11.12.12

Bundesliga

HSV und St. Pauli werden das DFL-Sicherheitskonzept ablehnen

Am Mittwoch stimmen die 36 Profiklubs über das Sicherheitskonzept im deutschen Fußball ab. Die Hamburger Klubs sind dagegen.

Foto: WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos
Fussball
Die Fans des HSV wird es freuen: Die Vereinsverantwortlichen werden das Sicherheitskonzept der DFL ablehnen

Hamburg. Vor der Abstimmung über das umstrittene Sicherheitskonzept im deutschen Fußball hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Druck auf die 36 Profiklubs weiter erhöht. "Das Problem ist, dass einige Vereine das Thema nicht ernst nehmen. Sie haben eine Verantwortung, für die Sicherheit der Zuschauer im Stadion zu sorgen. Es kann nicht sein, dass einige Vereine sagen: Gewalt im Fußball? Nie gehört!", sagte der CSU-Politiker Friedrich "Sport Bild Plus". Auch Ligapräsident Reinhard Rauball nahm die Vereine vor der Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt am Main noch einmal in die Pflicht: "Meiner Meinung nach brauchen wir eine klare Entscheidung und keine Verschiebung."

Rauball, zugleich Präsident von Meister Borussia Dortmund, erklärte in der "Bild": "Der Ligaverband steht vor einer Weggabelung. Es geht um die Frage: Können die Profiklubs ihre Hausaufgaben eigenverantwortlich machen und anschließend auch entsprechend selbstbewusst gegenüber Politik und Polizei auftreten?" Er sei jedenfalls froh, dass die meisten Vereine das erkannt hätten. Die Profiklubs entscheiden in Frankfurt am Main über das 37-seitige Papier mit den 16 Anträgen. Der designierte Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Andreas Rettig, geht fest davon aus, dass es am Mittwoch verabschiedet wird.

HSV-Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow kündigte allerdings an, für einen Aufschub der Abstimmung zu plädieren. "Ich werde dafür stimmen, dass wir am Mittwoch nicht abstimmen, sondern dass wir diese Fragen diskutieren und dann auf der ersten Mitgliederversammlung im neuen Jahr abstimmen", sagte der 57-Jährige im NDR "Sportclub" und betonte: "Ich finde es übereilt. Ich bin der Meinung, dass wir diesen Zeitdruck, der dort aufgebaut wird, nicht haben." Ähnlich hatten sich bereits der VfB Stuttgart, Werder Bremen und Union Berlin geäußert.

Der frühere HSV-Präsident Jürgen Hunke kritisierte das geplante Sicherheitskonzept als "überhastete Regulierung" kritisiert. Die überschnelle Reaktion werde auch durch die Einmischung der Politik ausgelöst, sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk. "Die Politik sollte sich da im Moment ganz raushalten, das soll der Fußball erstmal noch mal versuchen zu klären", sagte Hunke, Aufsichtsratsmitglied beim HSV. Übertriebene Regulierungen führten nur zu anderen Exzessen.

"Ich glaube, die Fans haben sich noch nie so moderat verhalten in der Gesamtheit wie in der jetzigen Zeit", sagte Hunke. Deshalb fehle ihm das Verständnis dafür, dass es nun ein neues Sicherheitskonzept geben solle.

Marvin Kretzschmar von der Fan-Initiative "12:12" sagte im Deutschlandfunk, er sei optimistisch, dass es in Zukunft Kompromisse gibt. Man sei gerade in einer "luxuriösen Position", dass auch der Ligaverband und die Medien immer mehr Verständnis dafür haben, "warum wir erst einen Dialog herstellen wollen, bevor wir Sicherheitskonzepte durchwinken", sagte er.

Auch der FC St. Pauli hat die DFL informiert, den Anträgen nicht zuzustimmen. "Wir halten eine Verschiebung für sinnvoll, damit die notwendige Zeit genutzt werden kann, um die Dinge intern ansprechen zu können und verbandseitig eine entsprechende und mit Fanvertretern besetzte Sicherheitskommission zu formieren", sagte Geschäftsführer Michael Meeske dem Abendblatt. Die Vereinsführung war auf der Jahreshauptversammlung am 26. November per Mitgliederentscheid angewiesen worden, das DFL-Konzept abzulehnen.

(dpa/lwö)
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Die wichtigsten Anträge des Sicherheitskonzeptes
  • Antrag 2 Lizenzierungsordnung

    Die Vereine sollen sich künftig nach besten Kräften bemühen, mit Vertretern ihrer organisierten Fanszene „einen offenen, regelmäßigen und verbindlichen Dialog zu etablieren“.

  • Antrag 3 (LO):

    In jedem Stadion muss ein Kontrollraum für die Sicherheits- und Ordnungskräfte vorhanden sein. Er muss mit einer Videoanlage zur Überwachung der Zuschauerbereiche ausgestattet sein. „Die Befehlsstelle der Polizei ist mit einer Vorrangschaltung für Videoüberwachung auszustatten.“ Gemäß Antrag 4 soll der Vorstand des Ligaverbandes die entsprechenden Richtlinien beim DFB-Präsidium beantragen.

  • Antrag 8 (DFB):

    „Zur Sicherstellung eines störungsfreien Spielablaufs, zur Verminderung von Gefahren für die Zuschauer, Spieler und Schiedsrichter“ sollen die bestehenden Kontrolleinrichtungen verbessert werden. Diese müssen so beschaffen sein, dass Kontrollen „sicher, zügig und angemessen“ durchgeführt werden können. Die DFL stellt dabei klar, dass sogenannte Vollkontrollen keinesfalls in die Statuten aufgenommen werden sollen. Der Umfang der Kontrollen soll „lageabhängig“ entschieden werden.

  • Antrag 9 (DFB):

    Sowohl die vom Heimverein beauftragten Ordnungsdienstkräfte als auch das vereinseigene Ordnungsdienstpersonal müssen das Schulungskonzept des DFB durchlaufen, um über ihre „Rechte, Pflichten sowie Aufgaben, Abläufe und die wesentlichen Problemfelder“ unterrichtet zu sein.

  • Antrag 11 (DFB):

    Bei „Spielen mit erhöhtem Risiko“ sollen unter anderem folgende Maßnahmen „zu erwägen“ sein: Begrenzung des Verkaufs von Eintrittskarten (Steh- und Sitzplatzbereich), strikte Trennung der Anhänger und Durchführung von verstärkten Personenkontrollen. Die DFB-Zentralverwaltung ist berechtigt, „aufgrund eigener Erkenntnisse ein Spiel als 'Spiel mit erhöhtem Risiko' einzustufen“. Außerdem wird die Möglichkeit einer Sicherheitsaufsicht bei „Spielen unter Beobachtung“ eingeführt.

  • Antrag 14:

    Die Richtlinien zur Spielordnung (SpOL) zum Ticketkontingent sollen ergänzt werden. So stehen dem Gastverein weiterhin zehn Prozent der jeweiligen Stadionkapazität zur Verfügung - „vorbehaltlich einer anderslautenden rechtskräftigen Entscheidung eines DFB-Rechtsorgans oder einer anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko“.

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