Do, 17.01.13, 12.57

Schlecker-Insolvenz Ein Jahr nach der Pleite: Ist wirklich nichts mehr da?

Özlem Yilmazer
400 Ex-Schlecker Mitarbeiter haben neuen Job

Foto: DAPD

400 Ex-Schlecker Mitarbeiter haben neuen Job

Die Hälfte der Ex-Mitarbeiter hat noch keinen Job, Fragen zu etwaigen Vermögensübertragungen sind offen. Muss die Familie zahlen?

Ehingen. "Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da": Diese Sätze von Meike Schlecker zur familiären Finanzlage blieben haften. Ein Jahr nach dem Insolvenzantrag der Drogeriemarktkette bewegt die Frage nach dem Vermögen der Familie erneut die Gemüter.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will Vermögensübertragungen von Anton Schlecker an Familienangehörige anfechten. Gelingt das, müsste die Familie zahlen. Für viele Ex-Schlecker-Mitarbeiter geht es ein Jahr nach der Hiobsbotschaft immer noch um eine neue Arbeit: Von den ehemals 25.000 Beschäftigten in Deutschland ist knapp die Hälfte noch auf Jobsuche.

Insolvenzverwalter Geiwitz ist verpflichtet, alles zurückzuholen, was Teil der Insolvenzmasse sein könnte. Dazu gehören auch möglicherweise unrechtmäßige Schenkungen und Zahlungen von Anton Schlecker an die Familie. "Der Insolvenzverwalter zeigt sich zuversichtlich, dass bald ein Abschluss herbeigeführt werden kann", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters dazu. Geiwitz habe alle Geschäftsvorfälle der vergangenen zehn Jahre genau geprüft.

Dennoch, viel Hoffnung macht Geiwitz den Gläubigern mit ihren Forderungen von mehr als einer Milliarde Euro nicht. Vergangenes Jahr zeigte er dem Amtsgericht Ulm drohende Masseunzulänglichkeit an, wie es in der Insolvenz-Fachsprache heißt.

Auch viele ehemalige Schlecker-Beschäftigte ringen ein Jahr nach der Pleite noch mit den Folgen. Nach den jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren bis zum 19. Dezember 2012 rund 53 Prozent nicht mehr arbeitslos gemeldet, was allerdings unterschiedliche Gründe haben kann. Mindestens 47 Prozent sind demnach aber noch ohne Job. Gesamtbetriebsratschefin Christel Hoffmann, die ihren Job noch bis Ende März hat, kritisiert allerdings, dass die Vermittlungsquoten der Arbeitsagenturen keinen Aufschluss über die Qualität der Anstellungen gäben.

Die Folgen der Pleite und das Schlecker-Verfahren werden auch den Insolvenzverwalter noch über Monate oder gar Jahre beschäftigen. Vom einstigen Schlecker-Imperium stehen derzeit zwei Dutzend Immobilien zum Verkauf. Die meisten Objekte sind leerstehende Lager, auch die Firmenzentrale in Ehingen ist darunter. Für den Verkauf der Immobilien mit einer Nutzfläche von gut 400 000 Quadratmetern beauftragte Geiwitz im Oktober eine Frankfurter Firma.

Vor allem die große Konzernzentrale sei eine Herausforderung, sagt der zuständige Projektleiter der Immobilienfirma Jones Lang Lasalle, Stefan Langner. Die Regionallager seien technisch in gutem Zustand, aber die Lage von einigen erschwere den Verkauf. "Wir sind aber in letzten Vorbereitungen von ersten Abschlüssen", sagt Langner. Geiwitz hatte im September über zu veräußernde Immobilien gesagt: "Dabei geht es um Schätzwerte im niedrigen dreistelligen Millionenbereich."

Interesse hat auch der Wiener Finanzinvestor Rudolf Haberleitner. Er will 600 alte Schlecker-Märkte in Deutschland wiederbeleben. Doch er denkt nur ans Mieten, wie er der dpa sagt. Er wolle auch Teile der Firmenzentrale. "Aber die gesamte Zentrale wäre viel zu groß für uns", sagt Haberleitner. Auch das Regionallager in Ehingen komme infrage. Unklar ist, ob Geiwitz einer Vermietung zustimmt. "Sein primäres Ziel ist der Verkauf zum bestmöglichen Preis."