09.11.12

Frauen-Nationalmannschaft

Jubiläum der DFB-Frauen: Nichts geht ohne Neid

Deutsche Frauen-Nationalmannschaft spielte vor 30 Jahren erstes Länderspiel. Diese Historie ist auch die Geschichte von Silvia Neid.

Von Von Thomas Nowag, Alexander Sarter
Foto: AFP
Germany v United States
Silvia Neid war schon vor 30 Jahren dabei

Frankfurt/Main (SID) Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft wird am Sonnabend exakt 30 Jahre existieren - und genau 40 Minuten davon kam sie ohne Silvia Neid aus. Dann trat Bundestrainer Gero Bisanz am 10. November 1982 in Koblenz an die Seitenlinie, winkte einmal energisch, und eine unscheinbare 18-Jährige vom SC Klinge Seckach betrat das Feld. 60 Sekunden später erzielte sie im ersten offiziellen Länderspiel der deutschen Frauen das 2:0 beim 5:1 gegen die Schweiz.

Wer Neid heute auf diesen großen Tag anspricht, erlebt eine Bundestrainerin im Zwiespalt. "Meiner erster Ballkontakt war gleich drin. Da habe ich gedacht, das läuft ja prima. Und dann habe ich noch ein Tor gemacht. Ich war damals sehr stolz. In meinem Kinderzimmer zu Hause hängt noch ein Foto von dem Spiel. Und die Medaille habe ich auch noch", sagt Neid - allerdings schwingt auch immer noch Ärger mit. "Viele Männer waren damals nur gekommen, um den Trikottausch nach dem Spiel zu sehen", sagt sie, gefolgt von der Bemerkung: "So ein Schwachsinn!"

Es änderte nichts daran, dass die Premiere ein Erfolg war - und der Grundstein der Karriere Neids. 14 Jahre lang blieb sie Nationalspielerin, wurde 1996 nahtlos Co-Trainerin und übernahm schließlich 2005 die Hauptverantwortung; folgerichtig war sie an allen Titeln und Erfolgen seit der Gründung der Frauen-Nationalmannschaft beteiligt.

Die Frisur war zwar noch ein bisschen wild, damals, 1982, die Spielweise etwas hölzern, aber das Talent war da. "Man hat ihr definitiv angemerkt, dass sie das Zeug zur Führungsspielerin hat", sagt Bisanz, der vom damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger ("Er war ja weisungsbefugt") die Betreuung des Frauenteams aufgetragen bekommen hatte, im Rückblick: "Wer an diesem Tag im Stadion war, hat generell gemerkt, dass auch Frauen guten Fußball spielen können."

5000 immerhin waren gekommen, die laut Bisanz "erst in aller Stille, dann aber doch zustimmend" das Spiel verfolgten. So "mittleres Wetter" sei gewesen, sagt der frühere Bundestrainer, der sich besonders gerne an eine Kolumne in der Bild-Zeitung erinnert. "Selbst Max Merkel, scharfer Kritiker des Frauenfußballs, war beeindruckt. Er hat geschrieben, unsere Rechtsaußen spiele genau wie Pierre Littbarski!"

Das war nicht Neid, sondern Birgit Bormann, die aber auch nicht das erste Tor der deutschen Länderspielgeschichte schoss. Es gelang Doris Kresimon in der 25. Minute; "nach einem Solo im Strafraum, eine Erlösung für mich", wie Bisanz sagt.

Bemerkenswert findet Bisanz auch, dass er in 90 Minuten "nicht einen höhnischen Spruch" von den Rängen gehört hat - obwohl aus dem Busenblitzer natürlich nichts wurde. Der Rest war Erleichterung, auch, weil Bisanz lange gar nicht wusste, wie er eine Mannschaft zusammenstellen sollte. Dafür hatte er Anne Trabant, die den Frauenfußball in- und auswendig kannte und die richtigen Spielerinnen aufspürte. Zum Beispiel Neid.

Lediglich mit der Resonanz in der Presse konnte niemand zufrieden sein. "Zeilen- und tröpfchenweise" sei berichtet worden, sagt Bisanz, Jahre später habe er noch mit dem Herausgeber eines Fachmagazins herumdiskutiert, warum es dort keinen Platz für Frauenfußball gebe. Die Antwort: "Das will doch eh keiner lesen!"

Diese Zeiten sind längst vorbei. Schließlich haben die Frauen in den vergangenen 30 Jahren zweimal bei einer WM und siebenmal bei einer EM triumphiert. Dazu kam dreimal Bronze bei Olympia. Auch der DFB hat schnell gemerkt, welches Potenzial in der Frauenabteilung liegt. Nicht umsonst gibt es mittlerweile eine Vizepräsidenten (Hannelore Ratzeburg), ein DFB-Direktorin (Steffi Jones) und eine Nationalmannschafts-Managerin (Doris Fitschen). Sie alle sollen dafür sorgen, dass die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wird.

Die Statistik vom 10. November 1982, Koblenz:

Deutschland - Schweiz 5:1

Die deutsche Aufstellung: Marion Feiden (36. Claudia Reichler) - Gaby Dlugi-Winterberg (52. Christel Klinzmann), Monika Degwitz, Petra Landers, Brigitte Klinz - Rike Koekkoek (41. Silvia Neid), Anne Trabant, Bettina Krug (47. Birgit Offermann), Birgit Bormann - Doris Kresimon, Ingrid Gebauer (47. Petra Bartelmann)

Tore: 1:0 Kresimon (25.), 2:0 Gebauer (41.), 3:0 Neid (42.), 4:0 Bormann, (46.), 4:1 Willi (56.), 5:1 Neid (68.).

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