19.11.12

Skandinavische Airline

SAS und Gewerkschaften einig über Sparpläne

Die trudelnde Airline hat sich mit sieben von acht Gewerkschaften auf Lohnkürzung, weniger Freizeit und Pension geeinigt.

Foto: dpa
SAS-Flugzeuge
Die SAS Airline kämpft ums Überleben und muss sich von 6000 ihrer 15.000 Mitarbeiter trennen. Ein Sparpaket sieht zudem weniger Gehalt, mehr Arbeit und neue Pensionsregelungen vor

Kopenhagen. Die ums Überleben kämpfende skandinavische Fluggesellschaft SAS hat bei den meisten Gewerkschaften ihr Sparpaket durchbekommen.

Mit sieben der acht Gewerkschaften habe man sich auf Gehaltskürzungen, sowie Änderungen bei Arbeitszeiten und Rentenverträgen geeinigt, teilte die Airline, die zur Hälfte Schweden, Dänemark und Norwegen gehört, am Montag mit.

Die Zustimmung der Gewerkschaft des Kabinenpersonals in Dänemark steht noch aus. "Wir müssen sie an Bord holen. Das ist eine der Bedingungen, um den Plan umsetzen zu können", sagte SAS-Chef Rickard Gustafson am Rande der Verhandlungen am Flughafen von Kopenhagen. Die Fortschritte bei den Bemühungen um einen Fortbestand der 1951 gegründeten Fluggesellschaft bescherten der Aktie einen Kurssprung von knapp 25 Prozent.

SAS machen Billiganbieter wie Ryanair oder Norwegian schwer zu schaffen. Seit 2007 hat das Unternehmen keinen Jahresgewinn mehr erwirtschaftet. Deshalb will sich die Airline nun von rund 6000 ihrer rund 15.000 Beschäftigten trennen und einen drastischen Sparplan umsetzen.

Dazu gehört ein Kredit über umgerechnet 400 Millionen Euro (3,5 Milliarden schwedische Kronen), der von sechs Banken und den staatlichen Anteilseignern gestellt wird. Bedingung ist die Einigung mit allen Gewerkschaften. "Das war ein zermürbender Prozess", sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft des norwegischen Kabinenpersonals. "Wir haben große Zugeständnisse gemacht. Wir sind nicht glücklich, hatten aber auch keine andere Wahl, um die Arbeitsplätze und das Unternehmen zu erhalten."

Eigentlich wollte sich SAS bis Sonntag mit den Arbeitnehmervertretungen einigen. Die Verhandlungen gingen aber in der Nacht weiter. Mit der drohenden Insolvenz im Rücken wurden Piloten am Sonntag angewiesen, ihre Flugzeuge vollzutanken, um bei Bedarf zurückfliegen zu können. Die Flugbegleiter bekamen Bargeld, um sicherzustellen, dass sie ein Hotel bezahlen konnten. Wie lange die Barmittel des Unternehmens reichen, sollte es den Kredit nicht bekommen, wollte SAS nicht sagen.

SAS leidet auch unter strukturell hohen Kosten. So mussten die Besatzungen der Flugzeuge bislang das Verhältnis der staatlichen Eigentümer widerspiegeln. Der Lohn des Kabinenpersonals soll den Restrukturierungsplänen zufolge nun im Schnitt um zwölf Prozent gesenkt werden, in anderen Teilen des Unternehmens um bis zu 17 Prozent.

800 Stellen sollen gestrichen werden. Zudem soll die Mitarbeiterzahl durch den Verkauf der Regional-Airline Wideroe und des Bodendienstleisters um mindestens 5000 auf 9000 sinken. Ob SAS mit dem Sparprogramm unabhängig überleben kann, wird jedoch bezweifelt. SAS ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die derzeit massiv Arbeitsplätze abbaut: Bei der spanischen Iberia sollen 4500 Stellen wegfallen.

rtr
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