09.11.12

Volkswagen

Neuer Golf 7 steht bei den Autohändlern

Neue Generation des wichtigsten VW-Modells steht am Sonnabend bei den Händlern. Neuauflage soll VW gegen die Absatzkrise stützen.

Foto: dpa
VW Golf 7
Am 10. November steht der neue Golf 7 bei den Händlern

Wolfsburg. Volkswagens wichtigster Modellanlauf in diesem Jahr gewinnt an Fahrt: Von Sonnabend an (10. November) soll der Golf 7 bundesweit bei den Händlern stehen.

Die Vertragshändler planen nach Konzernangaben spezielle Premierenveranstaltungen. Die Neuauflage des über 29 Millionen Mal verkauften Kompaktwagens soll VW auf dem Weg an die Weltspitze zügig voranbringen und auch im Kampf gegen die europäische Absatzkrise stärken. Bisher wurden nach VW-Angaben rund 40 000 Golf 7 vorbestellt.

Europas größter Autobauer hatte die jüngste Version des Autos Anfang September in Berlin erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Der Golf 7 ist etwas breiter und länger, aber zugleich leichter und sparsamer als der Golf 6. Beim Design gibt es kaum Unterschiede. Fast ein Viertel weniger Sprit sollen die umweltfreundlichsten Antriebe verbrauchen.

Der schwache Automarkt in Europa und hohe Investitionskosten in neue Modelle und Produktionsanlagen hatten beim VW-Konzern zuletzt am Ergebnis genagt. Bei Absatz und Umsatz liegt die Gruppe mit ihren zwölf Marken aber weiter auf Rekordkurs – VW profitiert weiterhin von seiner breiten weltweiten Aufstellung. In Westeuropa gingen die Auslieferungen aber um vier Prozent zurück.

Der neue Golf spielt für VW eine zentrale Rolle, weil er nach dem A3 der Audi-Tochter als erstes Modell der Kernmarke auf der neuen Produktionstechnik des Modularen Querbaukastens MQB basiert. Sie soll einheitlicher, einfacher und billiger sein.

Der neue Golf 7: Wichtige Zahlen und Daten
Der neue Golf 7: Wichtige Zahlen und Daten
Länge: 4,255 Meter (5,6 Zentimeter länger)
Breite: 1,799 Meter (1,4 Zentimeter breiter)
Höhe 1,452 Meter (2,8 Zentimeter flacher)
Kofferrauminhalt: 380 Liter (30 Liter mehr)
Gewicht: 1.150 Kilo (bis zu 100 Kilo weniger)
Verbrauch: Benziner 4,8 Liter, Diesel 3,3 Liter; jeweils sparsamste Version
CW-Wert für Luftwiderstand: 0,27
Gesamtzahl aller je gebauten Golfs: Über 29 Millionen
Produktion im Jahr 2011: 914.000
Wichtigstes Produktionswerk: Wolfsburg
Geschätzter VW-Umsatz mit dem Golf pro Jahr: 18 Milliarden Euro (dapd)
Der VW Golf – Bestseller aus Wolfsburg
Der VW Golf – Bestseller aus Wolfsburg
Der VW Golf zählt zu den erfolgreichsten Autos weltweit. Mehr als 26 Millionen Fahrzeuge verkaufte der Autobauer Volkswagen.
Die Produktion der siebten Golf-Generation ist gerade in Wolfsburg und Zwickau angelaufen.
Die Serienfertigung des ersten Golf nach den Entwürfen des Italieners Giorgio Giugiaro begann am 29. März 1974 im VW-Werk in Wolfsburg.
Im Oktober 1976 waren eine Million Autos verkauft, 2002 löste der Golf den Käfer als meistgebautes VW-Modell ab.
Er wurde zum Wegbegleiter einer ganzen "Generation Golf".
Das Auto gibt es auch als leistungsstärkeren GTI, als Cabrio und als Kombi Variant.
Aktuell wird der Golf an drei Standorten in Deutschland sowie in Werken in Mexiko, Brasilien und China produziert.
Allein in Wolfsburg sind 20.000 von den 51.600 Mitarbeitern direkt in Produktion, Entwicklung und Vertrieb des Golf eingebunden. (dpa)
Modularer Querbaukasten bei VW – was bedeutet das?
Modularer Querbaukasten bei VW – was bedeutet das?
Der Name klingt wie Lego – ist aber die modernste Technik aus dem Autobau: Modularer Querbaukasten (MQB). Ausgedacht hat sich das Wortungetüm der Volkswagen-Konzern, der damit ein Konstruktionsprinzip in der Fahrzeugentwicklung beschreibt, nach dem die meisten Autos des Herstellers entstehen sollen.
Als erster Wagen steht der neue Audi A3 auf der Basis, es folgt zurzeit die neue Golf-Generation. Doch die neue Technik birgt ein enormes Risiko.
Darum geht es: Langfristig sollen alle VW-Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor, also vom Polo bis zum Passat, auf Grundlage einheitlicher Teile gebaut werden. Motor, Lenkung, Pedalerie, Hinterachse, Klimaanlage, Elektronetz und viele andere Komponenten werden bei diesen Autos weitgehend einheitlich.
Beispiel: Der Abstand vom Motor zu den Pedalen ist für alle Modelle festgelegt. Das erleichtert die Montage der Autos enorm. So sollen bei VW bald bis zu vier verschiedene Modelle auf einem Band laufen.
Unterschiedlich bleiben die Autos in der Länge und Breite, der Form der Karosserie und der Innenausstattung.
Vom MQB verspricht sich der Konzern gigantische Kostenvorteile. Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg nennt Einsparziele von 20 Prozent bei den Stückkosten und 30 Prozent bei der Montagezeit. NordLB-Analyst Frank Schwope schätzt, "ein dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr" sei mindestens zu erreichen.
Der große Fortschritt besteht darin, dass VW die Zahl der für die unterschiedlichen Modelle benötigten verschiedenen Teile radikal senken kann. Dadurch entsteht ein sogenannter Skaleneffekt: Von den identischen Teilen werden gigantische Mengen bestellt. Die Zulieferer können deshalb bessere Preise machen.
Ein weiterer Vorteil des MQB: Auch Nischenmodelle mit niedriger Stückzahl wie Cabrios oder Roadster rechnen sich plötzlich, weil sie schnell und für wenig Geld entwickelt und gebaut werden können.
Auch die Kunden sollen vom Plattformwechsel profitieren: "Wegen des hohen Volumens kann VW sich Teile leisten, die sonst nur in der Oberklasse eingebaut werden", sagt Firmensprecher Christian Buhlmann.
Der Wechsel ist aber auch gefährlich: Wenn ein Qualitätsproblem etwa mit fehlerhaften Teilen auftritt, dann gleich millionenfach.
Das hat zuletzt Toyota erlebt und musste mit tiefen Kratzern auf dem früher makellosen Image als Qualitätshersteller büßen.
Deshalb wird der Anlauf des Golf 7 in Wolfsburg zurzeit überwacht wie noch nie. (dapd)
dpa
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