21.12.12

Ex-Bundesliga-Profi

Inhaftierter Breno unterschreibt beim FC Sao Paulo

Mit dem neuen Arbeitsverhältnis in der Hand hofft der ehemalige Verteidiger von Bayern München auf ein vorzeitiges Ende seiner Haftstrafe.

Von Oliver Mucha
Foto: dapd/DAPD
Der wegen schwerer Brandstiftung verurteilte Breno wechselt nach seiner Freilassung zum FC Sao Paulo wechseln
Der wegen schwerer Brandstiftung verurteilte Breno wechselt nach seiner Freilassung zum FC Sao Paulo wechseln

Köln. Seit knapp 15 Monaten sitzt Breno in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft. Der Traum von einer großen Karriere ist für den brasilianischen Fußball-Profi seit der verhängnisvollen Nacht auf den 20. September 2011 in weite Ferne gerückt. Damals zündete der 23-Jährige in alkoholisiertem Zustand seine Mietvilla in Grünwald an. Drei Jahre und neun Monate Haft lautete das im Juli getroffene Urteil gegen den damaligen Profi des deutschen Rekordmeisters Bayern München. Kurz vor Weihnachten gibt es für Breno aber einen Hoffnungsschimmer: Der FC Sao Paulo hat ihm trotz Haftstrafe einen Vertrag angeboten. Das könnte eine Chance für den Innenverteidiger sein, vielleicht seine letzte im Profi-Fußball.

Der Vertrag mit Breno soll laut Vereinsangaben bis zum 7. Oktober 2015 geschlossen werden und wurde beim brasilianischen Verband CBF bereits registriert. Der Sieger der Copa Sudamericana will seinem ehemaligen Spieler und dessen Familie mit dem Kontrakt "Sicherheit, Stabilität und vor allem Perspektive" geben. Der Vertrag tritt aber erst bei einer Freilassung Brenos in Kraft. Mit dem neuen Arbeitsverhältnis in der Hand hofft der Brasilianer auf ein vorzeitiges Ende seiner Haftstrafe.

Laut Brenos Anwalt Steffen Ufer wurde aber noch kein Vertrag unterschrieben. "Er hat nichts unterschrieben und weiß auch, dass das Unsinn und kontraproduktiv wäre in jeder Hinsicht", sagte Ufer dem Münchner Merkur. Breno habe lediglich ein Angebot von Sao Paulo erhalten - aber das werde er erst annehmen, "wenn in Deutschland alles erledigt ist".

Brenos Anwälte hatten nach der Urteilsverkündung Revision eingelegt. Dieser Antrag liegt derzeit beim Bundesgerichtshof, eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Der Vertrag mit Sao Paulo "hat auf die Revisionsentscheidung keinen Einfluss", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München I. Bei dem Revisionsantrag geht es um mögliche Verfahrensfehler. "Wir hoffen auf eine baldige positive Entscheidung, da die Münchner Gerichte Breno entgegen der allgemein üblichen Rechtspraxis eingesperrt haben", sagte Ufer.

Der in Cruzeiro geborene Breno muss sich also weiter in Geduld üben. Sao Paulo werde nach eigenen Angaben die "Situation verfolgen". Man habe "Vertrauen in die deutsche Justiz".

Breno war Anfang 2008 für rund zwölf Millionen Euro von Sao Paulo an die Säbener Straße gewechselt, wo er jedoch auch wegen Verletzungen nie zur erhofften Stammkraft wurde. Daher wurde er 2010 zum Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg ausgeliehen, doch nach wenigen Spielen erlitt er einen Kreuzbandriss.

Nach seiner Rückkehr nach München folgten weitere verletzungsbedingte Rückschläge und Operationen. Vor der folgenschweren Nacht erfuhr er, dass er erneut am Knie operiert werden muss. Wieder war eine Chance dahin, sportlich Fuß zu fassen.

Ein Gutachter attestierte Breno im Prozessverlauf eine "eindimensionale Persönlichkeit". Anwalt Leitner erklärte, er habe nichts "außer Familie und Fußball". Breno, der das Urteil mit Tränen in den Augen hinnahm, schwieg vor Gericht die meiste Zeit. Erst kurz vor der Urteilsverkündung äußerte er sich, als er sich "für diese Nacht" entschuldigte, vor allem bei seiner Familie und den Kindern, "für die ich kein gutes Vorbild war. Ich bin ein Mensch, der an Gott glaubt, und ich danke ihm, dass er meine Familie geschützt hat."

Das Gericht kannte aber keine Gnade. Er habe eine sehr schwere Schuld, sagte die Vorsitzende Richterin Rosi Datzmann in ihrer Urteilsbegründung. Breno sei zwar kein normaler Delinquent, weil er Hausbesitz in Brasilien, Vermögen und eine Familie habe. Aber er müsse wie ein normaler Delinquent behandelt werden.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß machte sich danach große Sorgen. "Man weiß nicht, ob er in der Zeit die Chance hat zu trainieren, und er hat ein Knie, das nicht besonders gesund ist, da weiß ich nicht, ob er noch mal Fußball spielen kann", sagte Hoeneß.

(sid)
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