Di, 08.01.13, 10.10

Baumarktkette Praktiker dämmt Umsatzrückgang ein

Praktiker-Retter zieht Daumenschrauben an

Foto: DAPD

Praktiker-Retter zieht Daumenschrauben an

Trotz Hoffnungsschimmer und Sanierungskurs muss der schwer angeschlagene Konzern einen Rückgang von 6,5 Prozent verkraften.

Hamburg. Praktiker hat sich nach monatelangem Streit um die Zukunft stabilisiert. Der Umsatzrückgang verringerte sich im Schlussquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres, wie der Vorstand am Dienstag auf Grundlage vorläufiger Zahlen in Hamburg mitteilte.

Die Erlöse seien um 2,7 Prozent auf 696 Millionen Euro geschrumpft. Auf vergleichbarer Fläche sei das Vorjahresniveau in Deutschland sogar leicht übertroffen worden. In den ersten neun Monaten hatte das Ringen um die Abwendung der Pleite noch Lieferanten und Kunden abgeschreckt und so für einen deutlicheren Geschäftsrückgang von 6,5 Prozent gesorgt.

Damit sanken die Erlöse das fünfte Jahr in Folge und liegen inzwischen rund 25 Prozent unter den Ergebnissen von 2007. Praktiker war wegen seiner jahrelangen Billigstrategie ("20 Prozent auf alles") und Missmanagements tief in die roten Zahlen gerutscht.

Das Management sieht sich nun aber in seinem Sanierungskurs bestärkt. Insbesondere die Entwicklung der zuletzt auf die Tochter Max Bahr umgestellten Märkte zeige bei Umsatz und Ertrag einen deutlich positiven Trend, berichtete Vorstandschef Armin Burger. "Das deutet darauf hin, dass wir auf einem guten Weg sind, den es nun zielgerichtet auszubauen gilt", erklärte Burger.

Auch im Ausland habe sich der Umsatzrückgang abgeschwächt. Insgesamt erzielte der Konzern im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro, 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Praktiker-Aktie legte am Dienstag zu Handelsbeginn um knapp fünf Prozent zu.

Praktiker hatte im Herbst wesentliche Teile eines rettenden Finanzierungspakets unter Dach und Fach gebracht. Damit endete vorerst ein heftiger Streit mit den Großaktionären, die das alte Management und die zunächst angepeilten Zugeständnisse an Geldgeber kritisiert hatten. Mehrere Kreditgeber gewähren nun Darlehen über 75 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen hat Praktiker mit einer Kapitalerhöhung erlöst. Der Vorstand setzt auf Personalabbau. 15.000 Mitarbeiter verzichteten auf fünf Prozent ihres Gehalts. Die noch fehlenden rund 30 Millionen Euro will Praktiker durch den Verkauf von Baumärkten im Ausland einnehmen.

Einen Großteil des Geldes braucht der Baumarktkonzern, um mehr als 100 der zuletzt 220 Praktiker-Märkte im Inland auf die profitablere Schwestermarke Max Bahr umzustellen.