20.11.12

Zocker-Prozess UBS-Händler muss sieben Jahre hinter Gitter

Kweku Adoboli

Foto: dpa

Kweku Adoboli Foto: dpa

Wegen Milliardenbetrugs wurde der Ex-Händer in London für schuldig befunden. Der 32-Jährige hatte 2,3 Milliarden Dollar verzockt.

London. Nach der Milliarden-Zockerei bei der Schweizer Großbank UBS ist der 32 Jahre alte Ex-Händler Kweku Adoboli zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das gab der Southwark Crown Court in London am Dienstag bekannt.

Das Gericht hatte Adoboli des Betrugs in zwei Fällen für schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der Bilanzfälschung sprachen die Geschworenen den 32-Jährigen am Dienstag frei. Laut Anklage hat Adoboli bei der größten Schweizer Bank durch unerlaubte Spekulationen mit börsennotierten Indexfonds (ETF) einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar verursacht.

Die Anklage hatte in dem rund zehn Wochen langen Verfahren vor Gericht von Adoboli das Bild eines gewissenlosen Zockers gezeichnet, der in betrügerischer Absicht vorgegangen sei und die Bücher gefälscht habe, um seine Taten zu verheimlichen. Getrieben haben ihn nach Ansicht von Staatsanwältin Sasha Wass Ehrgeiz und der Drang nach Erfolgsprämien. Erst als ihm bankinterne Kontrolleure auf die Spur gekommen seien, habe er seine Taten seinen Vorgesetzten gebeichtet. Adoboli hatte bis zu seiner Verhaftung acht Jahre lang bei der Investmentbank der UBS in London gearbeitet. Er wurde am 15. September 2011 festgenommen und ein Jahr später vor Gericht gestellt.

Der aus Ghana stammende Sohn eines UN-Diplomaten räumte vor Gericht ein, mit übermäßigen Risiken und verdeckten Konten operiert zu haben. Er wies aber jegliche Betrugsabsichten von sich und plädierte auf nicht schuldig in allen sechs Anklagepunkten. Er habe immer nur das Beste für UBS im Auge gehabt. Die Bank habe ihn zu immer höheren Risiken verführt, sagte er vor Gericht. Seine Vorgesetzten hätten sein Handeln stillschweigend geduldet solange dieses Gewinn abgeworfen habe. Auch andere UBS-Händler hätten mit geheimen Konten gearbeitet.

Bei UBS selbst hatte der Londoner Handelsskandal weitreichende Folgen. Konzernchef Oswald Grübel trat zurück und wurde durch den damaligen Europa-Chef Sergio Ermotti ersetzt. Unter Ermottis Führung kündigte die Bank vor wenigen Wochen drastische Einschnitte im Investmentbanking und den Abbau von 10.000 Arbeitsplätze im ganzen Konzern an.

In einem ähnliche Fall war der französische Händler Jerome Kerviel zu drei Jahren Gefängnis und zwei weiteren Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Kerviel hatte bei der Großbank Societe Generale mit missglückten Spekulationen 2008 rund 4,9 Milliarden Euro in den Sand gesetzt.