15.11.12

Landesbank

BayernLB profitiert von Umbaumaßnahmen

Die krisengeplagte Bank steigerte ihren Gewinn in den ersten neun Monaten um 79 Prozent. Sorgenkind bleibt die Ungarn-Tochter MKB.

Von Christian Krämer
Foto: dpa
BayernLB
Die BayernLB hat ihren Gewinn in den ersten neun Monaten 2012 um 79 Prozent auf 271 Millionen Euro gesteigert

München. Die BayernLB erntet langsam die Früchte ihres Konzernumbaus. Vor Steuern sprang der Gewinn in den ersten neun Monaten um 79 Prozent auf 271 Millionen Euro, wie Deutschlands zweitgrößte Landesbank am Donnerstag in München mitteilte. Im Kerngeschäft schlug sich das Institut besser als bisher, es fielen zudem weniger Sonderlasten als in der Vergangenheit an. Das Sorgenkind bleibt die ungarische Tochter MKB, die trotz Kostensenkungen in den roten Zahlen feststeckt und immer wieder frisches Kapital braucht.

BayernLB-Finanzchef Stephan Winkelmeier verwies auf Fortschritte bei der MKB. Unter dem neuen Management seien etwa durch Filialschließungen die Kosten um rund 30 Millionen Euro gesenkt worden. Zudem sei die Refinanzierung jetzt unabhängiger von der Mutter. "Wir kommen deutlich voran." Der Verlust der MKB ging in den ersten neun Monaten um fast ein Drittel auf 131 Millionen Euro zurück. Die drakonische Bankenabgabe in dem osteuropäischen Land sowie die hohe Risikovorsorge für faule Kredite sorgen unverändert für rote Zahlen.

Winkelmeier sagte, er rechne nächstes Jahr mit einem geringeren Verlust der MKB, wenn es keine neuen Eingriffe der Regierung in den Markt gebe. "Ein weiterer Kapitalbedarf ist aber nicht ausgeschlossen." Die BayernLB beteiligte sich gerade erst mit rund 230 Millionen Euro an der jüngsten Kapitalerhöhung der MKB. Andere Aktionäre zogen bei der Transaktion nicht mit.

Die MKB soll bis 2015 verkaufsfähig sein. Interessenten sind allerdings nicht in Sicht. Insgesamt muss sich die BayernLB - als Ausgleich für die milliardenschwere Rettung in der Finanzkrise mit Steuergeldern – von mehreren Töchtern trennen und dem Freistaat als Haupteigentümer bis 2019 fünf Milliarden Euro überweisen. So geht die Landesbausparkasse, wie bereits festgelegt, an die bayerischen Sparkassen. Die Immobilientochter GBW mit ihren 32.000 Wohnungen im Freistaat soll bis Frühjahr 2013 abgestoßen werden. Insidern zufolge gibt es rund zwei Dutzend Interessenten. Für Immobilien in Süddeutschland werden momentan sehr hohe Preise gezahlt. Der Deal könnte der Bank laut Experten zwei bis 2,5 Milliarden Euro einbringen.

Die GBW teilte ihrerseits mit, den Überschuss von Januar bis September auf 51,9 (Vorjahr: 30) Millionen Euro gehievt zu haben. Die Erlöse kletterten dank steigender Mieten und einer niedrigen Leerstandsquote um vier Prozent auf 142,8 Millionen Euro.

Die BayernLB baut zudem ihre Altlasten – darunter riskante Wertpapiere, US-Immobilien und Kredite für Schiffe und Flugzeuge - ab, seit Jahresbeginn um weitere sieben Milliarden Euro. Damit hat die sogenannte Restrukturierungseinheit nur noch ein Volumen von 20 Die Landesbank, die durch den Umbau kleiner, effizienter und risikoärmer werden soll, strebt im Gesamtjahr 2012 ein positives Ergebnis an. Auch das vierte Quartal werde schwarze Zahlen bringen, sagte Winkelmeier.

Krise der BayernLB – eine Chronologie

Krise der BayernLB – eine Chronologie

Früher war die BayernLB ein Aushängeschild des Freistaats Bayern – heute ist sie ein Sanierungsfall. Schuld daran war vor allem der Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria, für den die BayernLB den ehemaligen Vorstand seit Dienstag vor Gericht in die Pflicht nehmen will. dpa dokumentiert die wichtigsten Etappen im Fall BayernLB.

22. Mai 2007: Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

24. August 2007: Die BayernLB räumt erstmals ein Engagement im krisengeschüttelten US-Markt für Hypothekendarlehen bonitätsschwacher Schuldner ein. Bisher gebe es keine "Zahlungsstörungen", heißt es.

13. Februar 2008: Die BayernLB beziffert die Belastungen auf 1,9 Milliarden Euro.

19. Februar 2008: BayernLB-Chef Werner Schmidt tritt wegen der Querelen um die Offenlegung der Belastungen zurück. Nachfolger wird der ehemalige HypoVereinsbank-Manager Michael Kemmer.

3. April 2008: Die BayernLB beziffert die Belastungen auf 4,3 Milliarden Euro.

19. September 2008: Die BayernLB gibt bekannt, dass sie durch die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers mit Ausfallrisiken von bis zu 300 Millionen Euro rechnet.

22. Oktober 2008: Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) übernimmt die politische Verantwortung für das Desaster und tritt zurück.

24. Oktober 2008: Im Machtkampf um die Ablösung Kemmers muss die Staatsregierung eine Niederlage hinnehmen. Er bleibt im Amt, nachdem ihn zahlreiche Beschäftigte in einer öffentlichen Demonstration wie einen Star gefeiert hatten.

28. November 2008: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

1. Dezember 2008: Kemmer kündigt den Abbau von 5600 der weltweit gut 19 000 Arbeitsplätze an, um damit langfristig das Überleben der Bank zu sichern.

23. Januar 2009: Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009: Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009: Der wochenlange Poker zwischen Österreich und Bayern hat ein Ende: Die HGAA soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

23. Dezember 2009: Auch der langjährige BayernLB-Kontrolleur und Sparkassenpräsident Siegfried Naser stürzt und will sein Amt zur Verfügung stellen.

4. Januar 2010: Nach dem Debakel mit der HGAA hofft der Freistaat auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

28. Januar 2010: Ermittler durchsuchen Räume der BayernLB-Tochter Deutsche Kreditbank (DKB) in Berlin.

9. Februar 2010: Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist der Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010: Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im bayerischen Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010: – Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

17. Juni 2010: – Im Untersuchungsausschuss verweigern der frühere BayernLB-Vorstandschef Michael Kemmer und Ex-Vorstand Rudolf Hanisch die Aussage.

13. Oktober 2010: Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) weist im Untersuchungsausschuss jegliche Mitverantwortung am Debakel mit der Hypo Alpe Adria zurück.

25. Oktober 2010: Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Januar 2011: Der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky wird in München verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2006 rund 44 Millionen Dollar vom Boss der Rennserie, Bernie Ecclestone, angenommen zu haben. Im Oktober 2011 beginnt der Prozess. Ein Urteil ist noch nicht gesprochen.

25. Mai 2011: Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des milliardenschweren Fehlkaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt, erklärt die Anklagebehörde. Das Gericht zweifelt aber an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag, über das noch nicht entschieden ist.

7. Juni 2012: Gribkowsky wird zu achteinhalb Jahren Haft wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Nach monatelangem Schweigen hatte er vor Gericht zugegeben, 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Ecclestone erhalten und nicht versteuert zu haben.

19. Juni 2012: BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. (dpa)

Hintergrund: Die BayernLB und die Formel 1
Hintergrund: Die BayernLB und die Formel 1
Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der "Muppets Show" erworben.
Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab.
Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.
Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen.
In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende – und profitable – Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.
Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.
Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC- Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist.
Der heute 81-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema. (dpa)
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