19.11.12

Postbank Finanzberatung AG

Anwalt: Strafantrag wegen Betrugs gegen Postbank

Geschädigte Anleger wollen von der Postbank nicht nur Schadenersatz. Hamburger Anwalt soll Strafantrag gegen Vorstand gestellt haben.

Foto: dpa
Postbank Filiale
Das Logo der Postbank über dem Eingang einer Filiale

Kiel/Hannover/Bonn. Gegen den Vorstand der Postbank Finanzberatung AG haben 25 geschädigte Anleger nach Angaben des Hamburger Rechtsanwalts Arne Heller Strafantrag wegen gewerbsmäßigen Betrugs gestellt. Der Strafantrag sei am 31. Oktober von dem mit ihm kooperierenden Strafrechtler Volker Koppitz fertiggestellt und dann per Post an die zuständige Staatsanwaltschaft Hannover geschickt worden, sagte Heller am Montag.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover sagte am Abend, er könne frühestens am Donnerstag Bescheid geben, ob ein solcher Strafantrag eingegangen sei. Ein Postbanksprecher antwortete auf die Frage, ob dem Unternehmen ein solcher Strafantrag bekannt sei: "Nein, das können wir nicht bestätigen." Zum Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs äußerte sich der Sprecher nicht.

Heller vertritt nach eigenen Angaben zivilrechtlich inzwischen 80 frühere Postbankkunden – die meisten aus Schleswig-Holstein, einige auch aus Hamburg. Die Schadenssumme liege insgesamt bei zehn Millionen Euro. "Um den Druck auf die Postbank zu erhöhen, baten mich Geschädigte, auch strafrechtlich vorzugehen", sagte Heller. Da er selber kein Strafrechtler sei, habe er seinen Mandanten den Kollegen Koppitz empfohlen. Heller hat nach eigenen Angaben 15 zivilrechtliche Klagen auf den Weg gebracht, weitere würden folgen. An diesem Mittwoch werde er als Gast bei "stern-tv" über das Thema berichten.

Seine Anleger fühlten sich grob getäuscht, sagte Heller. Bankberater sollen ihnen riskante Produkte verkauft haben, obwohl sie sichere Anlagen haben wollten. Es ging unter anderem um Schiffsbeteiligungen und risikobehaftete Fonds. So habe ein 85-Jähriger eine Schiffsanleihe gezeichnet, die 2026 fällig werde, sagte Heller.

Der Sprecher der Postbank wies am Montagabend den generellen Vorwurf einer Fehlberatung oder gar Täuschung zurück: "Grundsätzlich sind wir der Überzeugung, dass die geleistete Beratung auch mit Blick auf bestimmte Altersgruppen hochwertig und der Situation der Kunden angemessen war." Mit Blick auf die inzwischen eingetretenen Veränderungen – Stichwort Finanzkrise – sei das Unternehmen dennoch bereit, "die in Frage stehenden Beschwerdefälle im Einzelfall noch einmal zu prüfen. Wir nutzen dazu ein Verfahren, mit dessen Entwicklung wir eine unabhängige Wirtschaftsprüfungskanzlei beauftragt haben."

Die Postbank Finanzberatung AG hat ihren Sitz in Hameln (Niedersachsen).

dpa
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