27.Marathon-Hamburg

Familie teilt sich Hamburgs Marathon

Foto: Marcelo Hernandez

Mutter, Vater und zwei Söhne aus Rahlstedt wagen beim Haspa-Lauf am 29. April den Staffelstart. Die Neuerung animiert vor allem Freizeitläufer.

Hamburg. Gelaufen sind sie schon immer gern. Nur nicht die Distanz von 42,195 Kilometern. "Ein Marathon ist mir dann doch etwas zu lang", sagt Anne Hackmann, 46, die in ihrer Freizeit mit Ehemann Holger Ellermann am liebsten durch den Wald joggt, um "den Kopf frei zu bekommen" und einen Ausgleich zum teilweise stressigen Familienalltag zu haben. Vier Kinder hat das Paar: Marie, 16, Markus, 14, Mathis, 11, und Nesthäkchen Marleen, 6. Und alle sind sportlich aktiv und vor allem der Leichtathletik eng verbunden. "Insbesondere die drei Jüngeren lieben es, längere Strecken zu laufen", sagt Anne Hackmann, "die haben schon jetzt eine unfassbare Ausdauer."

Unter anderem deshalb entstand im Hause Hackmann/Ellermann vor rund zwei Monaten die Idee, im Rahmen des diesjährigen Haspa-Marathons am 29. April an der zum ersten Mal vom Hamburger Leichtathletik-Verband ausgeschriebenen Staffel für vier Personen teilzunehmen und sich beim Abendblatt um einen Starterplatz als Familienstaffel zu bewerben. "Als ich in der Zeitung von dem Angebot gelesen habe, war ich sofort begeistert. Für uns ist ein Staffelwettbewerb ideal, da wir reine Freizeitsportler sind und die vorgegebenen Distanzen als Team wunderbar meistern können", sagt Hackmann.

Noch größer war die Freude allerdings, als die Familie aus Rahlstedt die Nachricht erhielt, Gewinner der Abendblatt-Aktion zu sein und neben dem Staffelplatz auch eine komplette Ausrüstung von Marathon-Sponsor Asics sowie einen Gesundheitscheck gestellt zu bekommen. "Das war natürlich eine riesige Überraschung. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf den 29. April", sagt Hackmann.

Der Startläufer, in dem Fall Vater Holger, muss 14,8 Kilometer von der Reeperbahn bis zum Ballindamm zurücklegen, Mutter Anne wird 10,6 Kilometer bis zur City Nord absolvieren, Mathis läuft die 5,3 Kilometer bis nach Ohlsdorf, und Markus, immerhin erfolgreicher Kaderathlet des Hamburger Leichtathletik-Verbandes, will die letzten 11,5 Kilometer bis ins Ziel in der Glacischaussee am Heiligengeistfeld meistern.

Für die kleine Marleen käme der Laufeinsatz etwas zu früh, meinen die Eltern, und Schwester Marie wird für den Fall einspringen, dass irgendjemand der vier Mutigen ausfällt. "Auf diese Weise sind wir für alle Eventualitäten gerüstet", sagt Holger Ellermann zuversichtlich, "das Staffelrennen kann also kommen."

Ob die lauffreudige Familie tatsächlich alle Voraussetzungen für die verschiedenen Distanzen mitbringt, wurde am Arbeitsbereich für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg von Professor Klaus-Michael Braumann, dem Dekan des Fachbereichs Sportwissenschaft, bei einer leistungsdiagnostischen Untersuchung noch einmal überprüft.

Blutanalyse, Urinuntersuchung, Herzultraschall, Belastungs-EKG - eine Stunde lang dauert die Präventionsuntersuchung, zu der Braumann grundsätzlich allen Teilnehmern rät, die insbesondere auch die Marathondistanz zurücklegen oder nach längerer Pause wieder mit dem Sport beginnen wollen. "Wir können Auffälligkeiten identifizieren, die für den Betroffenen als solche oftmals gar nicht ersichtlich sind", sagt Braumann. Vor allem das Herzecho habe hierbei eine wichtige Funktion, da die Herzwanddicke Hinweise auf mögliche Herzrhythmusstörungen gerade auch bei jüngeren Menschen geben könne. Zudem werde neben dem Gesundheitscheck auch eine Leistungsdiagnostik erstellt, die sich selbst für gesunde Sportler auszahle: "Die Leute erfahren hierbei, ob sie zu viel oder zu wenig trainieren und wo ihr optimaler Leistungsbereich tatsächlich liegt", so Braumann.

Familie Hackmann/Ellermann jedenfalls hat den Gesundheits- und Leistungscheck mit Bravour überstanden. Die erhobenen Leistungswerte von Fußballtalent Mathis und Leichtathletikhoffnung Markus lagen weit über dem Durchschnitt ihrer Altersgenossen. Und auch die Fitness von Anne Hackmann und Holger Ellermann hat Professor Braumann und sein Team überaus zufriedengestellt. Sie alle dürfen dem Haspa-Marathon ohne Bedenken entgegenfiebern und ein wenig auf das Ereignis hintrainieren. Große Anstrengungen sind dafür allerdings nicht vonnöten. "Selbst untrainierte Menschen können Distanzen von 3,5 Kilometern in der Regel problemlos zurücklegen", betont Braumann.

Ein Trainingsmarathon bleibt Familie Hackmann/Ellermann demnach erspart - zumal die vier Läufer keine allzu ehrgeizigen Ziele hegen. "Eine bestimmte Zeit, die wir gemeinsam erreichen wollen, haben wir uns nicht vorgenommen", sagt Anne Hackmann. Aber vielleicht wäre das ein willkommener Vorsatz für 2013. Gut möglich, dass die Rahlstedter dann noch einmal als Familienstaffel ins Rennen gehen. Denn laufen werden sie auch in Zukunft mit Sicherheit gern.

Am 29. April wird der 27. Hamburger Marathon an der Reeperbahn angeläutet. In Zusammenarbeit mit dem Haspa-Marathon veröffentlicht das Abendblatt einmal im Monat eine Sonderseite zu einer der größten Sportveranstaltungen der Stadt. Die vierte Ausgabe ist für den 25. Februar geplant.

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