
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