22.11.12

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Verschwundener Jeremie: Jetzt spricht die Familie

Während mit Hochdruck nach dem Elfjährigen gefahndet wird, äußert sich erstmals der Großvater. In Lübtheen gibt es einen bösen Verdacht.

Von Jan-Eric Lindner
Foto: Privat
Jeremie versteckt sich irgendwo in Hamburg. Hinweise an jede Polizeidienststelle oder unter Tel. 040/428656789
Jeremie versteckt sich irgendwo in Hamburg. Hinweise an jede Polizeidienststelle oder unter Tel. 040/428656789

Billstedt. Noch immer ist der elfjährige Jeremie, der zuletzt bei der Betreiberfamilie des Wanderzirkus "Monaco" gelebt hatte, verschwunden. Mit einem Klein-Lkw war er von Lübtheen, wo der Zirkus sein Winterquartier bezogen hat, nach Billstedt gefahren. Hier lebt auch die ursprüngliche Familie des jetzt Elfjährigen. Jeremie wuchs bei seinen Großeltern Rosita und Bruno auf. Seine Mutter Patricia war zeitweise schwer drogenabhängig, ist jetzt aber, ebenso wie Jeremies Vater, wieder "clean". Die Familie sagt, Jeremie habe seit seiner Unterbringung im Zirkus Monaco immer wieder weinend angerufen, weil er nach Hause wollte. Zuletzt habe er von Schlägen berichtet, und dass er morgens um sechs Uhr die Ställe ausmisten musste. Jeremies Mutter schildert, dass ihr Sohn in einem unbeheizten Bauwagen schlafen musste, mehrfach mit dem Auto der Zirkusfamilie in den Ort fahren musste, um seinen "Pflegevater" aus der Kneipe abzuholen. Außerdem habe man Jeremie zum Feuerschlucker gemacht. Ein Video zeigt den Jungen tatsächlich beim Feuerschlucken.

Jeremie habe ihn am Mittwoch angerufen, sagt Großvater Bruno, 70, der eine besonders enge Beziehung zu seinem Enkel hat. Weinend schildert er, wie Jeremie ihm sein Leid geklagt habe: "Er sagte, dass er weiß, dass wir ihn zur Behörde bringen, wenn er zu uns kommt. Deshalb ist er nicht zur Familie gekommen. Er will nur einen Richter sprechen und ihm seine Situation schildern, damit er nie wieder in den Zirkus Monaco muss."

Ein Mitarbeiter des Kleinzirkus sagte dem Abendblatt gestern in Lübtheen, dass Jeremie sich sehr wohl gefühlt habe und dass er den Verdacht hege, der Elfjährige sei von einem Familienmitglied in Lübtheen abgeholt worden. "Der Mercedes-Transporter hat sehr hakelige Gänge, die Servolenkung ist kaputt. Unmöglich, dass der Elfjährige den Wagen nach Hamburg gefahren hat." Die Betreiberin des Zirkus hat selbst sieben eigene Kinder. Jeremie sei ihr einziges Pflegekind. Demgegenüber schildert die Hamburger Familie, dass "mindestens sechs" externe Kinder in dem Zirkus betreut würden.

Das Bezirksamt Mitte sammelt derzeit noch Fakten zu dem Fall. Eine Stellungnahme soll es noch heute geben. In den Zirkus vermittelt wurde Jeremie vom Träger "Neukirchener Erziehungsverein", einem großen Anbieter von Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie in Nordrhein-Westfalen. Der Verein hat eine Abteilung, die sich auf Angebote in der Individualpädagogik spezialisiert hat. Hier werden Kinder und Jugendliche vermittelt, die in Heimen und Wohngruppen nicht klar kommen. "Ziel ist es, dass die Betreuten Zuwendung und Vertrauen erfahren", sagt NEV-Sprecher Ulrich Schäfer: "Wir haben seit Jahren zahlreiche Familien auf Bauernhöfen, Reiterhöfen, im Zirkus und bei Stunt-Shows, bei denen wir Kinder unterbringen." Durch enge Betreuung und pädagogische Unterstützung funktioniere das Konzept generell sehr gut. Beschult werden die Kinder mittels Fernunterricht am Computer. Lernhelfer kümmern sich in den Regionen persönlich um die Kinder. Zum Einzelfall wollte Schäfer sich mit Verweis auf den Sozialdatenschutz nichts sagen.

Wer Jeremie gesehen hat oder Hinweise auf seinen derzeitigen Aufenthaltsort geben kann, wird gebeten, sich an das Polizeikommissariat 42 unter der Rufnummer 040/4286-54210 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

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