22.11.12

Hamburger Versandhändler

Otto sichert sich Rechte an Neckermann.de

Der Hamburger Konzern hat die Internet-Marken des insolventen Konkurrenten Neckermann gekauft und somit Zugriff auf die Kundendaten.

Foto: picture alliance / dpa/dpa
Otto-Logo
Das Hamburger Versandhaus Otto hat die Namensrechte an Neckermann.de gekauft

Hamburg/Frankfurt. Der Hamburger Otto-Konzern hat sich die Namensrechte des früheren Konkurrenten Neckermann gesichert und übernimmt damit die Internetmarke des insolventen Versandhändlers. Damit kann Otto mit dem Logo der Traditionsmarke Neckermann im Netz werben.

Die Hamburger Otto Group kaufte zu einem nicht genannten Preis aus der Insolvenzmasse die Markenrechte und Internet-Domains wie neckermann.de und neckermann.com, wie Insolvenzverwalter Joachim Kühne am Donnerstag in Frankfurt berichtete.

Ähnlich waren die Hamburger bei Quelle vorgegangen. Schon der früheren Neckermann-Schwester war die zögerliche Hinwendung zum Online-Geschäft zum Verhängnis geworden. Von den drei im Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit groß gewordenen Versandhändlern ist nur noch Otto übrig.

Otto baut sein Internetgeschäft seit Jahren aus und sieht sich als zweitgrößter Onlinehändler hinter dem US-Konzern Amazon. 58 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland macht Otto online, weltweit sind es in der Gruppe 53 Prozent.

Die Kundenkartei darf Otto ebenfalls nutzen, um die früheren Neckermann-Besteller anzusprechen. Die Daten blieben aber unter Kontrolle der Insolvenzverwaltung.

Erst wenn die ehemaligen Neckermann.de-Kunden bestellen, kann Otto die Daten übernehmen. "Wir glauben, dass die Marke Neckermann Potenzial hat", sagte ein Otto-Sprecher. Der Transfer muss noch kartellrechtlich geprüft werden.

Zuvor war bereits das Frankfurter Hochregallager der ebenfalls insolventen Neckermann Logistik verkauft worden. Der neue Investor will zunächst 20 bis 30 Leute beschäftigen und dabei auf frühere Neckermann-Mitarbeiter setzen.

Bei der Neckermann-Pleite haben im Herbst rund 2000 Menschen in Frankfurt und Sachsen-Anhalt ihre Jobs verloren.

Niedergang von Neckermann – eine Chronologie
Niedergang von Neckermann – eine Chronologie
Neckermann hat am 18. Juli 2012 Insolvenz angemeldet. Damit endet vorläufig eine über 60-jährige Unternehmensgeschichte. Den fetten Jahren folgten Krisenzeiten – eine Übersicht.
1. April 1950: Der Kaufmann Josef Neckermann gründet in Frankfurt/Main die Neckermann Versand KG.
1. Januar 2006: Das Unternehmen wird in "neckermann.de" umbenannt. Damit soll der gewachsenen Bedeutung des Internethandels Rechnung getragen werden.
28. November 2006: Der Handelskonzern Arcandor, zu dem neckermann.de gehört, gibt bekannt, sich von der Versandsparte zu trennen, um sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.
12. Dezember 2007: Mit 51 Prozent geht die Mehrheit der Neckermann-Anteile ohne direkte finanzielle Gegenleistung an den amerikanischen Finanzinvestor Sun Capital Partners.
8. Oktober 2010: Nach der Insolvenz von Arcandor gehen auch die restlichen 49 Prozent Beteiligung an Sun Capital.
27. April 2012: Der Versandhändler kündigt an, den Kataloghandel komplett einzustellen. Zugleich gibt das Unternehmen bekannt, wegen anhaltender Umsatzeinbrüche mehr als jeden zweiten Arbeitsplatz in Deutschland streichen zu wollen. Von gut 2500 Stellen sollen 1380 wegfallen.
10. Mai 2012: Das von der Belegschaft erarbeitete Sanierungskonzept ist endgültig gescheitert. Das geben Arbeitnehmervertreter nach einem Gespräch mit Geschäftsleitung und Eigentümer bekannt.
21. Mai 2012: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) lehnt staatliche Hilfe für Neckermann ab.
8. Juni 2012: Der Streit um Stellenkürzungen geht in die nächste Runde. Ver.di fordert die Einrichtung einer Transfergesellschaft.
2. Juli 2012: Die Neckermann-Beschäftigten rufen zu einem zweitägigen Streik auf. Damit will ver.di den Druck auf die Geschäftsführung und den Eigentümer Sun Capital erhöhen, die Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungen wieder aufzunehmen. Zugleich äußert die Gewerkschaft Befürchtungen, wonach weitere 1.500 Beschäftigten entlassen werden könnten.
11. Juli 2012: Der Druck auf neckermann.de wächst. Die Verhandlungen in den Einigungsstellen seien endgültig gescheitert, teilt das Unternehmen mit. Dabei geht es um mögliche Abfindungen für von Entlassung bedrohte Mitarbeiter, auf die die Gewerkschaften pochen. Vergeblich: "Die dazu notwendigen finanziellen Mittel sind jedoch nicht vorhanden", teilt Neckermann mit.
18. Juli 2012: Neckermann stellt Insolvenzantrag. Die Verhandlungen über einen Sanierungsplan seien gescheitert, teilen das Unternehmen und die Gewerkschaft in Frankfurt am Main mit. (dapd)
Die größten Versandhändler in Deutschland
Die größten Versandhändler in Deutschland
Online schlägt Katalog: Der reine Internet-Händler Amazon schlägt beim Umsatz die alteingesessenen Versandhäuser in Deutschland – allerdings nur, wenn die Konzernfirmen Bonprix, Heine und Witt nicht zur Otto Group gerechnet werden.
Neckermann belegt nach den Zahlen des EHI Retail Institute für 2010 Platz vier.
1. Amazon (Umsatz 2800 Mio. Euro)
2. Otto Group (2100 Mio. Euro)
3. Weltbild (geschätzt 1150 Mio. Euro)
4. Neckermann (871 Mio. Euro)
5. Conrad Electronic (geschätzt 785 Mio. Euro)
6. Klingel (geschätzt 740 Mio. Euro)
7. QVC (719 Mio. Euro)
8. Heine (666 Mio. Euro)
9. Witt Weiden (603 Mio. Euro)
10. Bonprix (geschätzt 600 Mio. Euro) (dpa)
rtr/dpa/ha
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