28.10.12

Meningitiswelle

US-Behörde findet schwere Mängel bei Pharmafirma

Verunreinigte Injektionen haben 25 Menschen in den USA das Leben gekostet. Hunderte erkrankten. Hygienemängel beim Hersteller.

Foto: REUTERS
File of a Framingham police officer keeping watch as federal agents search th New England Compounding Center company in Framingham, Massachusetts
Polizeibeamte durchsuchen ein Gebäude einer Pharmafirma in Framingham in den USA

New York. Schmutz, Schimmelpilze und Bakterien in unzulässiger Menge: US-Inspektoren sind bei der Pharmafirma im Mittelpunkt der amerikanischen Meningitiswelle auf schwere Mängel und Verstöße gegen Hygienevorschriften gestoßen. Das Unternehmen New England Compounding Center in Framingham bei Boston hatte nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde FDA ein injizierbares Schmerzmittel hergestellt, dessen Verunreinigungen zu Meningitis (Hirnhautentzündungen) führen können. 25 Menschen starben bislang, weitere 313 erkrankten zum Teil schwer. Der FDA-Bericht war am Sonnabend auf der Webseite der Behörde einzusehen.

In hunderten Reaktionen empörten sich Leser der "New York Times", die über das Inspektionsergebnis berichtete, am Sonntag über die fehlende Behördenaufsicht. Ein Pharmakologe warnte vor weiteren Kürzungen des FDA-Haushalts, die der Republikaner Mitt Romney in seinen Wahlreden für das Weiße Haus ankündigt. Die Mittel der FDA "reichen jetzt schon nicht aus, um irreführende Werbung und unzureichende (Arznei-)Produktionen zu kontrollieren", schrieb der New Yorker Experte.

Der Bericht legt den Schluss nahe, dass die Verunreinigung des Schmerzmittels von Schmutz und Schluderei in der Fabrik stammt. Demnach wurden in 83 von 321 Röhrchen der Produktionsreihe, die mit dem Meningitisausbruch in Verbindung gebracht wird, "grünlich-schwarze Fremdstoffe" gefunden und in weiteren 17 Röhrchen weißliche Fasern. Sterilisierungsgeräten seien mit einem grünlich-gelben Belag überzogen gewesen, heißt es in dem Report. Sowohl der Schimmel als auch die Bakterien hätten die von dem Unternehmen selbst gesetzten Höchstwerte überschritten.

Obwohl die Arzneimittelproduktion gleichbleibende Temperaturen und Feuchtigkeitswerte verlangte, wurde die Klimaanlage abends ausgeschaltet. Der Boiler hatte ein Leck und die Fußmatten sowie Abzüge starrten vor Dreck, hatte das Gesundheitsministerium des US-Bundesstaates Massachusetts zuvor schon angeprangert. Kritisiert wurde auch die Nähe der Fabrik zu einer Müllaufarbeitungsanlage, deren Staubwolken von Anwohnern mehrfach beanstandet wurden.

Das New England Compounding Center stellte Medikamente in großen Mengen her und belieferte unter anderen Krankenhäuser renommierter Universitäten wie Harvard und Yale sowie die Mayo-Klinik. Die Firma gab am 6. Oktober bekannt, sie habe alle Produkte zurückgezogen, die in der Fabrik in Framingham produziert worden waren.

Die "New York Times" fand inzwischen heraus, dass die Fabrik und die Recyclinganlage nebenan ein und derselben Familie gehören. Die Conigliaros, eine verzweigte Unternehmerfamilie, hätten mit dem Müllgeschäft begonnen und sich später auf die Arzneiproduktion ausgedehnt. Ihr bisheriger finanzieller Erfolg sei auch an den millionenteuren Villas der Geschwister abzulesen.

Zehntausende Menschen in den USA sollen das verunreinigte Mittel bekommen haben. Die Gesundheitsexperten rechnen jedoch damit, dass die Quote der Erkrankungen unter fünf Prozent bleibt. Zumeist wird ein Fall erst nach Wochen erkannt. Mit der Zeit könnten bis zu 1500 Fälle auftreten. Einige dieser Hirnhautentzündungen dürften nach Einschätzung der Experten tödlich enden.

dpa
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