03.01.13

Indien

Anklage gegen mutmaßliche Busvergewaltiger erwartet

Offenbar sollen die Verdächtigen vor einem eigens eingerichteten Schnellgericht des Mordes angeklagt werden. Ihnen droht die Todesstrafe.

Foto: dpa
Peace March
Hunderte Inder gehen weiterhin auf die Straße und fordern mehr Rechte für Frauen

Neu-Delhi. In Indien soll heute Anklage gegen sechs Männer erhoben werden, die eine 23-jährige Studentin vergewaltigt, brutal geschlagen und anschließend aus einem fahrenden Bus geworfen haben sollen. Es wird erwartet, dass die Verdächtigen vor einem eigens eingerichteten Schnellgericht des Mordes angeklagt werden. Im Falle einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Bei einem der sechs Verdächtigen sollte anhand medizinischer Tests ermittelt werden, ob er minderjährig ist oder unter das Erwachsenenstrafrecht fällt.

Gegen Minderjährige kann in Indien keine Mordanklage erhoben werden. Die brutale Vergewaltigung der jungen Frau, deren Name bislang nicht veröffentlicht wurde, hatte sowohl in Indien als auch international für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Sie war am Abend des 16. Dezember in einem Minibus in der Hauptstadt Neu-Delhi brutal misshandelt worden, nachdem sie sich mit einem Freund einen Kinofilm angesehen hatte. Die Studentin wurde nach Polizeiangaben fast eine Stunde lang vergewaltigt, wie ihr Begleiter mit Eisenstangen geschlagen und schließlich nackt aus dem fahrenden Bus geworfen. Zwei Wochen nach der Tat erlag sie in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren inneren Verletzungen.

Medienberichten zufolge wurden Aussagen von 30 Zeugen gesammelt, der Polizeireport soll mehr als 1.000 Seiten umfassen. Den Beschuldigten werden wohl Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, nachdem die Mitglieder der Anwaltskammer die heikle Aufgabe aus moralischen Gründen und mit Verweis auf die Schwere des Verbrechens abgelehnt haben.

600 Vergewaltigungen, nur eine Verurteilung

Die Vergewaltigung hat in Indien heftige Diskussionen über den Umgang mit Frauenrechten ausgelöst. Auch am Mittwoch demonstrierten wieder Tausende Inderinnen mit einem Schweigemarsch für mehr Schutz von Frauen in ihrer Heimat. Viele Bürger erwarten nun von den Behörden strengere Gesetze und ein härteres Durchgreifen der Polizei.

Die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, versprach noch mehr Engagement ihrer Partei gegen die "perversen, beschämenden" Zustände in der Gesellschaft, die es Männern erlauben würden, Frauen ungestraft zu belästigen und zu vergewaltigen. Laut einem Bericht der "Times of India" wurden 2012 allein in der indischen Hauptstadt mehr als 600 Fälle von Vergewaltigung bei der Polizei gemeldet. Mehr als 750 Männer seien festgenommen, aber nur einer verurteilt worden.

Ebenfalls am (heutigen) Donnerstag will das oberste Gericht des Landes zudem über eine Petition des früheren Regierungsmitglieds Promilla Shanker entscheiden, wonach Abgeordnete des nationalen Parlaments ebenso wie Volksvertreter in den einzelnen Bundesstaaten suspendiert werden sollen, wenn gegen sie wegen krimineller Übergriffe auf Frauen ermittelt wird. Nach Angaben der Vereinigung für Demokratische Reformen, die Vorstrafen von Politikern auflistet, nominierten die indischen Parteien in den vergangenen fünf Jahren landesweit 260 Kandidaten, denen wegen Verbrechen gegen Frauen der Prozess gemacht werden sollte.

"Sie war ein sehr, sehr fröhliches kleines Mädchen"

Derweil kämpft die Familie der vergewaltigten Studentin weiter mit ihrer Trauer. "Sie war ein sehr, sehr, sehr fröhliches kleines Mädchen, harmoniebedürftig und nie in irgendwelche Vorfälle wie diesen verwickelt", sagte ihr Onkel Suresh Singh. "Ich weiß nicht, warum ihr das zugestoßen ist." Wenn die Regierung nicht mit schärferen Gesetzen gegen Vergewaltiger vorgehe, werde die Bevölkerung das Heft selbst in die Hand nehmen und die Missetäter zur Rechenschaft ziehen: "Die Leute auf der Straße werden mit ihnen abrechnen."

Vor Beginn des Verfahrens gegen die sechs Beschuldigten bemühte sich der Vorsitzende Richter Altamas Kabir um Glättung der Wogen. Bei aller Empörung müsse den Verdächtigen ein fairer Prozess gemacht werden, Lynchjustiz sei nicht akzeptabel. "Wir sollten nicht vergessen, dass eine Person als unschuldigt gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist", sagte er bei der Einweihung des neuen Schnellgerichts am Mittwoch.

Die Regierung will vier weitere Schnellgerichte schaffen, um der in Indien oft jahrelange Verschleppung von Prozessen zu sexueller Gewalt einen Riegel vorzuschieben. Vergangene Woche setzten die Regionalbehörden des Bundesstaats Punjab ein Zeichen, indem sie zwei Polizisten feuerten und einen Dritten suspendierten. Den drei Männern wird vorgeworfen, die Ermittlungen in einem Fall von Gruppenvergewaltigung verschleppt und das Opfer selbst belästigt zu haben, woraufhin die Frau Selbstmord beging.

(dapd)
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