23.07.12

Amoklauf in Aurora

Schießerei bei Batman-Film: Massenmord war lange geplant

Amoklauf bei Batman-Film in Colorado: Zwölf Menschen sterben.Täter hatte 6000 Schuss Munition gekauft. Wollte er wie der Joker sein?

Foto: AFP
Gunman Kills 12 At Screening of The Dark Knight Rises
Candles in the wind: Trauer in Colorado nach dem Amoklauf

Aurora. "Ich bin der Joker, der Feind von Batman", sagte James Eagan Holmes, 24, bei seiner Festnahme. Seitdem schweigt der Amokläufer, der in einem Kino in Aurora (US-Staat Colorado) zwölf Menschen tötete und 59 verletzte. Sein jüngstes Opfer ist die sechsjährige Veronica Moser, die mit ihrer Mutter zur Premiere des "The Dark Knight Rises" gekommen war. Heute soll der als Einzelgänger beschriebene Student vor Gericht erscheinen.

Über sein Motiv herrscht Rätselraten. Noch gibt es keine Bestätigung dafür, dass der Attentäter gezielt den mit Spannung erwarteten dritten Film der Batman-Reihe (Regie Christopher Nolan) für sein Verbrechen auswählte. Der New Yorker Polizeichef Ray Kelly erklärte zwar, der Schütze habe seine Haare rot gefärbt und sich als "Joker" bezeichnet - so heißt einer der Gegenspieler von Batman - die Polizei in Aurora bestätigte das jedoch nicht. Im Film führt ein maskierter Bösewicht seine mörderische Bande in ein voll besetztes Football-Stadion und greift mit Waffen und Sprengstoff die nichts ahnenden Sportfans an. Und so glaubten viele Besucher des Kinos in Aurora an eine Show, als kurz nach Beginn der Mitternachtspremiere gegen 0.30 Uhr ein maskierter Mann in einem gasartigen Nebel auftauchte und sich Schüsse mit dem Soundtrack mischten.

+++ Massaker in US-Kino: Täter hielt sich für den "Joker" +++
+++ Amokläufer kam als Batman-Terrorist zur Premiere +++

Fest steht: Holmes, der Neurowissenschaften studierte und Hirnforscher werden wollte, gab sein Studium vor Kurzem auf und hatte seine Tat von langer Hand geplant. Es war keine Affekthandlung, der Täter wollte offenbar noch weitaus mehr Menschen umbringen. Schon seit vier Monaten hatte Holmes mit der Post etliche Waffenlieferungen erhalten und über das Internet 6000 Schuss Munition gekauft, sagte Polizeichef Dan Oates. Außerdem erstand er eine Schutzweste, zwei Magazinhalter und ein Messer für 300 Dollar (250 Euro) bei einem Online-Händler für Polizei- und Militärausrüstung. Holmes sei mit "Berechnung und Vorsatz" vorgegangen. Die Bestellungen hat er sich sowohl nach Hause als auch an die Universität schicken lassen. "Das ist der Beweis für eine gewisse Berechnung und einen gewissen Vorsatz."

Seine Wohnung, die nur wenige Hundert Meter vom Kino entfernt liegt, spickte er mit unzähligen Sprengfallen, Brandbeschleunigern und Chemikalien. "Dieses Apartment war darauf angelegt, jeden zu töten, der es betritt", sagte Oates. Nachdem Holmes sich in der Nacht zu Freitag nach dem Amoklauf auf dem Parkplatz vor dem Kino widerstandslos festnehmen ließ, musste er davon ausgehen, dass die Polizei seine Wohnung durchsuchen würde. Auch gestern waren dort Einsatzkräfte noch immer damit beschäftigt, Beweismaterial zu sichern. Die Fenster wurden mit schwarzer Plastikplane verdeckt, damit Schaulustige keinen Blick hineinwerfen konnten. Bei der Entschärfung der Sprengfallen setzte die Polizei auch einen Roboter ein. Es gab mehrere kontrollierte Explosionen.

Das Haus darf weiterhin nicht betreten werden, die Bewohner der angrenzenden Gebäude durften inzwischen aber nach Hause zurückkehren. Dass bei dem Verbrechen nicht noch mehr Menschen umkamen, lag wohl auch an einer Ladehemmung des halbautomatischen Sturmgewehrs (Typ AR-15) des Täters. Das Trommelmagazin mit 100 Schuss klemmte. Ansonsten hätte der Schütze bis zu 60 Schuss in einer Minute abgeben können.

US-Präsident Barack Obama, der gestern nach Aurora flog, um mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer zu sprechen, stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, ähnlich ging es seinem republikanischen Wahlrivalen Mitt Romney. "Die Lehre aus dieser Tragödie ist, dass das Leben sehr zerbrechlich ist", sinnierte Obama. "Wir wollen kein Beileid", erklärte die Organisation Brady Campaign to Prevent Gun Violence, die für schärfere Waffengesetze kämpft. "Wir wollen Taten." So sieht es auch New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. "Wissen Sie, besänftigende Worte sind nett", sagte er in einer Rundfunkansprache. "Aber vielleicht ist es an der Zeit, dass die beiden Leute, die Präsident der Vereinigten Staaten werden wollen, aufstehen und uns sagen, was sie (...) tun wollen."

Trotz des Amoklaufs spielte der Film am ersten Wochenende in den USA und Kanada 160 Millionen Dollar (130 Mio. Euro) ein. Das ist etwas mehr als der letzte Batman-Film vor vier Jahren. In vielen Kinos waren die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden.

Chronik: Amokläufe in den USA
Immer wieder haben in den USA Amokläufe am Arbeitsplatz, in Schulen und anderen öffentlichen Orten wie jetzt in einem Kino im US-Staat Colorado für Fassungslosigkeit gesorgt. Im Folgenden eine Chronik der folgenschwersten Fälle der vergangenen Jahre:
16. April 2007: Ein 23-jähriger Student aus Südkorea tötet auf dem Campus der Technischen Hochschule von Virginia in Blacksburg 32 Studenten, zwei Professoren und anschließend sich selbst. 26 Menschen werden verletzt.
5. Dezember 2007: Ein als depressiv bekannter 19-Jähriger erschießt in einem Einkaufszentrum in Omaha im US-Staat Nebraska acht Menschen und anschließend sich selbst. Fünf Menschen werden zum Teil schwer verletzt.
14. Februar 2008: Ein 27-jähriger ehemaliger Student läuft an der Northern Illinois Universität in DeKalb bei Chicago Amok: In einem Hörsaal erschießt er fünf Studenten, verletzt weitere 15 zum Teil schwer und bringt sich schließlich um.
10. März 2009: Im US-Staat Alabama tötet ein 28-jähriger Amokläufer seine Mutter und vier weitere Verwandte und schießt danach wahllos um sich. Insgesamt sterben zehn Menschen, bevor der Täter sich selbst richtet.
3. April 2009: Ein 41-jähriger vietnamesischer Einwanderer richtet in einem Zentrum für Immigranten im US-Staat New York ein Blutbad an. Der Mann tötet 13 Menschen in dem Gebäude in Binghamton, bevor er sich selbst erschießt.
5. November 2009: Ein Psychiater des amerikanischen Heeres tötet auf dem größten Militärstützpunkt der USA in Fort Hood 13 Menschen und verletzt 30 weitere. Der 39-jährige Major erleidet bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften schwere Verletzungen.
8. August 2011: In einer Kleinstadt im US-Staat Ohio erschießt ein Bewaffneter seine Freundin und sechs weitere Menschen, bevor ihn die Polizei tötet.
13. Oktober 2011: Im Friseursalon seiner Ex-Frau in Seal Beach (US-Staat Kalifornien) erschießt ein Mann acht Menschen. Sechs starben noch am Tatort, zwei weitere erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen.
20. Juli 2012: Bei einer Kinovorführung in Aurora im US-Staat Colorado tötet ein Bewaffneter mindestens 14 Menschen und verletzt 50 weitere.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Fussball
22:02HSV
Aus für Arnesen offiziell - Schmadtke neuer Favorit

Der HSV-Aufsichtsrat hat die Entlassung des Sportchefs beschlossen. Nachdem Andreas Rettig absagte, ist nun Jörg Schmadtke neuer Favorit auf den Posten. mehr...


Abgeblasen. Das Verteidigungsministerium hat die Entwicklung des Dronenprojekts „Euro Hawk“ gestoppt. Der Schaden geht in die Milliarden
21:52Euro Hawk
Ein Problem, so groß wie die Elbphilharmonie

Der Verteidigungsminister bricht sein Schweigen zum gescheiterten Drohnenprojekt Euro Hawk und verspricht Transparenz. Doch die verlorenen Millionen der Steuerzahler bringt das nicht zurück. mehr...

Menschenleeres Freibad
16:05Wetter
Schietwetter: Freibäder machen schon wieder dicht

Die Anlagen in Hamburg leiden unter dem anhaltenden schlechten Wetter. Die Feuerwehr rückte zu rund 100 Einsätzen aus, um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen abzupumpen. In Winterhude lief… mehr...


Der belgische Premierminister Elio Di Rupo, der polnische Premierminister Donald Tusk, Kanzlerin Angela Merkel, der italienische Premierminister Enrico Letta und der niederländische Premierminister Mark Rutte (v.l.n.r.) beim EU-Gipfel in Brüssel: Sie wollen konsequent gegen Steuerbetrüger vorgehen
18:18Gipfelbeschluss
Bankgeheimnis in der EU soll dieses Jahr fallen

Steuerhinterziehung kostet die EU-Länder Schätzungen zufolge jährlich eine Billion Euro. Lange Zeit blockierten Österreich und Luxemburg härtere Regeln. Doch nun hat der Rest Europas genug. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Cannes
Stars wollen Michael Douglas als Pianisten sehen

Auf dem Filmfest in Cannes stellten die Schauspieler Michael Douglas und Matt Damon den neuen Film des Regisseurs Steven Soderbergh vor.…mehr »

Top Bildergalerien mehr

Monster-Tornado in Oklahoma

TV-Show

Die neuen Landwirte bei "Bauer sucht Frau"

ESC 2013

Dänemark siegt in Malmö

Tornados wüten in vier US-Staaten

Hamburg Guide mehr
Weitere Dienste alle Dienste
Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr