Hamburg

Internet-Börse für leere Bierflaschen

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Über die Hamburger Plattform Bottlefox tauschen die Brauereien ihr Leergut. Rund 190 Millionen Flaschen waren es im ersten Halbjahr.

Marne/Hamburg. Anfangs war es nur eine Handvoll Brauereien aus dem Norden, doch mittlerweile machen mehr als drei Dutzend Unternehmen aus ganz Deutschland mit: Sie bieten leere Bierflaschen auf der Hamburger Internettauschbörse Bottlefox an. Rund 190 Millionen Flaschen waren es im ersten Halbjahr.

Zurzeit werden etwa 60 unterschiedlich gestaltete Flaschen über die Onlineplattform getauscht, sagt Bottlefox-Chef Michael Scherer. "Die im Handel von den Verbrauchern abgegebenen Mehrwegkästen sind häufig nicht sortenrein", erklärt Scherer. "Die Durchmischungsquote, also der Anteil der Flaschen anderer Marken, liegt bei bis zu 30 Prozent."

Für die Brauereien macht die Teilnahme an Bottlefox daher Sinn, sagt Stefanie Gräb von der Radeberger Gruppe - der nach eigenen Angaben größten privaten Brauereigruppe Deutschlands, zu der unter anderem die Berliner Kindl-Schultheiss-Brauerei, das Friesische Brauhaus zu Jever und die Tucher-Brauerei in Nürnberg gehören. Und was gut ist für die "Großen", gilt in diesem Fall auch für die regionalen Betriebe: "Wir sparen damit jedes Jahr rund 40 000 Euro", meint Norbert Lucks. Er ist Geschäftsführer der Dithmarscher Brauerei in Marne, einer Privatbrauerei mit rund 170 000 Hektolitern Jahresproduktion.

Die Dithmarscher Brauerei hatte sich in den vergangenen 30 Jahren mit "Beugelbuddelbeer" einen Namen gemacht - das sind die typischen Bierflaschen mit einem Bügelverschluss. Solche Flaschen werden auch in Flensburg mit dem herben Gerstensaft befüllt. Doch nur auf den ersten Blick sind die Flaschen gleich. Ein wichtiger Unterschied ist der Porzellankopf des Bügelverschlusses, erklärt Lucks: "Flensburger" steht auf dem einen, "Dithmarscher" auf dem anderen. Deshalb müssen die "falschen" Flaschen peinlich genau sortiert werden. In den Bierkästen, die mit leeren Pfandflaschen vom Handel zurückkommen, stehen meist Dithmarscher und Flensburger bunt gemischt. "Wir haben immer eine Anzahl leerer Kisten im Hof, in denen wir das Leergut sammeln: Das bringen wir nach Flensburg und nehmen im Gegenzug unser eigenes Leergut von dort wieder mit", erklärt Lucks. "Diesen Umlauf haben wir ganz unkompliziert mit den Flensburgern geregelt."

Doch das Sortieren wird immer komplizierter. Neben der Bügelflasche aus Flensburg landen in den Leergutkisten vermehrt auch die sogenannte Euro2-Flasche (Maurerpulle), die NRW-Flasche, die Longneck-Flasche (Langhalsflasche) und die gedrungene Steinieform (Bombe). Sie alle können sich noch unterscheiden durch die Glasfarbe (Braun, Grün, Blau oder klar) sowie das sogenannte Embossing - das ist die Prägung des Brauereilogos auf der Flasche. "All diese Fremdflaschen müssen bei uns aussortiert werden", erzählt Lucks. Zum Teil seien zwei Drittel der leeren Bierflaschen Fremdleergut. Problem für die Brauerei: "Für diese Flaschen haben wir zuvor dem Einzelhandel das Pfand erstattet. Und das Geld wollen wir jetzt zurückhaben."

Früher seien die in der Dithmarscher Brauerei nicht verwendbaren Flaschen an einen Altglashändler verkauft worden. Der habe jedoch nur einen Bruchteil des Pfands bezahlt: "Und wir blieben auf dem Großteil unserer Kosten sitzen." Solange das nur einige wenige Flaschen waren, sei das nur ärgerlich gewesen, sagt Lucks. Das Fremdflaschenproblem habe jedoch immer größere Ausmaße angenommen. Bis Bottlefox gegründet wurde. Auf der Internetseite können die beteiligten Brauereien auf einen Blick erkennen: Wer hat wo, wie viel und welches fremde Leergut stehen.

"Was zuvor schon im Bügelflaschenbereich mit zwei Teilnehmern stattfand, funktioniert jetzt über die Tauschbörse einer Web-Plattform von Flensburg bis in den Süden hinunter nach Bayern", sagt Lucks: "Wir können das fremde Leergut jetzt zum selben Pfandpreis weggeben, den wir zuvor an den Einzelhandel bezahlt haben." Uwe Dewies, Sprecher von Carlsberg Deutschland in Hamburg, nennt noch eine weitere Überlegung, die für Bottlefox spricht: "Wir sind bestrebt, auch aus Umweltschutzgründen den Flaschentausch so lokal wie möglich zu halten. Einer der Vorteile von Bottlefox ist, dass sie uns diese lokale Komponente bieten."

Denn auch wenn die unter der Regie der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände entwickelte Plattform bundesweit tätig ist, nennt sie bevorzugt Tauschpartner in der Nähe.