23.12.12

Winter-Wetter

"Quirina" bringt nach Glatteis warme Weihnachten

Deutschlandweit wird es wohl keine weißen Weihnachten geben. In München werden Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius erwartet.

Von Wolfgang Schönwald und Tatjana Schäfer
Foto: dpa
Regen und Eisglätte in Norddeutschland
Eine Weihnachtsmannfigur steht bei Tauwetter an einer Landstraße

Berlin. "Hamburg, neun Grad, Regen", lautet ein Titel der Hamburger Musikgruppe Kettcar. Und dies trifft auch ziemlich genau auf die Wetteraussicht des Deutschen Wetterdienstes für Heiligabend zu. Während West- und Süddeutschland mit Temperaturen von bis zu 15 Grad rechnen können. Der Schnee wird sich wohl im Laufe des Tages in große Pfützen verwandeln und Weihnachten nicht weiß, dafür aber grau und nass werden lassen. Der norddeutsche Weihnachtsmann wird also mit Regenstiefeln durch den Kamin kommen. In München vielleicht sogar mit kurzer Hose. Denn Weihnachten 2012 dürfte das wärmste Fest der Feste werden, das es in Bayern je gab. An Heiligabend sind nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München und am Alpenrand Temperaturen bis zu 20 Grad zu erwarten – ein Rekord, wie Wetter-Statistiken zeigen. Nach Dauerregen traten Flüsse über die Ufer, auf den Bergen wehte ein stürmischer Wind, in den Alpen herrscht sehr hohe Lawinengefahr. Am Sonnabend war auf den Straßen viel los, lange Staus blieben aber aus.

35 Jahre muss man in den Aufzeichnungen zurückblättern, um auf annähernd so hohe Temperaturen an Weihnachten zu kommen: An Heiligabend 1977 war es in München mit 14,5 Grad laut DWD-Statistik bisher am wärmsten. "Dieser Wert wird mit hoher Wahrscheinlichkeit überboten", sagte der Sprecher. Sogar auf der Zugspitze wird am Montag mit einem Grad plus gerechnet. "Das wäre für Ende Dezember dann schon sehr ungewöhnlich", sagte Deutschlands höchstpostierter Wetterbeobachter, Dirk Petzner.

Der vierte Advent bescherte Deutschland Wetterkapriolen: Frühlingshafte Temperaturen im Westen, Dauerregen und Hochwasser im Süden und spiegelglatte Straßen im Norden und Osten. Tief "Quirina" leitete am Wochenende mit viel Warmluft und intensiven Niederschlägen Weihnachtstauwetter ein, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Während am Oberrhein am Sonntag das Thermometer bis auf 15 Grad Celsius fast zum Verweilen im Biergarten einlud, sorgte gefrierender Regen in den nördlichen und östlichen Landesteilen für gefährliche Rutschpartien. Die Folge waren zahlreiche Verkehrsunfälle und eine Massenkarambolage in Schleswig-Holstein.

Das massive Tauwetter und die Regenfälle ließen in der Nordhälfte Bayerns mehrere Flüsse und Bäche über die Ufer treten. Zu ersten Überflutungen kam es am Sonntag im Maingebiet sowie an Altmühl, Wörnitz und Vils, wie der Hochwassernachrichtendienst in Augsburg mitteilte. Die Schwarzach in Mittelfranken erreichte im Laufe des Tages die höchste Meldestufe 4. Auch in Oberfranken berichtete die Polizei von Überschwemmungen in mehreren Landkreisen. Da es bis Montagmorgen weiter kräftig regnen sollte, rechneten die Experten mit weiter steigenden Pegelständen im Maingebiet sowie an den Donauzuflüssen.

Dauerregen und Schneeschmelze sorgten auch in Baden-Württemberg für einen Anstieg der Flüsse. Die Hochwasservorhersagezentrale meldete hohe Pegelstände an der Dreisam im Schwarzwald. Für Montag rechneten die Experten damit, dass der Rhein gebietsweise die Marke von acht Metern und damit eine Größenordnung eines etwa 2- bis 5-jährlichen Hochwassers erreicht. Auch an Neckar und Donau werden den Prognosen zufolge vereinzelt die Meldewerte überschritten.

Hochwasser führten auch Flüsse in Hessen und Rheinland-Pfalz. Betroffen waren nach Auskunft des Landesamts für Geologie und Umwelt vor allem der hessische Abschnitt des Neckars sowie Fulda, Eder und die Nebenflüsse der Kinzig. Für den ersten Weihnachtsfeiertag wird aber auch für den Rhein in Hessen die Hochwasser-Meldestufe 2 erwartet, was auch eine Teilsperrung der Bundesstraße 42 wegen Überflutung bedeuten kann. Steigende Pegelstände, aber kein dramatisches Hochwasser registrierten die Meldezentren in Rheinland-Pfalz. An Rhein und Mosel steige zwar das Wasser, der Scheitel werde aber voraussichtlich nicht die zur Einstellung der Schifffahrt erforderliche Höhe erreichen.

Blitzeis und überfrierende Nässe lösten in der Nacht zu Sonntag auf der Autobahn 23 im Kreis Pinneberg eine Massenkarambolage aus. Nach Angaben der Autobahnpolizei krachten auf einem 400 Meter langen Abschnitt bei Rellingen kurz nach Mitternacht 14 Autos ineinander. Sechs Menschen wurden leicht verletzt. Die Autobahn musste in beide Richtungen für mehrere Stunden gesperrt werden.

In Niedersachsen kam es wegen Glätte auf der Autobahn 7 zu einem Unfall mit fünf Schwerverletzten. Ein 26-Jähriger geriet vor der Anschlussstelle Evendorf im Heidekreis ins Schleudern. Sein Auto überschlug sich, alle fünf Insassen wurden dabei schwer verletzt. Auch in anderen Teilen Niedersachsens gab es Unfälle auf eisglatter Straße.

In Hamburg musste die Autobahn 253 in der Nacht auf einem Teilstück wegen Blitzeis für den Verkehr gesperrt werden. Glatte Wege und Fahrbahnen meldete die Polizei auch aus Mecklenburg-Vorpommern und aus dem Großraum Berlin-Brandenburg. Der Wetterdienst forderte vielerorts die Bewohner auf, das Haus nach Möglichkeit nicht zu verlassen.

Auch Bahnreisende mussten sich am Sonntag auf Zugausfälle und längere Wartezeiten einstellen. So konnten die Fernzüge der Deutschen Bahn (DB) wegen vereister Oberleitungen bis zum Nachmittag nicht zwischen Hamburg und Sylt fahren. Eine DB-Sprecherin riet Fahrgästen auf dapd-Anfrage, die Züge der privaten Nord-Ostsee-Bahn zu benutzen, weil diese mit Diesel betrieben würden.

In Mitteldeutschland hingegen entspannte sich die Lage am Sonntag allmählich. Der Deutsche Wetterdienst hob bis zum Mittag zahlreiche Unwetterwarnungen wegen Glatteis in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt auf. Die Polizei meldete noch vereinzelt Autounfälle auf glatten Straßen. Am Samstag war es auf spiegelglatten Fahrbahnen in vielen Regionen Sachsen, Thüringens und Sachsen-Anhalts zu Hunderten Autounfällen gekommen. Die meisten endeten mit Blechschäden.

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