16.12.12

HSV 0:3 in Leverkusen

"Bester Adler, den es je gab" erlebt Frust in der Heimat

Die erste Halbserie mit seinem neuen Arbeitgeber lief für René Adler persönlich bestens. Nur der Hinrundenabschluss wurmt den HSV-Keeper.

Von Holger Schmidt
Foto: dpa
Bayer Leverkusen - Hamburger SV
Für HSV-Torwart René Adler gab es außer drei Bällen im Netz in seiner alten Heimat nichts zu holen

Leverkusen. Er schrie, schimpfte und schubste seine Mitspieler, doch es half nichts: Als die Hinrunde "wie im Märchen" ohne Happy End geblieben war, war René Adler einfach nur noch wütend. "Ich bin verärgert, dass wir uns so in die Pause verabschieden, denn der letzte Eindruck bleibt hängen", sagte der vielleicht beste Bundesliga-Torhüter der Hinrunde nach dem 0:3 (0:2) des Hamburger SV bei Bayer Leverkusen frustriert: "Das waren zwei Klassen Unterschied. Es haben alle Tugenden gefehlt, die im Fußball wichtig sind. Wir haben alle Zweikämpfe verloren, dafür fehlt mir jedes Verständnis."

Der Rahmen hatte gestimmt, um ein würdiges letztes Kapitel zu seiner traumhaften Hinrunde zu schreiben. Ausgerechnet in Leverkusen - "meiner Heimat", wie der gebürtige Leipziger nach dem Spiel sagte - beendete der selbsternannte "beste Adler, den es je gab" das Jahr 2012. Die Ex-Kollegen umarmten ihn im Kabinengang herzlich, sogar die Bayer-Fans feierten ihn nach zwölf gemeinsamen Jahren mit Sprechchören. Doch beim Essen mit zahlreichen ehemaligen Bekannten am Samstagabend, zu dem er schon im Vorfeld des Spieles geladen hatte, wich die Wut nur ganz langsam.

Nach frustrierenden 90 Minuten an seinem alten Arbeitsplatz in der BayArena hatte Adler von einem besonderen Spiel zunächst nichts mehr reden wollen. "Das Ergebnis ist das Entscheidende. Ich fahre lieber nach Wolfsburg und gewinne, als dass ich hierher fahre und verliere", hatte der 27-Jährige gesagt.

In Leverkusen hatten sie im Sommer keine Verwendung mehr für die einstige Nummer eins der Nationalelf gehabt. Sie ließen Adler ablösefrei ziehen und gaben stattdessen 7,5 Millionen Euro für den bis dahin unbekannten Bernd Leno aus. Keine Frage der Qualität, sondern der Fitness sei dies gewesen, sagte Sportchef Rudi Völler noch einmal vor dem Abpfiff. Auch Adler selbst hatte kürzlich zugegeben, dass sein Karriere-Ende ihm "ganz nahe" schien und er sogar Angst vor Depressionen hatte. In Hamburg blühte er dann wieder auf, nach der Rückkehr in die Nationalelf fühlte er sich "wie im Märchen".

Dass das Jahr mit einer Pleite endete, die nicht nur angesichts von zwei Aluminium-Treffern von Andre Schürrle noch deutlicher hätte ausfallen können, war nicht seine Schuld gewesen. Seine Mitspieler hatten ihn im Stich gelassen. Und dafür ließ Adler auch den chaotischen Tripp nach Brasilien in der Vorwoche nicht als Ausrede gelten.

"Ich könnte mich jetzt natürlich hinstellen und sagen: Das war alles Quatsch", meinte er: "Aber es war eine gute Reise, jeder hatte Spaß und der HSV ist in einer finanziellen Situation, in der man das Geld nicht ausschlagen kann. Und da sind wir als Spieler in der Pflicht, die Arschbacken zusammen zu kneifen, da runterzufliegen, den Job zu machen und Bundesliga zu spielen am nächsten Tag. Das haben wir nicht geschafft. Insofern haben wir versagt."

Es waren die deutlichsten Worte, die an diesem Tag im Lager des völlig enttäuschenden HSV fielen. Das blutleere Auftritt ließ Deutungen, die Reise nach Südamerika habe doch zu viel Substanz gekostet, durchaus zu. Und hinterließ zwei bittere Erkenntnisse: Ohne den immer noch verletzten Rafael van der Vaart ist der HSV nur die Hälfte wert. Und anscheinend ist die Mannschaft - im Gegensatz zur öffentlich geäußerten Hoffnung von Trainer Thorsten Fink - eben doch noch nicht reif für einen Europacup-Platz. Trotz des "besten Adlers, den es je gab".

Statistik zum Spiel:

Leverkusen: Leno - Hosogai, Wollscheid, Toprak, Boenisch - Rolfes - Lars Bender, Hegeler - Castro (85. Renato Augusto), Schürrle (72. Kohr) - Kießling (83. Junior Fernandes). - Trainer: Lewandowski

Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam - Badelj (83. Rincon) - Skjelbred (65. Ilicevic), Aogo - Arslan - Son (65. Beister), Rudnevs. - Trainer: Fink

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Tore: 1:0 Kießling (27.), 2:0 Schürrle (36.), 3:0 Kießling (66.)

Zuschauer: 29.489

Beste Spieler: Schürrle, Kießling - Adler, Son

Gelbe Karten: Hegeler - Lam, Rudnevs

Erweiterte Statistik (Quelle: impire):

Torschüsse: 19:18

Ecken: 6:7

Ballbesitz: 38:62 Prozent

Multimedia

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