23.01.13

Technologieriese

Verluste bei Bosch Solar - Beschäftigte zittern

Sonnenenergie-Sparte machte wegen Überkapazitäten 2012 rund eine Milliarde Euro Verlust. Jobs in Arnstadt stehen auf der Kippe.

Von Simone Rothe und Annett Gehler
Foto: dpa
Bosch Solar-Zentrum in Arnstadt
Qualitätskontrolle einer Solarzelle in einer Fertigungshalle der Bosch Solar Energy AG in Arnstadt: Bosch hatte 2012 mit seiner Solarsparte einen Verlust von rund einer Milliarde Euro zu verkraften

Arnstadt/Stuttgart. Die Nachricht aus Stuttgart über einen Megaverlust lässt bei vielen in Arnstadt die Alarmglocken läuten. Vor den Toren der Thüringer Kleinstadt hat der Stuttgarter Technologieriese Bosch seit 2009 mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgegeben und Fabriken für Solarzellen und -Module, ein Forschungs- und ein Ausbildungszentrum aus dem Boden gestampft. Etwa 2000 neue Jobs entstanden allein in Arnstadt, 3200 sind es insgesamt in der Bosch-Solarsparte. Thüringens Landespolitiker jubelten. Sie lobten den Mut und das Unternehmertum des weltgrößten Autozulieferers, im großen Stil in eine neue Sparte zu investieren und diese auch noch im Osten anzusiedeln. Nur eineinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme der Anlagen im Sommer 2011 steht das Großprojekt jetzt auf dem Prüfstand.

Im Herbst 2012 war erstmals von Kurzarbeit bei Bosch Solar die Rede; zu Jahresbeginn schloss ein kleineres Modul-Werk mit 130 Beschäftigten in Erfurt. Ein Teil der Belegschaft kam in Arnstadt unter. Aber es wurde deutlich: Die Krise der Solarindustrie, die andere Unternehmen der Branche wie Q-Cells in Sachsen-Anhalt oder Sunways mit einem Werk ebenfalls in Arnstadt schon kräftig durchgeschüttelt hat, macht um den Ableger des Bosch-Konzerns keinen Bogen. Das hatten manche gehofft, darunter ehemalige Beschäftigte der Erfurter Ersol Solar Energy AG, die Bosch 2008 übernommen hatte und damit den Einstieg ins Solargeschäft startete. "Mit Bosch sind wir auf der sicheren Seite", war von ihnen zu hören.

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, machte Bosch-Chef Volkmar Denner am Mittwoch deutlich: Die Sonnenenergie-Sparte brachte Bosch allein im abgelaufenen Jahr gut eine Milliarde Euro Verlust. Die Solarsparte, zu der unter anderem Aleo Solar mit Sitz in Oldenburg und Prenzlau gehört, brachte neben einem operativen Verlust von etwa 450 Millionen Euro auch erneut ungeplante Sonderabschreibungen - diesmal von rund 600 Millionen Euro. Zu ihrer Zukunft sagte Denner nur: "Im Moment ist es noch zu früh, über das Thema abschließend zu sprechen." Erwartet wird, dass 2013 Entscheidungen fallen.

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sorgt sich um die Solarwirtschaft, die vor allem in Ostdeutschland bisher als Paradebeispiel dafür stand, dass neue Industrien entstehen und Zukunft sichern können. "Das Jahr 2013 wird ein entscheidendes Jahr für die deutsche und damit auch für die Thüringer Solarindustrie", sagt er. "Alle sind derzeit dabei, ihre Kapazitäten zu überprüfen."

Branchenkenner sehen mit den jetzt von Bosch vermeldeten Verlustzahlen ihre Befürchtungen bestätigt. "Das ist das Ergebnis eines noch nicht konsolidierten Marktes – die Frage ist, wer übrig bleibt", sagt der Geschäftsführer des Branchenverbandes Solarvalley Mitteldeutschland, Peter Frey. Derzeit seien die weltweiten Produktionskapazitäten mehr als doppelt so groß als das, was am Markt abgesetzt werde. "Wettbewerb findet nicht mehr über Produktqualität und Technologieführerschaft statt, sondern über Finanzierungsinstrumente", beschreibt Frey einen brutalen Preiskampf mit chinesischen Solarfirmen.

Überkapazitäten und Kostendruck haben die Ost-Solarindustrie in den vergangenen Monaten schon zum Aderlass gezwungen. Seit Ende 2011 wurden nach Schätzungen des Branchenverbandes allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etwa 4000 Jobs gestrichen. Die derzeit noch rund 14.000 Beschäftigten der Branche in den drei Ländern stemmten 45 Prozent der Solarproduktion in Deutschland. Ein Rückzug von Bosch von seinem Solargeschäft in Thüringen hätte dramatische Folgen, warnt Frey. "Dann bliebe von der ganzen Branche im Freistaat nicht mehr viel übrig."

Dass es für die Bosch-Beschäftigten möglicherweise nicht zum Äußersten kommt, glaubt der Gewerkschafter und SPD-Abgeordnete Wolfgang Lemb. Derzeit seien Projekte zur Entwicklung neuer und leistungsfähiger Module oder flexible Arbeitszeitregeln im Gespräch, um die Produktionskosten zu senken. "Die Belegschaft weiß, dass es Veränderungen geben muss", versichert der IG-Metaller und stellt Zugeständnisse in Aussicht.

Derweil wird in Arnstadt in den schicken neuen Hallen nur mit angezogener Handbremse produziert. Noch bis Ende März sei die im Oktober gestartete Kurzarbeit in einigen Fertigungsbereichen vorgesehen, sagt eine Unternehmenssprecherin. Betroffen seien im Schnitt 700 Beschäftigte. Wie es von April an weitergeht, ist derzeit noch offen. Sicher ist für Gewerkschafter Lemb aber: "Es ist völlig klar, dass sich Bosch Verluste in dieser Größenordnung auf Dauer nicht leisten wird und kann."

Die Strukturen von Bosch Solar Energy

Das Geschäft mit der Sonnenenergie bei Bosch läuft über die Tochter Bosch Solar Energy.

Bosch-Solar hatte nach Konzernangaben im Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

Drei Standorte – einer weniger als noch vor kurzem – leisten Herstellung und Forschung: In Arnstadt im Herzen Thüringens läuft die Produktion ebenso wie im französischen Vénissieux. Dünnschichtmodule werden in Brandenburg an der Havel entwickelt. Das Werk in Erfurt wurde zum Jahresende 2012 geschlossen.

14 Vertriebsbüros decken alle Kontinente ab. Die Zentrale von Bosch Solar Energy ist in Arnstadt.

Bosch gibt in ganz Deutschland rund 119.000 Menschen Arbeit. Davon entfällt der Großteil mit 53.100 Beschäftigten auf die Konzern-Heimat Baden-Württemberg.

In Baden-Württemberg laufen sowohl ein Großteil der Fertigung für die Kraftfahrzeugtechnik als auch Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung im Bosch-Konzern. (dpa)

Die Strukturen beim Autozulieferer Bosch
Die Strukturen beim Autozulieferer Bosch
Bosch-Firmengründer Robert Bosch (1861-1942) hat sein Erbe bereits lange vor seinem Tod geregelt.
1921 gründete der Großindustrielle die Vermögensverwaltung Bosch GmbH, die sein Lebenswerk sichern sollte.
Auf diesem Grundstein bauten die Testamentsvollstrecker die heutige Struktur des Unternehmens.
Die Familie übertrug einen Großteil ihrer Firmenanteile auf die Vermögensverwaltung, die ihren Namen 1969 in Robert Bosch Stiftung änderte.
Diese hält 92 Prozent der Robert Bosch GmbH und speist sich aus den Gewinnen des Unternehmens.
Rund sieben Prozent an der Firma liegen bei den Nachfahren von Robert Bosch, ein Prozent bei der Robert Bosch GmbH selbst.
Die Stiftung hat ihre Stimmrechte auf die Robert Bosch Industrietreuhand KG übertragen.
Diese hält zwar nur 0,01 Prozent der Anteile am Unternehmen, aber 93 Prozent der Stimmrechte.
Das Gremium ist das Machtzentrum des Konzerns, in dem alle wichtigen Entscheidungen fallen.
Die Geschäfte des Autozulieferers und Technologiekonzerns führt derzeit ein Team um Bosch-Chef Franz Fehrenbach.
Kontrolliert wird die Geschäftsführung vom Aufsichtsrat mit Hermann Scholl an der Spitze. (dpa)
Deutsche Solarunternehmen in der Krise
Deutsche Solarunternehmen in der Krise
In der deutschen Solarindustrie herrscht Krisenstimmung. Pleiten, Pech und Pannen sorgen beinahe täglich für Negativ-Schlagzeilen. Es folgt eine Übersicht über die angeschlagene Branche.
PHOENIX SOLAR:
Dem Solartechnikkonzern machen Finanzierungsprobleme zu schaffen. Der im Dezember 2011 den Gläubigern vorgelegte Restrukturierungsplan müsse wegen der massiven Einschnitte bei der Solarförderung überarbeitet werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Aktie brach am Dienstag zeitweise um rund 28 Prozent ein.
Q-CELLS :
Der einst größte deutsche Solarkonzern mit rund 2300 Mitarbeitern und einem einstigen Börsenwert von acht Milliarden Euro wollte noch am Dienstag Insolvenz beantragen. Das Unternehmen aus dem "Solar Valley" im ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen hatte Ende vergangener Woche seine Sanierungspläne aufgegeben. Q-Cells wollte sich unter anderem dadurch sanieren, dass Anleihe-Gläubiger einen Zahlungsaufschub gewähren und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
SOLON:
Der Solarmodulbauer hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet, war jedoch vor wenigen Wochen durch einen Verkauf gerettet worden. Der Solarzellen-Produzent Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt den Zuschlag. Dieser will 433 der 471 Arbeitsplätze erhalten. Die Solon-Aktionäre gehen allerdings leer aus. Der nicht genannte Kaufpreis geht an die Gläubiger des mit 400 Millionen Euro verschuldeten Berliner Unternehmens.
SOLARHYBRID:
Der Kraftwerksentwickler hatte am 21. März Insolvenzantrag gestellt. Anfang März hatte der Vorstand das Geschäftsmodell in Frage gestellt, nachdem die Bundesregierung angekündigt hatte, die Förderung von Solar-Großkraftwerken zu streichen. Zudem drohe der Verlust von bereits getätigten Investitionen von über zehn Millionen Euro für Projekte, die nun nicht mehr oder nur teilweise realisiert werden könnten.
SOLAR MILLENNIUM:
Bereits im Dezember hatte die Pleitewelle den Kraftwerksentwickler Solar Millenium erreicht. Das Unternehmen meldete Insolvenz an. Zwei Transaktionen seien nicht zustande gekommen, die für dringend benötigtes Kapital sorgen sollten, hieß es. Im Sommer 2011 hatte das auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisierte Unternehmen ein Milliardenprojekt in den USA aufgegeben.
Der Konzern steht zudem im Dauerclinch mit seinem 74-Tage-Chef Utz Claassen. Dieser hatte dem Konzern zufolge Solar Millenium in den USA wegen Rufschädigung auf Schadenersatz in Höhe von 265 Millionen Dollar verklagt.
SMA SOLAR:
Der Weltmarktführer für Wechselrichter, dem Herzstück einer Solaranlage, gehört zu den wenigen, die noch schwarze Zahlen schreiben. Der Preisverfall hat aber auch bei SMA im vergangenen Jahr für einen Gewinneinbruch gesorgt. Firmchef Pierre-Pascal Urbon erwartet auch im laufenden Jahr weitere Einbußen.
SOLARWORLD:
Auch der einstige Star am Solar-Himmel ist 2011 tief in die roten Zahlen geraten. Konzernchef Frank Asbeck ist sich aber sicher, mit seinem Unternehmen zu denen zu gehören, die die Krise und Konsolidierung der Branche überleben werden. Er kündigte zuletzt für 2012 die Rückkehr in die Gewinnzone an, zumindest vor Zinsen und Steuern (Ebit). Gegen die Billigkonkurrenz aus China ist Asbeck in den USA mit sechs weiteren Firmen zu Felde gezogen und plant dies auch in Europa.
Er fordert Strafzölle auf Billig-Importe aus dem Land der Mitte. Eine erste vorläufigen Entscheidung des US-Handelsministeriums über Anti-Subventionszölle enttäuschte aber. Sie fielen mit 2,9 bis 4,73 Prozent niedriger aus als erwartet. Asbeck hofft indes, dass das Ministerium im Laufe seiner Untersuchungen höhere Anti-Dumpingzölle verhängen wird.
CONERGY:
Der Hamburger Solarkonzern ringt seit längerem ums Überleben, nachdem er durch Missmanagement bereits 2007 ins Wanken geraten war. Nach einem Kapitalschnitt und anschließender Sachkapitalerhöhung gehört Conergy zu einem großen Teil Hedgefonds.
Zudem hat sich die defizitäre Firma vom größten Teil ihrer Produktion getrennt und Personal abgebaut. Conergy ist als Systemanbieter und Projektentwickler unterwegs und hofft 2012 erstmals wieder – zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) – auf einen kleinen Gewinn. 2013 sollen dann auch unter dem Strich schwarze Zahlen stehen – erstmals seit 2005.
CENTROTHERM:
Auch bei dem lange erfolgsverwöhnten Solar-Anlagenbauer Centrotherm sieht es mau aus. Der schwäbische Konzern rutschte 2011 nach Wertberichtigungen in die roten Zahlen. Das Management steuert nun mit Entlassungen und Kurzarbeit gegen. Lange hatte Centrotherm von der hohen Nachfrage in Asien nach effizienten Anlagen zur Produktion von Solarzellen und -modulen profitiert.
Mit den weltweiten Überkapazitäten in der Solarbranche und dem Preisverfall sowie den Auswirkungen der Bankenkrise ebbten die Geschäfte indes ab.
BOSCH SOLAR:
Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hatte sich mit der Übernahme der Solarunternehmen Ersol, Aleo Solar und Voltwerk ein neues Standbein aufgebaut. Doch der Stuttgarter Technologiekonzern hat bislang nicht viel Freude an seinen Töchtern gehabt. Allein im vergangenen Jahr schrieb er rund eine halbe Milliarde Euro auf die kleine Sparte ab. Den Baubeginn einer geplanten Solar-Fabrik in Malaysia verschob er zuletzt.
ROTH & RAU:
Auch der Solar-Maschinenbauer Roth & Rau belastet seinen Mutterkonzern, den Schweizer Solar-Konzern Meyer Burger. Hohe Abschreibungen belasteten mit 91 Millionen Euro. Die Solarkrise sorgte bei Roth & Rau für einen Jahresverlust von 123 Millionen Euro. Der Auftrageingang brach um 70 Prozent ein. Meyer Burger verzichtete dehalb auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Andernfalls hätten die Schweizer die Verluste bei Roth & Rau ausgleichen müssen.
SUNWAYS:
Der chinesische Solarriese LDK griff jüngst nach der Konstanzer Sunways, die 2011 in die Verlustzone geraten war. Nach einer Kapitalerhöhung ist LDK inzwischen zu knapp einem Drittel an der Firma mit ihren rund 340 Mitarbeitern beteiligt. (Stand: April 2012, Reuters)
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