07.11.12

Autobauer

Stellenabbau bei Opel geht weiter

Der schwer angeschlagene Konzern muss die Kosten weiter senken. Bis Jahresende sollen 2600 Jobs wegfallen, so Aufsichtsratschef Girsky.

Foto: dpa
Steve Girsky
Steve Girsky, GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef: Wir werden mit weniger Mitarbeitern leben müssen

Rüsselsheim. Der kriselnde Autobauer Opel dreht weiter an der Kostenschraube und wird auch in Zukunft Personal abbauen. "Wir müssen effizienter werden, wir müssen unsere Strukturen verschlanken und Bürokratie abbauen. Wir werden mit einer kleineren Zahl von Mitarbeitern leben müssen", sagte GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky .

Allein in diesem Jahr werden bei dem defizitären Hersteller 2600 Stellen wegfallen – über freiwillige Abfindungs- und Vorruhestandsangebote sowie durch natürliche Fluktuation.

Zum Jahresende wird Opel rund 37.400 Menschen in Europa beschäftigen, davon rund 20.300 in Deutschland.

Chronologie der Opel-Krise
Chronologie der Opel-Krise. Seit Jahren ringt der deutsche Autobauer Opel um seine Zukunft- ein Rückblick:
2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten "Restrukturierungsprogramm Olympia" die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.
2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen vorsieht – davon bis zu 10 000 in Deutschland.
2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48 000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
16. Februar 2012: General Motors gibt in seinem Europageschäft – das in erster Linie aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht – für 2011 operativ 747 Millionen Dollar (573 Mio Euro) Verlust bekannt. Dagegen fuhr GM unterm Strich 7,6 Milliarden Dollar Gewinn ein.
3. Mai 2012: Opel kommt einfach nicht vom Fleck. Im ersten Quartal liegt der Verlust von GM in Europa operativ bei 256 Millionen Dollar oder umgerechnet 195 Millionen Euro.
17. Mai 2012: Opel gibt bekannt, dass das Stammwerk Rüsselsheim die Produktion des mit Abstand wichtigsten Modells Astra verliert. Das Modell soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden.
13. Juni 2012: Gnadenfrist für die Opelaner in Bochum, aber keine Rettung: Das Werk in Bochum soll zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Zafira-Fertigung dort Ende 2016 ausläuft, teilen die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall mit.
28. Juni 2012: Der Opel-Aufsichtsrat billigt einen entschärften Sanierungsplan. Teure Überkapazität soll abgebaut werden, indem Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila nicht mehr in Korea, sondern in Europa vom Band rollen. Zudem soll in die Produktpalette von Opel/Vauxhall investiert werden. Geplant sind zum Beispiel 23 neue Modelle in den kommenden vier Jahren. Unter anderem soll ab 2013 der Kleinstwagen Adam bei den Händlern zu haben sein.
12. Juli 2012: Zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren wechselt GM bei Opel den Chef aus. Überraschend tritt Karl-Friedrich Stracke zurück. Die Geschäfte soll kommissarisch der GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky führen. (dpa)
Die Opel-Werke im Überblick
Die Opel-Werke im Überblick
Der Autobauer Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Obwohl erst Ende 2010 ein Werk geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter zuletzt um mehr als 8000 auf inzwischen 39 000 reduziert wurde, kommt Opel deshalb nicht aus der Verlustzone.
Um Opel profitabel zu machen, ist nun unter anderem geplant, die Produktion des künftigen Astra von 2015 an auf Ellesmere Port in England und das kostengünstige polnische Gleiwitz zu konzentrieren. Bislang wird der Astra auch im Stammwerk Rüsselsheim gebaut. Die Opel-Werke im Überblick (Stand Ende 2011):
Deutschland (Mitarbeiter insgesamt: 22.166):
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
Polen:
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Spanien:
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England (Mitarbeiter insgesamt: 4000):
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren. (dpa)
dpa
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftEnergiewendeBundesregierung scheitert am Klimaschutz
  2. 2. DeutschlandAsyl-IndustrieDas Getto im zweitreichsten Landkreis Deutschlands
  3. 3. WirtschaftMilliardär Petrov"Taktisch ist Putin immer gut, strategisch nicht"
  4. 4. Wirtschaft"Welt"-Nachtblog++ Fidel Castro wirft Nato SS-Look vor ++
  5. 5. AuslandUkraine-KonfliktRöttgen mahnt maßvolle Nato-Reaktion auf Putin an
Top Video Alle Videos
Die Gewerkschaft der Lokführer ruft zum Streik aufBrightcove Videos

Nachdem zuletzt die Piloten von "Germanwings" gestreikt haben, legt nun die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer die Arbeit nieder. Der erste Streik solle vor allem den Güterverkehr treffen. mehr »

Top Bildergalerien mehr
GDL

Warnstreik legt Zugverkehr in Hamburg lahm

2. Bundesliga

FC St. Pauli verliert in Fürth

Abschied

"Gorch Fock" zu neuer Fahrt gestartet

Ausbruch

Vulkan Bárdarbunga auf Island spuckt Lava

tb_reisemarkt.jpeg
Der Reisemarkt

Aktuelle Reise- und Urlaubsangebotemehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr