12.11.12

Energie-Landkarte

Dank neuer Technologie: USA bald größter Ölproduzent?

Spätestens 2017 werde das Land dank neuer Fördertechnologien die bisherigen Spitzenreiter überholen, prognostizierte die IEA am Montag.

Foto: dpa
US-Öl nach deutlichem Preisrutsch etwas teurer
Die USA soll laut IEA innerhalb von fünf Jahren größter Ölproduzent werden

London. Die USA werden nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur IEA innerhalb von nur fünf Jahren Saudi Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Spätestens 2017 werde das Land dank neuer Fördertechnologien die bisherigen Spitzenreiter überholen, prognostizierte die Agentur am Montag überraschend in ihrem jährlichen Ausblick. Schon spätestens 2015 sollen die USA demnach auch beim Gas Russland vom Thron stoßen. "Die Energie-Entwicklungen in den USA sind tiefgreifend, und ihre Auswirkungen werden weit über Nordamerika hinaus zu spüren sein", befanden die Experten, die westliche Industrienationen in Energiefragen beraten. So werde preisgünstige Energie der amerikanischen Wirtschaft einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Zudem müsse das Land voraussichtlich ab 2035 keine Energie mehr importieren – was weitreichende politische Folgen haben könnte.

Die IEA vollzieht mit der neuen Prognose eine Kehrtwende: Sie ging bislang immer davon aus, dass Saudi-Arabien bis 2035 weltgrößter Ölproduzent ist. Grund für das Umdenken in der IEA ist der Einsatz neuer Technologien wie das "Fracking" - die Förderung von Gas und Öl aus Schiefergestein oder Sand mittels eines Hochdruck-Gemisches aus Wasser und Chemikalien. Bei Gas wird diese Entwicklung die Rangliste sogar noch schneller neu ordnen: Hier werden die USA den bisherigen Primus Russland der IEA zufolge bereits spätestens 2015 ablösen.

"Die Vereinigten Staaten, die derzeit etwa 20 Prozent ihres gesamten Energiebedarfs importieren, werden per Saldo fast vollständig unabhängig – eine dramatische Umkehr des Trends in den meisten anderen Ländern, die Energie importieren", schreiben die Experten der IEA. Die Agentur räumte ein, dass die neuen Fördertechnologien noch ein relativ junges Phänomen sind und die Prognosen damit etwas gewagt. Obama hat für das "Fracking" bereits schärfere Auflagen angekündigt und derzeit weiß die Öffentlichkeit kaum etwas über die eingesetzten Chemikalien. Zudem gelten die Auswirkungen auf das Grundwasser als nicht ausreichend erforscht, so dass auch hier die Behörden neue Vorgaben machen könnten.

Dennoch gehen die IEA-Experten davon aus, dass die USA spätestens 2015 zehn Millionen Barrel (das Fass zu 159 Liter) Öl pro Tag fördern und spätestens 2020 sogar 11,1 Millionen. Die Förderung in Saudi-Arabien dagegen werde 2015 voraussichtlich 10,9 Millionen Barrel betragen und bis 2020 auf 10,6 Millionen sinken. Der Prognose zufolge wird der Irak dank des Wiederaufbaus seiner Ölindustrie bis 2035 zum zweitgrößten Ölexporteur der Welt.

Das Hin und Her beim Atomdeal
Der Weg zur Laufzeitenverlängerung
Seit Monaten sorgen die geplanten Milliarden-Zahlungen der Atomkonzerne für Zündstoff. Sie sollen einen Teil der Gewinne abführen, die sie mit der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke machen werden. Eine Chronologie:
24. Oktober 2009: Die schwarz-gelbe Bundesregierung legt ihren Koalitionsvertrag vor. Ein Großteil der erwarteten Milliarden- Zusatzgewinne aus den längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke soll in den Ausbau der Öko-Energie fließen, heißt es.
7. Juni 2010: Die Regierung beschließt das größte Sparpaket in der bundesdeutschen Geschichte. Die geplante Brennelementesteuer soll ab 2011 jährlich 2,3 Milliarden Euro in die Kassen spülen und auch zur Sanierung des maroden Atommülllagers Asse verwendet werden. Sie soll unabhängig von der Verlängerung der Atomlaufzeiten erhoben werden.
23. Juni: Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehen die Spitzen der Energiekonzerne auf Konfrontationskurs und schließen eine Klage nicht aus. Finanzminister Wolfgang Schäuble treibt die Pläne trotzdem voran.
29. Juli: Die Atomindustrie verschärft ihre Drohungen und fordert, dass die Meiler mindestens 15 Jahre länger laufen als geplant.
9. August: Das "Handelsblatt" berichtet, die Atomkonzerne hätten eine Milliardensumme für einen Energiefonds angeboten, um eine Steuer zu verhindern. Bei Gesprächen mit der Regierung wollten sie einen entsprechenden Vertrag durchsetzen. Aus der Regierung kommen gegensätzliche Reaktionen.
13. August: Der Streit spitzt sich auch innerhalb der Koalition zu: Während Wirtschaftsexperten von Union und FDP die Meiler 15 Jahre länger am Netz lassen wollen, tritt Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) für kürzere Fristen ein. Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) hält die geplante Steuer für "angreifbar". Die Industrie droht damit, Kraftwerke kurzfristig stillzulegen.
18. August: Die Regierung streitet über den Fahrplan für die Atomsteuer. Der Umweltminister erklärt, die Regierung verschiebe ihre Entscheidung um einige Wochen. Die Kanzlerin dementiert, entschieden werde wie geplant am 1. September. Auch Alternativen zu einer Steuer seien denkbar.
20. August: Teile der Unionsfraktion schwenken auf die Position der Atomkonzerne ein. Fraktionschef Volker Kauder (CDU) rückt von der geplanten Steuer ab und favorisiert eine vertragliche Einigung.
21./22. August: Eine Anzeigenkampagne von Managern gegen die Energiepolitik der Regierung heizt den Streit weiter an. Angesichts von Milliardengewinnen der Industrie sei kaum verständlich, warum die Konzerne mit einer Steuer überfordert wären, sagt Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).
23. August: Nach einer CDU-Vorstandssitzung kündigt Generalsekretär Hermann Gröhe an, die Industrie solle bei längeren Atomlaufzeiten über die Steuer oder deren Alternative hinaus einen weiteren Beitrag zur Förderung von Ökostrom leisten. Die Bundesregierung lässt das zunächst offen.
24. August: Auch in der FDP wird der Ruf nach einer höheren finanziellen Belastung der Atomindustrie laut. Parteichef Guido Westerwelle hatte sich zuvor noch dagegen gewandt. Mit Blick auf die Anzeigenkampagne warnt Merkel die Atomlobby davor, Druck auf die Regierung auszuüben.
5. September: Die Spitzen von Union und FDP haben sich auf längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke verständigt. Die Atommeiler sollen im Schnitt 12 Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant, die älteren 8, die jüngeren 14 Jahre. Die Stromkonzerne müssen im Gegenzug eine auf sechs Jahre befristete Steuer zahlen und einen Sonderbeitrag zum Ausbau von Öko-Strom leisten. Die Koalition geht davon aus, dass ihr Atomkonzept nicht vom Bundesrat gestoppt werden kann.
6. September: An den Börsen steigen die Kurse der AKW-Betreiber RWE, E.on, EnBW und Vattenfall um bis zu 5 Prozent.
9. September: Ein Vertrag zwischen Regierung und den Atomkonzernen wird öffentlich. Die Konzerne haben sich weit reichende Schutzklauseln zusichern lassen. Die Kosten für die mögliche Nachrüstung werden auf 500 Millionen Euro je Kernkraftwerk begrenzt. Sind die Kosten höher, reduzieren sich die Zahlungen für den Ökoenergie-Fonds. Gleiches gilt, wenn die Laufzeiten verkürzt werden.
18. September: Nach Angaben der Veranstalter demonstrieren 100.000 Menschen in Berlin gegen die schwarz-gelbe Atompolitik.
22. September: Es wird bekannt, dass sich der Start des dringend benötigten neuen Lagers für schwach und mittelradioaktiven Atommüll, Schacht Konrad, um fünf Jahre bis 2019 verzögern könnte. Für hochradioaktiven Müll will die Regierung am 1. Oktober die Erkundung des Salzstocks in Gorleben wieder aufnehmen. Zur Beschleunigung des Verfahrens setzt sie als letztes Mittel auch auf Enteignungen.
28. September: Das Bundeskabinett beschließt das Energiekonzept mit der Laufzeit-Verlängerung.
Quelle: dpa/abendblatt.de
(Reuters)
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