23.11.12

Berliner Krankenhaus

Missbrauch-Skandal: Charité muss Pannen zügig aufarbeiten

Ein Pfleger soll eine Jugendliche missbraucht haben. Zu spät erfuhren Öffentlichkeit und Ermittler davon. Nun geht es um Konsequenzen.

Foto: dapd

Schwere Vorwürfe gegen einen Krankenpfleger der Berliner Charité: Der Mann soll eine 16-jährige Patientin missbraucht haben

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Berlin. Die Berliner Charité muss nach dem Informationschaos beim Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pfleger ihre Pannen binnen weniger Tage aufarbeiten. Bis Montag soll der Chef von Deutschlands größtem Uniklinikum, Karl Max Einhäupl, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Bericht vorlegen. Zudem vereinbarte die Charité mit Fachleuten, ein Kinderschutzkonzept zu erarbeiten. Die Klinik hatte die Ermittlungsbehörden zunächst nicht über den Missbrauchsverdacht informiert, das Management musste Fehler in der Informationspolitik einräumen. Unklar blieb am Freitag, ob es personelle Konsequenzen gibt.

Ein langjähriger Krankenpfleger soll eine wehrlose 16-Jährige in einer Charité-Rettungsstelle missbraucht haben. Er wurde suspendiert. Der 58-Jährige soll auch früher mehrmals auffällig geworden sein. Die Charité informierte die Öffentlichkeit erst eine Woche nach den jüngsten Vorwürfen. Auch nach der Entdeckung von Darmkeimen in der Charité vor wenigen Wochen war Kritik wegen Informationspannen laut geworden.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs, Johannes Rörig (CDU), plädierte für ein erweitertes Führungszeugnis. Er sagte RTL Aktuell am Donnerstagabend: "Erweiterte Führungszeugnisse sind ein ganz wichtiger Baustein im Bereich des Schutzes vor sexueller Gewalt. Deswegen plädiere ich ganz eindeutig dafür, dass jeder, der hauptberuflich mit Kindern arbeitet, ein solches Zeugnis vorlegen muss." Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte, Charité-Strukturen zu überprüfen. Das Klinikum kündigte auch an, Informationsabläufe zu überprüfen.

Zudem vereinbarte die Charité mit der Beratungsstelle "Kind im Zentrum" (KIZ) am Freitag, ein Kinderschutzkonzept zu entwickeln. Ziel sei, sexuelle Übergriffe zu verhindern, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa. Die Beratungsstelle "Kind im Zentrum" hatte schon bei der Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch am privaten Helios-Klinikum in Buch geholfen. Dort hatte ein Pfleger kleine Jungen auf der Kinder-Intensivstation missbraucht. Der Täter wurde zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Berlins Wissenschaftssenatorin Scheeres hatte am Donnerstagabend bei einem Treffen mit der Charité-Leitung eine Aufarbeitung verlangt. Wer wann etwas wusste, solle in dem Charité-Bericht klargestellt werden, sagte Scheeres-Sprecher Thorsten Metter am Freitag. Das Papier werde dann ausgewertet und auch bei der nächsten Sitzung des Charité-Aufsichtsrates am 3. Dezember erörtert. Die Senatorin ist Vorsitzende des Aufsichtsrates.

Die Charité in Zahlen

Die Berliner Charité ist die medizinische Fakultät der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität. Mit knapp 13.000 Mitarbeitern an vier Standorten gehört sie zu den größten Arbeitgebern der Hauptstadt. Einige Zahlen:

GEGRÜNDET: 1710

MITARBEITER: 12 908 (Juni 2012)

STUDIERENDE: 7025 (2011)

JAHRESUMSATZ: 1,3 Milliarden Euro (2011)

BETTEN: 3095 (August 2012)

NUTZFLÄCHE: 547 000 Quadratmeter

OPERATIONEN: 7000 pro Monat

GEBURTEN: 4700 pro Jahr

TRANSPLANTATIONEN: 700 pro Jahr

dpa
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