08.01.13

Amoklauf in Colorado

Grausige Details über Kinomassaker in Aurora offenbart

Gibt es einen Prozess gegen James Holmes, der im Juli in einem Kino in Aurora zwölf Menschen erschoss? Oder war er nicht zurechnungsfähig?

Foto: dapd
APTOPIX Colorado Shooting
Bevor James Holmes (li.) angeklagt werden kann, muss geklärt werden, ob er zur Tatzeit zurechnungsfähig war

Washington. Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf in einem Kino der US-Stadt Aurora (Colorado) sind viele neue grausige Details über die Tat und den mutmaßlichen Schützen ans Tageslicht gekommen. Zum Auftakt einer mehrtägigen gerichtlichen Anhörung in Centennial schilderten Polizisten teils mit Tränen in den Augen die schrecklichen Szenen am Ort des Verbrechens. Sie berichteten, wie merkwürdig "ruhig und entspannt" der mutmaßliche Schütze James Holmes bei seiner Festnahme kurz nach der Bluttat gewirkt habe.

Holmes soll am 20. Juli während der Premiere eines "Batman"-Films das Feuer eröffnet und zwölf Menschen getötet sowie etwa 60 verletzt haben. Er ist in mehr als 160 Punkten angeklagt, darunter Mord und versuchter Mord. Bei der Anhörung soll entschieden werden, ob gegen den 25-Jährigen der Prozess eröffnet wird. Dazu muss die Staatsanwaltschaft erstmals ihre Beweise gegen Holmes offenlegen. Kern ist dabei die Frage, ob er zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig war und in der Lage ist, dem Prozess zu folgen.

"Es war, als ob es überhaupt keine normalen gefühlsmäßigen Reaktionen bei ihm gebe", zitierte unter anderem die "Denver Post" den Polizisten Jason Oviatt am Montag im Zeugenstand. "Holmes stand nur einfach da. Er tat nichts (...) Er war nicht in Eile. Nicht erregt." Der Beamte habe den jungen Mann für einen Kollegen gehalten, weil er am ganzen Körper schusssichere Kleidung trug. Verdacht habe Oviatt erst geschöpft, als Holmes vom Tatort weglief.

Der Polizist Justin Grizzle erinnerte sich vor allem an das viele Blut in dem Kinosaal. "Ich bin ausgerutscht. Ich bin fast hingefallen wegen des vielen Bluts dort", sagte er. Nachdem er den Tatort betreten habe, seien seine Augen und sein Hals gereizt gewesen von dem Tränengas, das Holmes vor seinen Schüssen verbreitet haben soll. Überall habe er regelungslose Körper gesehen, die Überlebenden hätten in den ersten Sitzreihen gekauert. Der "Batman"-Film sei immer noch gelaufen, überall hätten Handys geklingelt.

Dem Sender CNN zufolge verfolgte Holmes die Aussagen im Gerichtssaal schweigend und mit ausdruckslosem Gesicht – auch als ein weiterer Zeuge mit tränenerstickter Stimme die Blutlachen im Kino geschildert habe. Sein buschiges Haar und ein langer Bart hätten im scharfen Kontrast zu dem rot gefärbten Haaren bei seinem ersten Gerichtsauftritt wenige Tage nach dem Massaker gestanden.

Die genauen Umstände der Tat waren bislang unbekannt, da der zuständige Richter eine Nachrichtensperre verhängt hatte. Die Staatsanwaltschaft und Verteidiger durften keine Reporterfragen beantworten und Gerichtsdokumente blieben geheim. Die am Montag begonnene Anhörung erhielt daher große Aufmerksamkeit in den US-Medien, obwohl es sich noch nicht um einen offiziellen Prozess handelt.

In einem anderen Amoklauf-Fall an einem kalifornischen College mit sieben Toten entschied ein Gericht ebenfalls am Montag, dass es keinen Prozess gegen den mutmaßlichen Täter geben wird. Der 44-jährige Mann sei psychisch gestört und könne nicht vor Gericht gestellt werden, befand die US-Richterin Carrie Panetta. Psychiater hätten paranoide Schizophrenie attestiert, berichtete die Zeitung "San Francisco Chronicle".

Die Staatsanwaltschaft in Oakland hatte wegen siebenfachen Mordes Anklage erhoben. Bei einem Prozess mit Schuldspruch hätte dem Mann die Todesstrafe gedroht. Der frühere Student soll nun in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden. Er werde weiter untersucht. Ein späterer Prozess sei bei Änderung seines Geisteszustands möglich, hieß es.

(dpa)
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