16.01.13

US-Banken

JPMorgan und Goldman Sachs scheffeln Milliarden

Zwei der größten Spieler an der Wall Street sahnten im im vergangenen Jahr kräftig ab – trotz europäischer Schuldenkrise.

Foto: REUTERS
File of commuters reflected in stone as they walk past the JP Morgan headquarters in New York
Der Hauptsitz der JPMorgan Chase in New York

New York. Die Gewinne an der Wall Street fließen wieder. Und das trotz bestehender Probleme. Bestes Beispiel ist US-Bankenprimus JPMorgan Chase, der im vergangenen Jahr gewaltige Spekulationsverluste verdauen musste. Dennoch hat JPMorgan 2012 den höchsten Gewinn der Firmengeschichte eingefahren mit unterm Strich 21,3 Milliarden Dollar (16 Mrd Euro). Bei der Investmentbank Goldman Sachs blieben 7,3 Milliarden Dollar übrig.

Die beiden Häuser sind die ersten New Yorker Großbanken, die ihre Jahresbilanzen vorgelegt haben. Sie setzten damit am Mittwoch die Messlatte hoch. JPMorgan verdiente 12 Prozent mehr als im Vorjahr, bei Goldman Sachs war es sogar drei Mal soviel. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank musste in den ersten neun Monaten einen Gewinnrückgang auf 2,8 Milliarden Euro verdauen. Die Jahreszahlen legen die Frankfurter in zwei Wochen vor.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon schien zufrieden mit dem Abschneiden: "Das ist das dritte Jahr in Folge, dass die Firma einen Rekordgewinn vermelden kann", erklärte er. Ein Hauptgrund war die deutliche Erholung des US-Immobilienmarkts. Die Preise steigen, die Zahl der säumigen Schuldner nimmt ab und mehr Menschen leisten sich wieder ein Haus. Zudem verdient JPMorgan glänzend an Kreditkarten.

Für JPMorgan stellte sich das als Glücksfall heraus, denn die Bank musste gleichzeitig einen Spekulationsverlust von mehr als 6 Milliarden Dollar verdauen. Händler der Londoner Filiale hatten sich mit sogenannten Derivaten verzockt. Die Verantwortlichen mussten gehen, und auch Bankchef Dimon kommt nicht ungeschoren davon: Der Verwaltungsrat kürzte ihm den Bonus. Sein Gesamtgehalt für das vergangene Jahr halbierte sich damit auf 11,5 Millionen Dollar.

Weitergehende Konsequenzen muss Dimon aber offensichtlich nicht fürchten. In firmeneigenen Untersuchungsberichten kommt er glimpflich davon. Zwar hätte er im Vorfeld stärker nachhaken können, was seine Mitarbeiter treiben, hieß es darin. Nach Bekanntwerden des Spekulationsdesasters habe er aber konsequent durchgegriffen.

Goldman Sachs wiederum profitierte neben der Erholung auf dem Immobilienmarkt von seinen Beteiligungen, gut laufenden Handelsgeschäften mit Zinsprodukten, Rohstoffen und Währungen sowie einer strikten Kostenkontrolle. Zudem fiel eine Belastung weg: Im Jahr 2011 hatte die Bank ihre Schulden bei Starinvestor Warren Buffett beglichen, was den Gewinn geschmälert hatte. Buffett hatte Goldman Sachs während der Finanzkrise ausgeholfen.

Die europäische Schuldenkrise, die den Banken zwischenzeitlich soviel Kopfzerbrechen bereitet hatte, war zuletzt bei keinem der Häuser mehr ein großes Thema. Was jedoch immer wieder hochkocht, ist Kritik an Hypotheken-Geschäften aus den Zeiten der Finanzkrise.

Zumindest eine juristische Baustelle konnten Goldman Sachs und der Rivale Morgan Stanley am Mittwoch schließen. Tochtergesellschaften der zwei Investmentbanken hatten nach Ansicht der Notenbank Fed und der Bankenaufsicht OCC die Vorschriften nicht beachtet, als sie säumige Schuldner aus ihren Häusern jagten. Die beiden Banken büßen dafür nun mit 557 Millionen Dollar. Zehn andere Banken – darunter JPMorgan Chase – hatten vor einer guten Woche bereits einen Vergleich über 8,5 Milliarden Dollar mit den Behörden geschlossen.

Am Donnerstag legen auch noch die Bank of America und die Citigroup ihre Bilanzen vor. Die auf Privatkunden spezialisierte Wells Fargo hatte bereits in der Vorwoche einen Rekordjahresgewinn von 18,9 Milliarden Dollar vermeldet.

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