Gesundheit Schwere Vorwürfe wegen Versäumnissen bei EHEC-Krise


EHEC-Alarm: Ein Mitarbeiter einer Reinigungsfirma in Schutzkleidung vor dem Blankeneser Gymnasium

Foto: dpa

EHEC-Alarm: Ein Mitarbeiter einer Reinigungsfirma in Schutzkleidung vor dem Blankeneser Gymnasium

Waren die Sprossen tatsächlich Auslöser der Epidemie? Foodwatch attackiert die Bundesregierung. Robert-Koch-Institut befragte nur einen Teil der EHEC-Patienten.

Berlin. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) hat Vorwürfe der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch über Versäumnisse bei der Aufklärung der EHEC-Krise 2011 zurückgewiesen. Damals waren von Mai bis Juli fast 3000 Menschen durch eine Variante des Lebensmittelkeims EHEC erkrankt, 53 starben. In Hamburg war EHEC durch die vielen Erkrankungen ein großes Thema. UKE und Gesundheitsbehörde hatten einen Krisenstab eingerichtet.

Es sei absolut normal, dass bei Lebensmittelinfektionen nur ein Teil der Patienten vom RKI befragt werden könne, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher am Freitag. Foodwatch hatte der Bundesregierung unter anderem vorgeworfen, höchstens 500 der mehr als 3800 Krankheitsfälle aufgeklärt zu haben.

Als Auslöser der Epidemie 2011 waren Sprossen ausgemacht worden. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass der Erreger von verunreinigten Bockshornkleesamen aus Ägypten stammte. Dass er damals weder in solchen Samen noch in daraus hergestellten Sprossen nachzuweisen war, ist lange bekannt.

Foodwatch wirft Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vor, die Ursache der EHEC-Epidemie nicht genügend beleuchtet zu haben. 87 Prozent aller gemeldeten Fälle seien ohne Klärung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt worden. "Die Bundesregierung hat sich stets für ihr Krisenmanagement gefeiert und behauptet, die Ursache des tödlichen EHEC-Ausbruchs sei identifiziert worden. Doch das ist schlichtweg falsch", sagte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch.