18.09.12

Finanzen

Deutsche sind trotz Krise so reich wie noch nie

Weltweit häufen die Menschen immer mehr Geld an, auch die Deutschen sind vermögend wie nie. In Südeuropa werden die Menschen ärmer.

Foto: Bildagentur-online
Viele Euro Geldscheine der Europäischen Union. / Many Euro banknotes of the European Union.
Ungeachtet der Schuldenkrise sind die Deutschen so reich wie nie zuvor

Frankfurt/Main. Das private Geldvermögen der Deutschen wächst trotz Schuldenkrise unaufhörlich weiter. Während die Menschen in Westeuropa im vergangenen Jahr insgesamt Geld verloren, stieg das Bruttovermögen der Privathaushalte in Deutschland um 1,3 Prozent auf 4715 Milliarden Euro, wie der Versicherungskonzern Allianz am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des "Global Wealth Reports" berichtete.

Damit sind die Deutschen ungeachtet der Schuldenkrise und der Kursverluste an den Börsen so reich wie nie zuvor. Immobilienbesitz und Ansprüche auf die gesetzliche Rente noch gar nicht eingerechnet. Allerdings verlor das Vermögen an Wert, weil die Verbraucherpreise gleichzeitig um 2,3 Prozent anzogen.

Auch weltweit häufen die Menschen immer mehr Bargeld, Sichteinlagen, Versicherungen oder Wertpapiere an. Erstmals sei die Marke von 100 Billionen Euro durchbrochen worden, berichtete Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: "Das globale Geldvermögen der privaten Haushalte kletterte auf insgesamt 103,3 Billionen Euro."

Zum Jubeln sieht Heise aber keinen Anlass, weil das Wachstum nach zwei dynamischen Jahren enttäuschend ausgefallen sei: Der Zuwachs lag bei 1,6 Prozent, in der pro-Kopf-Rechnung sogar nur bei 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Es ist unübersehbar, dass Unsicherheit, niedrige Zinsen und Euro-Krise ihre Spuren in der Vermögensentwicklung hinterlassen", sagte Heise.

Zumal verunsicherte Privatanleger nach den Angaben weltweit in vermeintlich risikoarme Anlageformen flüchten – die aber weniger Zinsen abwerfen. Für Heise sind Sparer deshalb die Leidtragenden der ungelösten Krise im Euroraum und der zögerlichen Neuordnung der Finanzmärkte. Immerhin: Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank stieg das private Geldvermögen in Deutschland im Auftaktquartal 2012 weiter auf 4805 Milliarden Euro – ein Plus von 2,6 zum Vorjahr.

Sparer hätten schon seit längerem mit einem widrigen Sparumfeld zu kämpfen, betonte Heise. Zwar sei das Brutto-Geldvermögen pro Kopf seit 2000 im Durchschnitt um 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Dies entspreche aber ziemlich genau der durchschnittlichen Inflation in diesem Zeitraum: "In den letzten elf Jahren konnten die Sparer weltweit keinen realen Vermögenszuwachs erzielen. Eine ernüchternde Bilanz."

Auch in Deutschland fiel das Plus 2011 deutlich geringer aus als in den beiden Vorjahren. "Aber jetzt wächst das deutsche Privatvermögen im Gleichschritt mit dem globalen Wachstum und schneller als in den Industrieländern, in den Vorjahren hinkte Deutschland hinterher", sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen.

Im vergangenen Jahr war Westeuropa die einzige Region der Welt, in der die Menschen einen Vermögensrückgang verkraften mussten. Während sich Deutschland durch eine geringe Privatverschuldung und hohe Sparleistungen sowie durch die robuste Konjunktur dem Abwärtstrend entziehen konnte, traf es die Krisenländer hart: Nach den Angaben schrumpfte das Bruttovermögen der Italiener um 3,1 Prozent, der Portugiesen um 3,3 und der Spanier um 3,5 Prozent. Die krisengebeutelten Griechen verloren gleich 9,1 Prozent ihres Geldes.

Trotz der zuletzt erfreulichen Entwicklung hierzulande: Mit einem Brutto-Geldvermögen pro Kopf von 57.384 Euro belegt Deutschland im weltweiten Nationenranking des Versicherers nur Rang 19 – unter anderem weiterhin hinter Italien (58.380 Euro), aber auch hinter Österreich (60.500 Euro), Frankreich (63.390 Euro) oder Großbritannien (82 160 Euro). Weltweit errechnete die Allianz ein pro-Kopf-Vermögen von 21.500 Euro. Mit weitem Abstand am meisten Geld haben die Schweizer: Pro Kopf 214.800 Euro.

Das Bruttoinlandsprodukt und die Alternativen
Das Bruttoinlandsprodukt und die Alternativen
Keine andere Wirtschaftskennziffer findet so viel Aufmerksamkeit: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als wichtigster Gradmesser für die Leistung einer Volkswirtschaft.
Es umfasst den Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum innerhalb der Landesgrenzen produziert werden.
Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Verteilung des Wohlstandes oder ökologische Nachhaltigkeit spielen dabei jedoch keine Rolle.
Forscher in aller Welt versuchen daher, einen alternativen Indikator für Wohlstand zu entwickeln, um zu einer Neudefinition von Lebensqualität zu kommen. (dpa)
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