08.02.13

Wiener Opernball

Modernes Märchen mit Happy End statt Skandalshow

Der Wiener Opernball hat sein skandalträchtiges Image abgelegt. 2013 gab es besonders viel Glitzer und Glamour – und einen Heiratsantrag.

Von Miriam Bandar und Sandra Walder
Foto: dpa

Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh (l.) und Hilary Swank

25 Bilder

Wien. Es war einmal der Opernball 2013: Ein schriller Glitzer-Prinz fährt mit seiner Prinzessin in einer sechsspännigen Kutsche vor. Die adlige Ballmutter verliert auf den Stufen zwar keinen Schuh, aber einen Ohrring. Und der freche Kobold mit seinen sonst immer so skandalträchtigen Gespielinnen wird trotz braver Begleitung auf den Dachboden verbannt.

Als modernes Märchen mit Happy End feierte Wien seinen Opernball 2013. Sein skandalträchtiges Image mit Protesten und Luder-Gästen hat das Spektakel in seiner 57. Ausgabe abgelegt. Der Ball zeigte sich vielmehr so, wie Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh ihn seit langem gerne hätte: Als Fest der Künstler und der feinen Wiener Gesellschaft, gleichzeitig modern und der Tradition verpflichtet.

Da passt selbst der kitschig-glamouröse Designer Harald Glööckler (47) in die Geschichte, der mit seinen auf Frack und Gesicht geklebten Glitzersteinchen und seiner Kutsche den wohl größten "Aufreger" des Abends produzierte. "Das ist der schönste Ball, den ich jemals erlebt habe", jubelte er.

Er hat sich nach eigenen Angaben auf dem Ball mit seinem langjährigen Lebensgefährten Dieter Schroth verlobt: "Ich dachte mir, wenn nicht hier, wo dann? Das ist einfach der perfekte Ort dafür", sagte er nach Angaben seines Managements. Er sehe überall nur Prinzessinnen und hübsche Damen, so Glööckler. Als Hommage an Kaiserin Sisi steckte er seine eigene Begleitung, Xenia Prinzessin von Sachsen, in ein pinkes Kleid und in eine braune Zopfperücke mit Glitzersternen.

"Wie aus einer anderen Zeit", schwärmten die ausländischen Gäste angesichts des imperialen Flairs mit von außen charmant-verstaubt anmutenden Traditionen und Etiketten. "Es fühlt sich an, als wäre man in die Vergangenheit gereist", sagte Oscar-Preisträgerin Hilary Swank (38). Mit ihrem nudefarbenen Paillettenkleid mit viel Spitze – einer der schönsten Roben des Abends – lag die Schauspielerin bei den Kleidern voll im Glitzer-und-Glamour-Trend.

"Es ist wie vor 100 Jahren", sagte Filmdiva Gina Lollobrigida (85) im schwarzen Kleid mit auffällig rotem Cape mit Drachenmotiv. Oscar-Preisträgerin Mira Sorvino (45) fühlte sich wie in einem Gemälde aus alten Zeiten: "Es ist noch schöner, als ich es gedacht habe."

Sorvino und Lollobrigida bekamen allerdings mit ihrem Gastgeber Richard "Mörtel" Lugner eine abseits gelegene Loge zugewiesen. Man habe ihn auf den Dachboden verbannt, polterte der Baumeister zuvor. Sorgte er in der Vergangenheit mit bezahlten Begleiterinnen wie Paris Hilton, Pamela Anderson und der Berlusconi-Bekannten "Ruby" noch für Eklats und Rummel, herrschte diesmal gähnende Leere vor der Loge.

Unter den 144 Debütantenpaaren in weißen Kleidern mit Krönchen und in Fracks zog auch die Tochter von Starkoch Johann Lafer (55), die 18-jährige Jennifer, ein: "Ich habe schon zwei große Gläser Cognac getrunken, weil ich wahrscheinlich nervöser bin als sie." Die jungen Paare hatten mit der wohl schnellsten Choreografie des Opernballs nur leicht zu kämpfen.

Getreu ihrer Mission ließen die Organisatoren die Künstler der Oper das berühmte Kommando "Alles Walzer" rufen und damit ihren Ball eröffnen. Aus der Hochkultur kamen unter anderem die Schauspielerin Sunnyi Melles (54) und der Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira (65). Das deutsche Model Franziska Knuppe (38) in einer schwarzen Spitzenrobe, Ex-Fußballer Toni Polster (48), Ex-Tennisspieler Thomas Muster (45), Modedesignerin Lena Hoschek und Starköchin Sarah Wiener (50) brachten ebenfalls Promi-Flair.

Für Organisatorin Treichl-Stürgkh lief bis auf einen verlorenen Ohrring bei der Begrüßung des österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer alles glatt. Für die Zukunft ihres Balls wünscht sie sich einen Besuch von Herzogin Kate aus Großbritannien: "Wenn ich mir einen Gast wünschen könnte, dann wäre es so jemand: Jung, aber doch mit Stil. Der das Moderne verkörpert, aber doch das Traditionelle nicht verlassen hat", sagte sie zuvor in einem Interview.

Der Wiener Opernball in Zahlen

Jedes Jahr im Februar verwandelt sich die Wiener Staatsoper in einen prunkvollen Ballsaal.

Das Haus wird für den Opernball mit 50.000 Blumen geschmückt.

Eine Eintrittskarte kostet 250 Euro.

Für eine eigene Loge müssen Besucher bis zu 18 500 Euro locker machen.

Für die kulinarische Verpflegung sorgen rund 280 Menschen.

Dafür sind über 800 Flaschen Sekt und Champagner sowie 900 Flaschen Wein eingekühlt.

Zur Stärkung gibt es 800 Portionen Gulaschsuppe, 1800 Paar Würstel und 1000 Stück Petits Fours und Sandwiches.

Der Umbau des Zuschauerraumes dauert nach Angaben der Staatsoper 30 Stunden.

Dabei kommen etwa 350 Facharbeiter und 150 Hilfskräfte zum Einsatz.

Für die Sicherheit sorgen 250 Wachleute.

 120 Musiker spielen in acht verschiedenen Ballbereichen.

Die traditionelle Eröffnung übernehmen 144 Debütantenpaare.

Für die Oper ist der Ball finanziell ein Gewinn: Ausgaben von 2,3 Millionen Euro stehen 3,4 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber.

Am Tag danach gehört die Oper traditionell den Kindern: Vormittags spielen die Wiener Philharmoniker für 7000 kleine Zuschauer je zwei Vorstellungen einer kindgerechten Form der Mozart-Oper "Die Zauberflöte".

(dpa)

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