06.01.13

Weltfußballer-Wahl 2012

Messi wieder Favorit – Langeweile durch Wahlmodus

Argentinischer Rekordtorschütze könnte bei Fifa-Kür vierten Titel in Serie holten. Für Ronaldo wäre das die nächste bittere Pille.

Von Arne Richter
Foto: dapd
Lionel Messi
Barcelonas Superstar Lionel Messi mit dem Ballon d'Or: Der Argentinier erzielte im Jahr 2012 imposante 91 Tore

Berlin/Zürich. Cristiano Ronaldo würde in seinem privaten Trophäenschrank so gerne Platz für einen weiteren Pokal schaffen. Fast alles spricht aber dafür, dass der Portugiese bei der Kür zum Weltfußballer des Jahres 2012 am Montag ausgerechnet wieder seinem Superstar-Kontrahenten Lionel Messi den Vortritt lassen muss – trotz einer bislang einzigartigen Werbekampagne in eigener Sache.

Die geheime Stimmenauszählung in den heiligen Fifa-Hallen war im Spätherbst schon vor dem imposanten Torrekord mit 91 Jahrestreffern des Argentiniers beendet, unabhängig dieser Meriten ist Messi der Favorit auf seinen vierten Weltfußballer-Titel in Serie. "Mir tun die Konkurrenten um seinen Thron leid – es ist unmöglich. Dieser Junge ist einzigartig", sagte sein Ex-Coach beim FC Barcelona, Josep Guardiola. "Ich weiß nicht, was passieren wird, aber ich würde in meinem Haus schon einen Ort für die Trophäe finden", sagte Messi.

Andrés Iniesta – dem dritten verbliebenen Final-Kandidaten bei der Gala im Kongresshaus von Zürich (19.00 Uhr/Sky Sports News HD) - werden nur geringe Außenseiterchancen eingeräumt. Barcelonas Ball-Virtuose ist der einzige des Trios, der als Europameister vergangenes Jahr einen internationalen Titel vorweisen kann – doch das zählt bei der Fifa-Wahl nicht primär.

Ende August wurde Iniesta von einer Journalisten-Jury der Uefa zu Europas Fußballer des Jahres gekürt, was beim siegessicheren Ronaldo auf der Bühne in Monaco sichtbar für Verstimmung sorgte. Wenig später klagte er über zu wenig Liebesbekundungen bei Real Madrid und rührte im Duett mit seinem Trainer José Mourinho für sich die Werbetrommel für den Ballon d'Or – voraussichtlich vergeblich. "Ich wünsche mir sehr, den Ballon d'Or zu gewinnen. Aber das Leben ist nicht vorbei, wenn ich es nicht schaffe", sagte Ronaldo nun fast resignierend.

Im Experten-Tipp von "France Football" votierten unter anderen Kevin Keegan, Marco van Basten, Matthias Sammer, Karl Heinz Rummenigge und Andrej Schewtschenko für Messi. Ronaldo sehen Kaka, Franz Beckenbauer und Gianni Rivera vorn.

An der Genialität der beiden Offensivkünstler gibt es keinen Zweifel – Messi war schon vor seinen 91 Toren sakrosankt. Ronaldos Status nährt sich auch durch die geschickte Vermarktungsstrategie. Und dennoch führt die andauernde Dominanz von Messi und Ronaldo zu ein wenig Langeweile beim Rennen um den Goldenen Ball – ermöglicht durch den Wahlmodus.

Messi ist seit 2007 jedes Jahr bei der Finalshow am Zürichsee geladen, als Kaka letztmals das Superduo stoppen konnte. 2008-Sieger Ronaldo fehlte seither nur 2010. Schmückendes Beiwerk sind stets wechselweise Mitglieder der spanischen Titeljäger von Fernando Torres, über Xavi bis zu Iniesta.

Widerstand an der nun zum dritten Mal vom Weltverband und der französischen Zeitung "France Football" ausgerichteten Wahl regt sich vor allem in Brasilien. Eurozentrismus lautet der Vorwurf aus Südamerika. Auf anderen Kontinenten tätige Spieler – wie Brasiliens Neymar – hätten nie die Chance überhaupt in die Endausscheidung zu gelangen.

Ganz unberechtigt ist die Kritik nicht. Europas Ligen sind in aller Welt im TV zu verfolgen. Nationaltrainer, Kapitäne und Pressevertreter aller Länder haben gleichberechtigtes Stimmrecht. Messis und Ronaldos Heldentaten sind medial auf dem ganzen Globus zu verfolgen.

Ronaldos Club-Trainer Mourinho ist auch ein Gegner der jährlichen Zürich-Show. Da ihm der Titel als bester Trainer der Welt, der er aus purem Selbstverständnis ist, zuletzt verwehrt blieb, boykottiert der Portugiese auch am Montag die Veranstaltung. Offizieller Grund: Die Vorbereitung auf das Pokalspiel am Mittwoch gegen Celta Vigo.

Pressestimmen zu Messis Torrekord

Sport (Spanien/Barcelona): "Rakete Messi übertrifft Torpedo Müller. Leo schreibt weiterhin Geschichte und übertrifft den mythischen Rekord von Gerd Müller."

Marca (Spanien/Madrid): "Messi schreibt weiter Geschichte und lässt Torpedo Müller hinter sich. Er übertrifft den eigentlich unübertrefflichen Rekord Müllers. Das ist ein großer Tag für den spanischen Fußball. Messi ist einfach das Nonplusultra. Ein außerirdischer Rekordfresser, dessen Limit das Jenseits ist."

Independent (England): "Im vergangenen Monat ist Messi zum ersten Mal Vater geworden. Aber seinen Hunger auf Tore scheint dies in keinster Weise gestillt zu haben. Die Diskussion, ob er der beste Spieler aller Zeiten ist, wird aber weitergehen. Und sie wird erst aufhören, wenn Messi auch den WM-Pokal gewinnt."

Daily Mail (England): "Müller war der komplette Mittelstürmer, ein echter Jäger. Messi ist der komplette Stürmer, der auf jeder Position im Sturm spielen kann. Natürlich ist Messi mit seinen magischen Fähigkeiten, seiner explosiven Beschleunigung und seiner Zielgenauigkeit der überlegene Fußballer. Dennoch bleibt Müller auf der ganz großen Bühne (bei Weltmeisterschaften, d. Red.) der Beste."

Corriere dello Sport (Italien): "Ein historischer Messi löscht sogar Gerd Müllers Rekord aus. Vier Tage nachdem er auf der Trage vom Platz getragen wurde, vernichtet er Müllers Bestmarke. Und bis zum Jahresende hat er noch Zeit, weitere Tore zu schießen".

Multimedia
Lionel Messi

Die Karriere des Jahrhundert-Fußballers

Die Weltfußballer des Jahres seit 1991
  • Geschichte des Titels

    Seit 1991 vergibt die Fifa den Titel des Weltfußballers des Jahres. Seit 2010 wird die Auszeichnung als Ballon d'Or bezeichnet und vereint die Ehrungen zu Europas Fußballer des Jahres und zum Weltfußballer. Für den Titel 2012 wurden am Donnerstag in Sao Paulo Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Andrés Iniesta nominiert. Die Entscheidung fällt am 7. Januar 2013 in Zürich.

  • Die Weltfußballer des Jahres

    1991 Lothar Matthäus (Deutschland)

    1992 Marco van Basten (Niederlande)

    1993 Robert Baggio (Italien)

    1994 Romario (Brasilien)

    1995 George Weah (Liberia)

    1996 Ronaldo (Brasilien)

    1997 Ronaldo (Brasilien)

    1998 Zinedine Zidane (Frankreich)

    1999 Rivaldo (Brasilien)

    2000 Zinedine Zidane (Frankreich)

    2001 Luis Figo (Portugal)

    2002 Ronaldo (Brasilien)

    2003 Zinedine Zidane (Frankreich)

    2004 Ronaldinho (Brasilien)

    2005 Ronaldinho (Brasilien)

    2006 Fabio Cannavaro (Italien)

    2007 Kaká (Brasilien)

    2008 Cristiano Ronaldo (Portugal)

    2009 Lionel Messi (Argentinien)

    2010 Lionel Messi (Argentinien)

    2011 Lionel Messi (Argentinien)

    2012 Lionel Messi (Argentinien)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Bildergalerien mehr
Tradition

Hunderte Hamburger beim Osterfeuer

Bundesliga

HSV verliert Heimspiel gegen Wolfsburg

Dänemark

150. Jahrestag der Schlacht an Düppeler Schanzen

Großbrand in Mehrfamilienhaus

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr