08.12.12

Reisebericht

HSV in Brasilien: "Wilkommen in Porto Alegre"

Um 12.01 Uhr Ortszeit erreichte der Flieger den "fröhlichen Hafen" in Salgado Filho. Bei 30 Grad bleiben nur wenige Stunden bis Anpfiff.

Von Alexander Laux
Foto: HA/Alexander Laux
Die Mannschaft am Flughafen in Porto Alegre
Die Mannschaft am Flughafen in Porto Alegre

Porto Alegre. "Sehr geehrter HSV, willkommen in Porto Alegre", klang es charmant von der Flugbegleiterin aus den Flugzeuglautsprechern. Einen "fröhlichen Hafen" (deutsch: Porto Alegre) hatte der HSV erwartet. Und sie wurden nicht enttäuscht. Als die Boeing 737 der Schweizer Fluglinie Privat Air am Sonnabend überpünktlich um 12.01 Uhr Uhr Ortszeit (15.01 Uhr deutsche Zeit) im modernen Flughafen Salgado Filho landete, wurden die Hamburger mit Temperaturen von angenehmen 30 Grad bei allerdings leicht bedecktem Himmel empfangen. Noch blieben wenige Stunden bis zum Anpfiff des Freundschaftsspiels gegen Gremio Porto Alegre.

Es ist wohl einer der ungewöhnlichsten Trips des HSV in seiner langen Geschichte. 40 Minuten nach dem Abpfiff der Partie gegen Hoffenheim am Freitagabend (2:0) setzte sich der Bus in Richtung Fuhlsbüttel in Bewegung. Der Ablauf war bis auf die Minute geplant. Um 23.58 Uhr, zwei Minuten vor Ablauf der Sondergenehmigung zum Starten hob die Maschine ab. Zielort: Porte Alegre, 11.000 Kilometer entfernt von Hamburg.

Um die Reisestrapazen moderat zu halten, hatte der HSV für 300.000 Euro einen Business-Jet gechartert, wodurch sich die Einnahmen für das Einladungsspiel zur Eröffnung es neuen Stadions erheblich reduzierten, auch wenn immerhin noch 825.000 Euro in der HSV-Kasse verbleiben. Der große Vorteil der privilegierten Anreise: Jeder der 44 bequemen Ledersitze in den nur elf Reihen ließ sich elektrisch fast in die Waagerechte verstellen. Doch an Schlaf war vorerst nicht zu denken.

In der mit HSV-Wimpeln geschmückten Kabine (ein Hauch von deutsch-brasilianischem Karneval hing in der Luft) wurden die 18 Spieler (Milan Badelj sowie die verletzten Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Maxi Beister, Gojko Kacar und Petr Jiracek fehlten), der Vorstand (Frank Arnesen, Joachim Hilke, Oliver Scheel), der Trainerstab, die Betreuer und die Aufsichtsräte Manfred Ertel und Björn Floberg mit einem reichhaltigen Menü verwöhnt: Vorspeisen (Tomate Mozzarella, Quiche), Nudeln mit Hackfleischbällchen oder Carbonara sowie Steaks wurden gereicht.

Die Jubelstimmung war nach dem Hoffenheim-Spiel eher dezent – man genoss die nun erreichten 24 Punkte still, stöberte in Zeitschriften, schaute sich einen (nur englischsprachigen) Film im Entertainment-Programm an (Hangover 2, American Gangster) – oder versuchte nach dem Essen schnell etwas Schlaf zu finden.

Nach sechsstündigem Flug nutzten viele Spieler den einstündigen Zwischenstopp Aeroport International Leopold Sedar Senghor von Dakar, um senegalesischen Boden zu betreten – und einen Länderpunkt zu machen. Als die Maschine betankt wurde, tönte die HSV-Hymne "HSV Forever" in einer Endlosschleife aus den Lautsprechern – eine etwas skurrile Atmosphäre mitten in der Nacht auf afrikanischem Boden.

Noch einmal acht Stunden Flugzeit standen an, und der HSV hatte medizinisch vorgesetzt. Klubarzt Philip Catala-Lehnnen hatte einen Notfallkoffer mit an Bord, alle Spieler trugen Trombosestrümpfe. Um die Regeneration zu fördern, hatten einige Profis trotz der Eile direkt nach dem Abpfiff ein Eisbad im HSV-Stadion genommen. Diejenigen, die erkältungsgefährdet waren, erhielten hochdosierte Vitaminpräparate. "Wenn ich jetzt noch eine Massagebank im Flieger hätte aufstellen können, wäre es perfekt gewesen", scherzte Catala-Lehnen, der die Spieler dazu aufforderte, viel Flüssigkeit während des Flugs zu sich zu nehmen.

Nach der Ankunft stand ein Bus bereit, der die Mannschaft sofort ins nur einen Kilometer entfernte Flughafen-Hotel Deville (vier Sterne) brachte. Dort stand ein leichter Imbiss bereit, die Spieler sollten sich nicht mehr schlafen legen, um völlig aus dem Rhythmus zu kommen. Viele Schaulustige und Autogrammjäger hatten sich am Hotel eingefunden, um den HSV zu begrüßen.

Trainer Thorsten Fink plante, jeden Spieler gegen Gremio zum Einsatz kommen zu lassen. Doch zunächst erfuhr der HSV, dass die Anstoßzeit leicht nach hinten verlegt war. Statt um 21 Uhr sollte nun erst um 22.30 Uhr gespielt werden – nach deutscher Zeit um 1.30 Uhr nachts. Ein Stresstermin.

Immerhin: Am Sonntag dürfen die Spieler relaxen, Einkaufen gehen oder den Strand besuchen. Am Abend steht ein typisch brasilianisches Grillfest an. Viel Zeit bleibt allerdings nicht – schon am Montag um 13 Uhr hebt der Flieger wieder ab Richtung Deutschland. Und nach der Landung am Dienstag um 7 Uhr hat das Winterwetter den HSV wieder.

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