24.12.12

Eiskunstlauf

Hamburg gibt seine Visitenkarte ab

Viele freiwillige Helfer machen die Eiskunstlaufmeisterschaften in Hamburg zu einem beeindruckenden Erlebnis für die Zuschauer.

Foto: dpa
Deutsche Meisterschaften im Eiskunstlauf
Deutsche Meisterschaften im Eiskunstlauf in Hamburg

Hamburg. Milan kann es kaum erwarten. "Sind wir jetzt dran?" Seit Stunden wartet der Neunjährige vom Hamburger Eislauf-Verein nun schon auf seinen großen Auftritt, und als er erfährt, dass es noch zwei weitere dauern wird, stöhnt er enttäuscht auf. Extra beim Friseur ist er gewesen, immerhin ist er noch nie vor einem so großen Publikum gelaufen. Wie schon am Freitag sind auch an diesem Sonnabend wieder 600 Zuschauer in die Volksbank-Arena gekommen. Nicht unbedingt, um Milan zu sehen, aber Kinder wie er, die den Großen der Szene die Blumen auflesen oder die Medaillen bringen, gehören bei einer deutschen Eiskunstlaufmeisterschaft einfach dazu.

Ohne engagierte Menschen wie Milan wäre ein solcher Wettbewerb gar nicht durchführbar gewesen. Zumindest nicht in Hamburg, wo vom Know-how der letzten Austragung vor knapp 62 Jahren nicht mehr viel zu zehren war. Mehr als 50 Freiwillige aus den drei Eiskunstlaufvereinen der Stadt hatten den Organisatoren ihre Dienste angeboten. Sie haben maßgeblich dafür gesorgt, dass Hamburg bei der Deutschen Eislauf-Union (DEU) eine ansehnliche Visitenkarte abgeben konnte.

Wenn man sich so umhörte, hat die Veranstaltung ihre erhoffte Nebenwirkung nicht verfehlt: die Stadt nach Jahrzehnten einmal wieder ins Bewusstsein der Eisläufer zu bringen. DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz war beeindruckt vom Aufwand, mit dem die Halle von einer Eishockey- in eine Eiskunstlaufstätte umgerüstet wurde. Eistänzer Alexander Gazsi, der mit seiner Partnerin Nelli Schiganschina zum vierten Mal triumphierte, fand es "sehr gut, dass die deutschen Meisterschaften einmal woanders stattfanden als in Oberstdorf".

Am dortigen Bundesstützpunkt waren die Titelkämpfe zuletzt faktisch sesshaft geworden: Seit 1995 war Oberstdorf mindestens in jedem zweiten Jahr der Austragungsort. Auch Nathalie Weinzierl, die hinter ihrer Mannheimer Trainingspartnerin Sarah Hecken Zweite wurde, war um die Abwechslung ganz froh: "Diese Halle ist schöner und heller. Und die Zuschauer sind schön mitgegangen."

Für die ganz große Stimmung fehlte vielleicht der ganz große Anlass: eine Kür auf höchstem internationalem Niveau oder wenigstens ein einheimischer Starter. Die Paarlaufweltmeister Aljona Savchenko/Robin Szolkowy aus Chemnitz hatten ihren Auftritt auf das Schaulaufen beschränkt, der am späteren Abend noch einmal ein Glanzlicht auf die Veranstaltung warf. Aber, auch das wurde bei der Gelegenheit deutlich: Das deutsche Glamour-Eispaar zieht immer noch einen zu langen Schatten hinter sich her. Nachfolger sind nicht in Sicht.

Weinzierl, 18, ist eine derer, auf die die DEU für die kommenden Jahre hofft. Sie darf Deutschland Ende Januar bei den Europameisterschaften in Zagreb vertreten, weil sie bessere Vorleistungen als Hecken erbracht hatte. Bei der diesjährigen EM in Sheffield wurde sie 22. Ihr Trainer Peter Sczypa, der auch Hecken betreut, sagt: "Sie hat technisch das Potenzial für die Top Ten." Im Training stehe sie bis auf den Axel alle Dreifachsprünge und Kombinationen. Sczypa hat die Schwierigkeiten dennoch dosiert, "um sie nicht ersticken zu lassen". Zumal sich Weinzierl nebenbei aufs Abitur vorbereitet. Diese Doppelbelastung haben Hecken, die zum vierten Mal triumphierte, und Herrensieger Peter Liebers nicht mehr.

Die beiden werden von der Bundeswehr gefördert. Der Berliner Liebers, 24, lief zwar ohne ernsthaften Herausforderer zu seinem vierten Titel, musste sich aber nach einem verweigerten Vierfachtoeloop selbst eingestehen, dass seine Kür für die europäische Hitliste noch nicht reicht: "Ich werde in Zagreb noch eine Schippe drauflegen müssen. Die Sprünge müssen noch besser werden." Ein Versprechen für die fernere Zukunft sind die neuen Paarlaufmeister Annabelle Prölß/Ruben Blommaert aus Oberstdorf. Prölß, 14, hat das Mindestalter für eine EM-Teilnahme noch nicht erreicht.

Vielleicht gibt es mit ihnen ja ein Wiedersehen in Hamburg. Initiatorin Irmelin Brigitta Otten vom Hamburger Verband sieht sich ermutigt, eine Bewerbung um ein internationales Großereignis voranzutreiben. Mäzen Alexander Otto stellte bereits seine erneute Unterstützung in Aussicht: "Meine Sportstiftung hilft gern, ein solches Event in Hamburg möglich zu machen."

So gesehen muss man Hamburg wohl in die Siegerliste aufnehmen.

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