23.12.12

Banküberfall in Berlin

Berliner Geiselnehmer drohen bis zu 15 Jahren Haft

29-jähriger Wolfsburger überfiel Bankfiliale in Berlin-Zehlendorf. "Bombe" bestand aus drei Kilo Mehl. Bürgermeister Wowereit ist erleichtert.

Von Maren Hennemuth und Nikolaus Sedelmeier
Foto: REUTERS

Spezialeinsatzkräfte der Polizei vor einer Filiale der Deutschen Bank in Zehlendorf. Ein Mann hat am Freitagnachmittag die Bank überfallen und sich in dem Gebäude verschanzt

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Berlin. Nach der stundenlangen Geiselnahme in einer Bankfiliale in Berlin-Zehlendorf drohen dem 29-jährigen Täter bis zu 15 Jahre Haft. Dem Mann, der aus Wolfsburg stammt, werde erpresserischer Menschenraub vorgeworfen, sagte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft. Gegen ihn wurde am Sonnabendabend Haftbefehl erlassen.

Der Polizei war es am frühen Sonnabendmorgen nach fast zehn Stunden gelungen, den Täter in langen Verhandlungen zur Aufgabe zu überreden. Zunächst ließ der Mann seine 40 Jahre alte Geisel frei, dann stellte er sich den Beamten. Geisel und Täter blieben unverletzt. Die Polizei war mit rund 300 Einsatzkräften vor Ort.

Später wurden Einzelheiten der Tat bekannt. "Es zeichnet sich ab, dass der Mann möglicherweise Schulden hatte", sagte ein Ermittler am Nachmittag vor Journalisten. Der offenbar etwas naive Täter soll eigentlich geplant haben, die Filiale bereits am Donnerstag zu überfallen. Dabei gab er nach Angaben von Einsatzleiter Jochen Sindberg vor, ein Konto eröffnen zu wollen. Schließlich sei er am Freitag mit einer blauen Sporttasche in die Bank zurückgekehrt und habe behauptet, darin befinde sich eine Bombe. "Er hatte dabei offenbar die Vorstellung, dass sein Drohpotenzial zügig dazu führt, dass er bedient wird", berichtete der Ermittler.

Bei den Verhandlungen habe der Geiselnehmer zunächst eine halbe Millionen Euro gefordert und "dann relativ zügig auf eine Millionen erhöht". Es sei allerdings deutlich geworden, dass er "mit der Situation selber nicht sehr glücklich" war.

Die Bombe, mit der der Mann gedroht hatte, das Bankgebäude zu sprengen, habe lediglich aus "drei Kilo Mehl" bestanden. Seine Waffe sei eine Schreckschusspistole gewesen. Dennoch habe man den Täter "in seiner Gefährlichkeit nicht unterschätzen" dürfen.

In der Vernehmung am Sonnabend habe sich der 29-Jährige "geständig gezeigt", sagte Oberstaatsanwalt Jörg Raupach. Wegen des Vorwurfs des erpresserischen Menschenraubes drohten ihm 5 bis 15 Jahre Haft. Der 40-jährige Bankangestellte, der sich in der Gewalt des Täters befand, sei relativ gefasst und stabil, sagte Sindberg. Der 29-Jährige habe den Mann "sehr anständig" behandelt und mehrmals betont, ihm nichts antun zu wollen.

Unterdessen wurde die Berliner Polizei für den Einsatz gelobt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach den Beamten seinen Dank aus. Er sei erleichtert über das "glückliche Ende". Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einer "hohen Professionalität". Die Einsatzkräfte seien auf alle Eventualitäten vorbereitet gewesen.

Polizeipräsident Klaus Kandt betonte, seine Leute hätten mit "großer Geduld und Ausdauer" verhandelt. "Ich selbst war im Führungsstab und konnte mich davon überzeugen, wie ruhig und professionell der Einsatz abgelaufen ist", berichtete er. Kandt hatte sein Amt erst am vergangenen Montag angetreten.

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