01.02.13

Winnenden-Prozess

Auf Vater von Tim K. kommt Forderung in Millionenhöhe zu

Gericht senkte seine Bewährungsstrafe, doch fest steht: Vater des Amokläufers von Winnenden trägt Mitschuld an dem Blutbad vor vier Jahren.

Von Wenke Böhm und Nikolai Worms
Foto: dpa
Amoklauf Winnenden - Prozess gegen Vater
Kreidespuren zeigen den Umriss des Amokläufers Tim K. vor einem Autohaus in Wendlingen am Neckar

Stuttgart. Der Vater des Amokläufers von Winnenden trägt eine Mitschuld an dem Blutbad vor vier Jahren. Das bekräftigte ein Gericht nach erneuter Überprüfung des Falls. Die Stuttgarter Richter verurteilten den 54-jährigen Unternehmer am Freitag zu 18 Monaten Haft auf Bewährung unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Er hatte die Pistole unverschlossen im Kleiderschrank aufbewahrt, mit der sein Sohn Tim K. am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschoss.

"Es ist die Überzeugung der Kammer, dass es nicht zum Amoklauf gekommen wäre, wenn Sie Waffen und Munition ordnungsgemäß verwahrt hätten. Punkt. Aus", sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Polachowski. Der Angeklagte sei mit den waffenrechtlichen Anforderungen schlicht "schlampig umgegangen", betonte der Richter.

Dennoch könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Eltern von den Tötungsfantasien ihres 17-jährigen Sohnes wussten. Damit begründete Polachowski, dass die Kammer das Strafmaß aus dem ersten Urteil um 3 auf nunmehr 18 Monate reduzierte.

Die Kammer sprach den 54-Jährigen der fahrlässigen Tötung in 15 Fällen und der 14-fachen fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Zudem sahen die Richter es als erwiesen an, dass er gegen das Waffengesetz verstoßen hat. Die meisten Opfer des Amoklaufs waren Schüler und Lehrer der Albertville Realschule in Winnenden.

Die Staatsanwälte hatten auf die gleiche Strafe wie im ersten Urteil plädiert und angeführt, der Revisionsprozess habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. Das bewerteten die Verteidiger des Vaters anders: Sie sahen nur einen Verstoß gegen das Waffengesetz und forderten, die Kammer solle von einer Strafe absehen. Der Angeklagte habe wegen des Verlusts seines Sohnes schon genug gelitten, hieß es in der Begründung von Rechtsanwalt Hubert Gorka.

Der zweite Prozess war nötig, weil der Bundesgerichtshof das erste Urteil wegen formaler Fehler kassiert hatte. Da damals nur die Verteidigung und nicht die Staatsanwaltschaft Revision beantragt hatte, konnte die Strafe für den Angeklagten diesmal nicht höher ausfallen als im ersten Verfahren.

Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe

Das jetzige Urteil kann erneut angefochten werden. Selbst wenn es rechtskräftig wird, haben die gerichtlichen Auseinandersetzungen damit noch kein Ende: Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe kommen auf den Vater zu. Nach Schätzungen des Rechtsanwalts Jens Rabe summieren sich allein die Forderungen der Stadt Winnenden auf rund 9,4 Millionen Euro. Die Stadt hat die Albertville-Realschule nach der Tat wiederherrichten und umbauen lassen – auch um die dramatischen Bilder möglichst vergessen zu machen. Rabe vertritt die Stadt und 35 Einzelkläger. Dazu gehören Angehörige der Todesopfer vom 11. März 2009, aber auch Verletzte.

Die Forderungen der Einzelkläger addieren sich laut Rabe auf mehr als 1,5 Millionen Euro. Verhandlungen über außergerichtliche Einigungen mit der Haftpflichtversicherung des Vaters laufen. Eine Sprecherin der Allianz in München sagte: "Wir haben gegenüber den Betroffenen nach Abschluss des ersten Strafverfahrens im Jahr 2011 die Haftung anerkannt."

Auch der Vater des Amokläufers streitet zivilgerichtlich, und zwar mit dem Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg. Er will erreichen, dass die Klinik bis zu 8,8 Millionen Euro an möglichen Schadenersatzforderungen übernimmt, weil sie ihn nicht von der Gefahr berichtet habe, die von seinem Sohn ausging. Sein Klageentwurf liegt der Psychiatrie mittlerweile vor.

Mit Material von dpa

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