21.12.12

Euro-Krise

Zypern-Rettung bereitet den Euro-Rettern Probleme

Zypern ist ein kleines Euroland, doch eine Rettung des Inselstaats bereitet große Probleme. Es geht auch um die Rolle Russlands.

Foto: dapd
Zyprische Euro-Münze
Im Ringen um ein Hilfspaket für Zypern verlangt der Internationale Währungsfonds einen Schuldenerlass und setzt damit die Euroländer unter Druck

Nikosia/Berlin. Bei der Rettung des angeschlagenen Eurostaats Zypern zeichnet sich keine einfache Lösung ab. Der scheidende Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und Zyperns Präsident Dimitris Christofias lehnten einen Schuldenschnitt für das Land ab, während die Bundesregierung keine Position beziehen wollte.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" will sich der Internationale Währungsfonds (IWF) nur an einem Rettungspaket für den hoch verschuldeten Inselstaat beteiligen, wenn wie im Fall Griechenland ein Schuldenschnitt für private Investoren durchgeführt wird.

Zypern hatte im Sommer einen Hilfsantrag gestellt und will unter den Rettungsschirm der Euro-Partner schlüpfen. Der Bedarf soll bei 17,5 Milliarden Euro liegen, was in etwa der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Ein Großteil der Hilfen soll den Banken zugutekommen, die in den Sog der Griechenland-Krise geraten sind. Seitdem wird der tatsächliche Finanzbedarf ermittelt, Ergebnisse dürften aber nicht vor Mitte Januar vorliegen.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkte die Kreditwürdigkeit Zyperns erneut um zwei Stufen. Die Bonitätsnote sei von "B" auf "CCC+" reduziert worden, teilte S&P in der Nacht zum Freitag mit. Zyperns Finanzminister Vassos Shiarly reagierte im staatlichen Rundfunk RIK gelassen auf die Herabstufung. Was nun zähle, sei das bevorstehende Stabilisierungsprogramm. S&P hatte auch die "aus unserer Sicht zögerlichen Einstellung der Partner in der Eurozone" bemängelt.

Eurogruppen-Chef Juncker sagte im Deutschlandfunk: "Wir haben abgemacht und das auch in die halbe Welt hinausposaunt, dass wir nur ausnahmsweise im Falle Griechenlands einen Schuldenschnitt machen werden, der den Privatsektor beträfe." Er wolle daher einen solchen Schritt für Zypern "meinerseits auch ausschließen". Auch Jörg Asmussen, deutscher Vertreter im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), sprach sich in der ARD dagegen aus. Zyperns Präsident Dimitris Christofias sagte im im zyprischen Rundfunk RIK zum Thema Schuldenschnitt: "Zypern wird dem nicht zustimmen."

Die Bundesregierung hielt sich bedeckt. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, die Beratungen der Finanzminister würden im Januar vorangetrieben: "Da wird man alle Möglichkeiten ins Auge fassen müssen." Der IWF hatte offiziell einen Kommentar zu seiner angeblichen Forderung nach einem Schuldenschnitt abgelehnt.

Der Währungsfonds macht sich nach einem Bericht des "Handelsblattes" (Freitag) auch für eine direkte Kapitalisierung der zyprischen Banken durch den Euro-Rettungsfonds ESM stark. Zypern wünscht sich nach Informationen aus Regierungskreisen eine solche Bankenhilfe anstelle eines umfassenden Rettungsprogramms mit strengen Auflagen.

Eine Besonderheit ist die Verflechtung Zyperns mit Russland, die die Zustimmung für ein Hilfsprogramm auch in der Berliner Regierungskoalition erschweren könnte. Wohlhabende Russen sollen hohe Beträge auf Konten zyprischer Banken geparkt haben. Seibert sagte dazu lediglich, es gebe enge wirtschaftliche und finanzielle Verknüpfungen zwischen Zypern und Russland. "Russland ist sicherlich ein Land, das auch ein starkes Interesse daran hat, dass in Zypern eine Gesundung eintritt." Moskau hatte Nikosia bereits einen Milliardenkredit gewährt. Denkbar ist, dass sich das Land an einer gemeinschaftlichen Lösung mit der "Troika" aus EU, EZB und IWF beteiligt – was die Verhandlungen aber erheblich erschweren könnte.

Der Troika-Bericht zu Zypern wird am 15. Januar erwartet, am 21. Januar wollen sich die Euro-Finanzminister mit dem Krisenland befassen. Am Mittwoch hatte das Parlament in Nikosia mit großer Mehrheit den Haushalt 2013 gebilligt. Er sieht Kürzungen bei den Löhnen und Renten vor. Weitere Sparmaßnahmen sollen folgen.

Zypern: Kleines EU-Land mit großen Problemen

Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und hat 2008 den Euro eingeführt. Das EU-Recht gilt vorerst jedoch nur im Süden der Insel im östlichen Mittelmeer.

Denn im Norden liegt die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. In der Schuldenkrise gerät das Land immer stärker in Bedrängnis.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 18 Milliarden Euro (2011) und 862.000 Einwohnern ist Zypern eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone.

Ende 2011 lag die Staatsverschuldung noch bei 71,1 Prozent des BIP, für 2012 werden 89,7, bis Ende 2013 96,7 Prozent erwartet.

Die Inflationsrate liegt bei 3,2 Prozent, die Arbeitslosenquote bei 12,1 Prozent (Prognose für 2012).

Zyperns Wirtschaft leidet unter ihrer Exportschwäche: 2011 standen Importen von 6,2 Milliarden Euro Ausfuhren von 1,3 Milliarden Euro gegenüber. Haupthandelspartner ist Griechenland. (dpa)

Euro-Krise: Die wichtigsten Etappen

Eurokrise adé? Mit einem eigenen Budget für die Euro-Staaten, mehr Kontrolle über nationale Ausgaben und der gemeinsamen Aufnahme von Krediten will EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy die Währungsunion vor künftigen Turbulenzen schützen.

Am Donnerstag (12. Dezember) verhandeln die Staats- und Regierungschefs über seine Vorschläge, mit denen der Gipfelchef die Lehren aus der seit drei Jahren tobenden Krise ziehen will.

Nachfolgend einige der wichtigsten Etappen im Kampf um die Stabilität der Währungszone:

Oktober 2009: Die neue griechische Regierung korrigiert die Staatsverschuldung drastisch nach oben, das Vertrauen in die Staatsfinanzen beginnt zu schwinden.

16. Dezember 2009: Standard & Poor's stuft als zweite Ratingagentur Griechenlands Kreditwürdigkeit herab. Spekulationen über eine Staatspleite gehen um. Der Euro-Kurs bricht ein.

25. März 2010: Die Eurogruppe sagt Athen ein Hilfspaket von 110 Milliarden Euro aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu.

7. Mai 2010: Trotz des Rettungsprogramms für Athen rauscht der Euro weiter in den Keller. Spanien und Portugal drohen in den Sog zu geraten. Weltweite Kursverluste schüren die Nervosität. Die EU-Staaten beschließen daraufhin einen Rettungsschirm für die gesamte Euro-Zone.

10. Mai 2010: Die EU-Finanzminister einigen sich auf die Ausgestaltung des 750 Milliarden Euro schweren Abwehrschirms EFSF unter Beteiligung des IWF.

29. Oktober 2010: Der EU-Gipfel gibt grünes Licht für begrenzte Vertragsänderungen und eine private Gläubigerbeteiligung. Die Märkte reagieren nervös, nun gerät Irland immer stärker unter Druck.

21. November 2010: Irland beantragt Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm.

28. November 2010: Die EU-Finanzminister gewähren Dublin ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro und einigen sich auf eine begrenzte Gläubigerbeteiligung bei künftigen Schuldenkrisen.

16. Dezember 2010: Der EU-Gipfel beschließt das Aufspannen eines permanenten Rettungsschirms (ESM) für die Zeit ab 2013.

14. Februar 2011: Die Euro-Finanzminister einigen sich darauf, den ESM mit 500 Milliarden Euro verfügbaren Mitteln auszustatten.

16. Mai 2011: Nun beschließen die Finanzminister der Währungszone auch für Portugal ein 78 Milliarden Euro schweres Rettungspaket.

21. Juli 2011: Auf einem Sondergipfel einigt sich die EU prinzipiell auf weitere Griechenland-Hilfen in Höhe von 109 Milliarden Euro.

16. September 2011: Die Verschärfung des Stabilitätspakts wird beschlossen. Durch die größte Reform der Währungsunion seit der Euro-Einführung 1999 sollen die Regierungen künftig mit härteren und früheren Sanktionen zum Sparen gezwungen werden.

29. September 2011: Der Bundestag winkt den erweiterten EFSF durch.

26. Oktober 2011: Der EU-Gipfel beschließt einen Schuldenschnitt für Griechenland von 50 Prozent. Privatgläubiger wie Banken und Fonds müssen auf 100 Milliarden Euro ihrer Forderungen verzichten.

5. Dezember 2011: Berlin und Paris einigen sich darauf, über Vertragsänderungen automatische Sanktionen und Schuldenbremsen in der Eurozone einzuführen. Standard & Poor's droht mit der Herabstufung von Deutschland, Frankreich und 13 weiteren Euroländern.

9. Dezember 2011: Fast alle Mitgliedstaaten schmieden einen Fiskalpakt, der Ende Januar beschlossen wird. Nur Großbritannien und Tschechien stehen im Abseits, die EU schrammt an der Spaltung vorbei.

13. Januar 2012: Standard & Poor's senkt die Bonität Frankreichs um eine Stufe auf "AA". Auch acht weitere Euro-Länder sind betroffen.

23. Februar 2012: Die Eurozone rutscht laut Konjunkturprognose der EU-Kommission im laufenden Jahr in die Rezession.

9. März 2012: Die Beteiligung privater Gläubiger an der Umschuldung Athens liegt bei 85,8 Prozent. Der Schuldenschnitt wird damit trotz hoher freiwilliger Beteiligung erzwungen.

14. März 2012: Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

20. April 2012: Griechenland bekommt eine erste Hilfstranche für den Bankensektor.

 23. April 2012: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal von 0,4 Prozent lässt Spanien wieder in die Rezession rutschen.

26. April 2012: Standard & Poor's stuft Spanien von "A" auf "BBB+" herab.

9. Mai 2012: Die spanische Regierung übernimmt die Kontrolle über die angeschlagene Großbank Bankia.

30. Mai 2012: Die EU-Kommission will Spanien unter Auflagen ein Jahr mehr Zeit zum Erreichen der Drei-Prozent-Defizitgrenze geben.

31. Mai 2012: Der italienische Ministerpräsident Mario Monti fordert direkte Bankenhilfe aus den Euro-Rettungsfonds.

9. Juni 2012: Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid hierfür bis zu 100 Milliarden Euro zu.

17. Juni 2012: Bei der Neuwahl in Athen siegen die reformwilligen Konservativen. Europa atmet auf, das Schreckensszenario eines griechischen Euro-Austritts scheint zumindest vorerst gebannt.

18. Juni 2012: Nach der Wahl in Griechenland werden dort verstärkt Rufe laut, den Rettungsplan neu zu verhandeln und mehr Zeit zum Erreichen der Sparziele einzufordern.

25. Juni 2012: Nach langem Zögern beantragen sowohl Spanien als auch Zypern Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm. Der genaue Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

29. Juni 2012: Der EU-Gipfel ermöglicht strauchelnden Ländern erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen, wenn sie den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachkommen.

29. Juni 2012: Zudem sollen Banken Direkthilfen aus dem ESM bekommen dürfen, sobald eine europäische Bankenaufsicht geschaffen worden ist. Danach billigen Bundesrat und Bundestag den Fiskalpakt und den ESM.

9. Juli 2012: Die Eurogruppe segnet die in einem Memorandum festgehaltenen Bedingungen des spanischen Hilfspakets grundsätzlich ab. Madrid soll bis zu 100 Milliarden an EFSF-Krediten erhalten und verpflichtet sich, im Gegenzug bestimmte Auflagen zu erfüllen.

26. Juli 2012: Mit seinem Versprechen, die Europäische Zentralbank werde "alles tun, was zum Schutz des Euros notwendig ist", löst EZB-Chef Draghi ein Kursfeuerwerk an den Börsen aus und schürt Hoffnungen auf eine baldige Anleihenkauf-Aktion der Währungshüter.

6. September 2012: Draghi kündigt ein "unbegrenztes" Aufkaufprogramm für Staatsanleihen an.

12. September 2012: Das Bundesverfassungsgericht gibt grünes Licht für den ESM.

8. Oktober 2012: Gründungssitzung des ESM.

9. Oktober 2012: Elf EU-Staaten beschließen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer auf Börsengeschäfte.

12. Oktober 2012: EU-Ratschef Van Rompuy schlägt erstmals ein eigenes Euro-Budget mit Recht zur Kreditaufnahme, eine Bankenunion sowie Brüsseler Eingriffe in die nationale Haushaltshoheit vor.

16. Oktober 2012: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) skizziert seinen Plan für ein neues Europa – mit einem "Super-Währungskommissar", der Budgetentwürfe der Regierungen kontrollieren und notfalls zurückweisen soll.

19. Oktober 2012: Der EU-Gipfel einigt sich darauf, alle wichtigen Rechtsfragen zu Aufgaben und Funktionsweise der europäischen Bankenaufsicht noch vor dem Jahreswechsel zu klären.

19. Oktober 2012: Wie schnell sie ihre Arbeit aufnimmt und klamme Geldhäuser direkte Kapitalspritzen aus dem ESM bekommen dürfen, bleibt umstritten.

7. November 2012: Die EU-Kommission senkt ihren Konjunkturausblick für die Eurozone nach unten: Für 2012 nimmt sie jetzt ein Minus von 0,4 Prozent an, für 2013 nur noch 0,1 statt 1,0 Prozent Wachstum.

12. November 2012: Die Eurogruppe will Athen zwei Jahre mehr Zeit zum Erreichen der Sparziele geben, die Rechnung von 32 Milliarden Euro aber den Griechen selbst aufbürden.

12. November 2012: Über die Finanzierung des Landes, und wann es seine Schulden wieder selbst tragen muss, wird weiter heftig mit dem Internationalen Währungsfonds gestritten.

19. November 2012: Die US-Ratingagentur Moody's entzieht Frankreich die Topbonität und senkt sie um eine Stufe auf Aa1.

27. November 2012: Die Eurogruppe einigt sich prinzipiell auf die Freigabe von 44 Milliarden Euro an Notkrediten für Athen.

27. November 2012: Die klaffende Finanzierungslücke bis 2014 soll mit Zinssenkungen, Kreditstundungen, Gewinnen aus dem EZB-Anleihenkaufprogramm sowie einem griechischen Schuldenrückkauf gestopft werden.

27. November 2012: Bis 2020 soll die Schuldenlast Athens auf 124 statt derzeit 180 Prozent sinken.

30. November 2012: Moody's entzieht nun auch den beiden Euro-Rettungsschirmen ESM und EFSF die Bonitäts-Bestnote. (dapd)

Zahlen und Fakten zur Europäischen Union

Die Europäische Union umfasst derzeit 27 Mitgliedsstaaten. In diesen leben etwa 500 Millionen Einwohner auf einer Gesamtfläche von 4,3 Millionen Quadratkilometern.

 Die Gründungsmitglieder sind Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Luxemburg und Belgien.

Sie schlossen sich 1952 zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zusammen. Ziel dieser Montanunion war es, durch wirtschaftliche Verflechtungen den Frieden in Europa zu festigen und die Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg anzukurbeln.

Mit den römischen Verträgen 1957 wurden die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft gegründet, die 1993 in der Europäischen Union aufgingen.

1973 traten Dänemark, Großbritannien und Irland bei. 1981 folgte Griechenland, 1986 Spanien und Portugal. Danach traten 1995 Österreich, Schweden und Finnland bei.

Bei der großen Osterweiterung von 2004 kamen zehn neue Mitglieder hinzu: Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern.

2007 stieg mit dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens die Mitgliedszahl auf 27. Am 1. Juli 2013 soll Kroatien das 28. EU-Mitgliedsland werden.

 Die wichtigsten Organe der EU sind der Europäische Rat aus den Staats- und Regierungschefs der EU, das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union ("Ministerrat") aus den Fachministern der Staaten sowie die EU-Kommission.

 Weitere Organe sind die Europäische Zentralbank, der Gerichtshof der Europäischen Union und der Europäische Rechnungshof. Die Gesetzgebungskompetenz in der EU liegt beim Ministerrat und beim Parlament. Gesetzvorschläge werden von der Kommission gemacht, die sich aus 27 Kommissaren, einem pro Mitgliedsland, zusammensetzt.

Der Europäische Rat und die Kommission sind in Brüssel angesiedelt. Der Ministerrat tagt in Brüssel und Luxemburg, das Parlament in Brüssel und Straßburg. In Luxemburg befinden sich auch der Gerichtshof der Europäischen Union und der Europäische Rechnungshof. Die Europäische Zentralbank hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.

17 Staaten der EU bilden zudem eine Wirtschafts- und Währungsunion. Seit 2002 ist der Euro die gemeinsame Währung. 2005 scheiterte eine gemeinsame Europäische Verfassung an Volksabstimmungen in den Niederlanden und in Frankreich. (epd)

Wie die Euro-Krisenländer wirtschaftlich dastehen

Die Krisenstaaten der Euro-Zone haben noch einen langen Weg vor sich, bis die Wirtschaft stabilisiert und die Staatsdefizit spürbar gesunken sind. Das ist das Fazit der Herbstprognose der EU-Kommission vom Mittwoch.

Es folgt ein Überblick über die Vorhersagen für Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Irland und Zypern:

Spanien: Erst 2014 wird das Land nach Prognose der EU-Kommission die Rezession beenden. Grund dafür ist vor allem die schwächelnde Binnenwirtschaft, die unter hoher Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und der Immobilienkrise leidet.

Übernächstes Jahr soll es ein Wachstum von 0,8 Prozent geben. In diesem und im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung dagegen um jeweils 1,4 Prozent schrumpfen, was die Arbeitslosenquote auf den Rekordwert von 26,6 Prozent treibt.

Spanien wird auch wegen der schwachen Wirtschaft noch mindestens zwei Jahre lang mit einem hohen Haushaltsdefizit kämpfen.

Das Defizit der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone wird 2014 bei 6,4 Prozent erwartet. Das wäre mehr als 2013 mit 6,0 Prozent, aber weniger als in diesem Jahr mit 8,0 Prozent.

Italien: Besser als Spanien, aber nicht unbedingt gut steht Italien da. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion dürfte im kommenden Jahr nur noch um 0,5 Prozent schrumpfen, nach einem Minus von 2,3 Prozent in diesem Jahr.

2014 soll das Land zu Wachstum zurückkehren. Es dürfte aber mit 0,8 Prozent bescheiden ausfallen. Die EU-Kommission ist damit pessimistischer als die Regierung in Rom, die ein Plus von 1,1 Prozent erwartet.

Italien wird der Prognose zufolge das Defizitziel kontinuierlich einhalten: Das Minus erreicht demnach in den kommenden beiden Jahren jeweils 2,1 Prozent des BIP nach 2,9 Prozent in diesem Jahr. Erlaubt sind nach den EU-Verträgen maximal drei Prozent.

Portugal: Trotz besserer Wettbewerbsfähigkeit durch sinkende Löhne wird es auch in Portugal noch bis 2014 dauern, bis die Wirtschaft ihre Schrumpfkur beendet.

Dann soll das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent wachsen, nachdem es 2013 um 1,0 und in diesem Jahr sogar um 3,0 Prozent nach unten gehen soll.

Bis 2014 werde sich das Staatsdefizit auf 2,5 Prozent halbieren und damit wieder kompatibel mit den EU-Verträgen sein. Der Schuldenberg dürfte bis dahin aber auf 123,5 Prozent der Wirtschaftsleistungen wachsen.

Griechenland: Auch Griechenland wird erst 2014 wieder ein Wachstum zugetraut, das mit 0,6 Prozent zudem sehr gering ausfallen soll. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistungen dagegen das fünfte Jahr in Folge einbrechen, und zwar um 4,2 Prozent.

Die Arbeitslosenquote dürfte 2013 auf den Rekordwert von 24,0 Prozent steigen und danach etwas sinken. Das Staatsdefizit wird in den kommenden beiden Jahren kontinuierlich kleiner, bleibt aber mit erwarteten 4,6 Prozent sehr groß.

Der Schuldenberg wächst dagegen unaufhörlich: 2014 soll er fast das Doppelte der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen.

Irland: Von allen Krisenstaaten macht Irland die größten Fortschritte, vor allem, weil Waren und Dienstleistungen weltweit wieder gefragt sind. Der 2011 begonnene Wachstumskurs soll bis 2014 anhalten.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um 2,2 Prozent zulegen, die Arbeitslosenquote bis dahin auf 14,2 Prozent fallen. Nicht ganz so gut steht es um die Staatsfinanzen.

Zwar soll das Defizit kontinuierlich zurückgehen, aber selbst 2014 mit 5,0 Prozent noch klar über der Grenze von drei Prozent verharren. Der Schuldenberg immerhin dürfte dann aber erstmals wieder schrumpfen – auf 119,2 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zypern: Als einziges Euro-Land soll die Mittelmeerinsel in den beiden kommenden Jahren in der Rezession verharren. In diesem Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent fallen, im kommenden um 1,7 und 2014 um 0,7 Prozent.

Das Staatsdefizit dürfte sich kontinuierlich erhöhen und 2014 mit sechs Prozent doppelt so hoch ausfallen wie erlaubt.

Der Schuldenberg wird nach diesen Prognosen die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung übertreffen. Auch die Arbeitslosenquote wird wegen der Wirtschaftsmisere bis 2014 auf 13,9 Prozent steigen. (rtr)

(dpa)
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