08.01.13

Deutscher Außenhandel

Deutsche Exporteure knacken Billionengrenze vorzeitig

Umsatz steigt bis November auf 1,018 Billionen Euro. Im November fielen die Exporte allerdings so stark wie seit gut einem Jahr nicht mehr.

Foto: dapd
Automodelle von Mercedes-Benz
Automodelle von Mercedes-Benz stehen in Bremerhaven für den Export nach China bereit

Berlin. Die deutschen Exporteure haben trotz Euro-Krise und schlapper Weltkonjunktur in Rekordtempo die Umsatzgrenze von einer Billion Euro geknackt.

Von Januar bis November verkauften sie Waren im Wert von 1,018 Billionen Euro ins Ausland – 4,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. 2011 war die Schallmauer erstmals durchbrochen worden, allerdings erst im Dezember. Für 2012 rechnet der Außenhandelsverband BGA mit einem Plus von vier Prozent auf den Rekordwert von 1,103 Billionen Euro. In diesem Jahr sollen die Exporte sogar um fünf Prozent auf 1,16 Billionen Euro wachsen.

Zum Jahresende ging den Unternehmen allerdings die Luft aus: Im November sanken die Ausfuhren verglichen mit dem Vormonat um 3,4 Prozent und damit so stark wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet. Grund für den Durchhänger ist die sinkende Nachfrage aus den Euro-Ländern, von denen einige in einer Rezession stecken und deshalb weniger Waren "made in Germany" kaufen. Die Importe sanken mit 3,7 Prozent sogar noch stärker.

"Deutschland leidet unter der Euro-Krise", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Einmal direkt durch eine sinkende Nachfrage nach Exportgütern, zum anderen indirekt durch das schwache Wirtschaftsvertrauen, das die Investitionen belastet." Die meisten Experten gehen deshalb davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal erstmals seit einem Jahr schrumpfen wird. Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf befürchtet sogar ein "deutliches Minus".

Allerdings stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Delle rasch überwunden wird. "In den USA und China scheint es langsam aufwärtszugehen", sagte Schulz. "Wenn die Euro-Zone sich stabilisiert, dürften im zweiten Halbjahr alle wichtigen deutschen Ausfuhrmärkte wachsen." Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht das ähnlich. "Wir bekommen weiter Impulse von Ländern außerhalb der Euro-Zone", sagte DIHK- Experte Ilja Nothnagel. "Vielleicht kommt ab der zweiten Jahreshälfte die eine oder andere Überraschung aus Europa hinzu."

Neue Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Die deutschen Exporteure eilen trotz Euro-Krise von Rekord zu Rekord: Die 2011 erstmals übertroffene Umsatzmarke von einer Billion Euro wurde 2012 schon im November geknackt.

Hauptgrund für die Erfolgsbilanz: Die deutschen Unternehmen sind in Boomstaaten wie China, Brasilien und Indien seit Jahren präsent und fahren nun die Ernte ein.

Es folgt eine Übersicht über künftige Wachstumsmärkte, in denen Zuwachsraten von bis zu 20 Prozent locken:

Indonesien:

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt, rund 240 Millionen Menschen leben hier.

Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus.

"Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien:

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, Öffnung der Volkswirtschaft und eine verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten.

Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht.

"Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union.

Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru:

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe.

Der DIHK hält deshalb eine Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Malaysia:

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit.

Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Vietnam:

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein.

"Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut.

Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Tunesien:

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas.

"Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

(rtr; Quellen: Thomson Reuters, DIHK-Weltkonjunkturbericht, OECD, Prognos-Studie für den BDI, World Economic Forum)

Deutsche Wirtschaft: Daten und Fakten

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Ländern der Währungsunion ging laut europäischem Statistikamt Eurostat im dritten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück.

Auch im zweiten Quartal gab es bereits einen Rückgang. Zwei Quartale Minuswachstum in Folge ist die gängige Definition einer Rezession.

 In Deutschland legte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal auf Jahressicht zwar leicht um 0,2 Prozent zu. Allerdings bedeutete das eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem ersten Halbjahr.

Im September musste die Automobilindustrie mit einem Minus bei den Erlösen von 7,4 Prozent die höchsten Einbußen unter den umsatzstarken Wirtschaftszweigen in Deutschland gegenüber August hinnehmen.

Der Maschinenbau konnte laut Statistischem Bundesamt dagegen ein Plus von 0,6 Prozent verbuchen.

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums zeichnet sich für das Winterhalbjahr vorübergehend eine schwächere Entwicklung ab, nachdem die ersten drei Quartale noch von einer Aufwärtsentwicklung geprägt waren.

Im Jahresgutachten der fünf Weisen wird prognostiziert, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal stagnieren und im neuen Jahr wieder leicht wachsen wird.

Insgesamt soll sich das deutsche BIP in diesem und im kommenden Jahr jeweils real um 0,8 Prozent erhöhen. (dapd)

(rtr)
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