28.07.12

Kleine Fluchten

Kreativer Farbfleck im Mecklenburger Land

Auf Gut Gremmelin bei Güstrow entstand ein bunter Kosmos. Im Umland warten Kunst und Kultur – aber auch die beliebten Wolfsnächte.

Von Dolores Kummer
Foto: PR
Farbige Milchkuh-Skulpturen und ein Holzkunstwerk empfangen die Gäste
Farbige Milchkuh-Skulpturen und ein Holzkunstwerk empfangen die Gäste

"Nie werde ich vergessen, wie wir hier auf den Hof kamen", erzählt die junge Gutsbesitzerin Claudia Schaffhausen, "es war Spätherbst 1994, und die Sonne stand schon etwas tiefer. Unter einer großen Linde saß eine alte Frau im letzten Licht der Sonnenstrahlen und putzte Pilze. Das war die Oma Käthe. Das war so ein schönes, friedliches Bild, da war meine Entscheidung für Gremmelin schon gefallen. Ich war ja damals erst 20, aber man kann sagen, es war Liebe auf den ersten Blick."

Gut Gremmelin ist ein farbenfrohes, frisches Haus, zwölf Kilometer von der Barlach-Stadt Güstrow entfernt. Ein Farbenklecks mit Seele. Der Weg zum Gut ist malerisch, links eine saftige Koppel mit Kühen, dahinter das Dörfchen Reinshagen mit seinem Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert. Hier könnte die Welt zu Ende sein, doch die Straße geht noch ein Stückchen weiter. Vorm Gutshaus steht eine riesige Linde.

"Ich bin damals mit meinem Vater und ein paar Freunden durch Mecklenburg gefahren. Wir wollten ein Schloss oder Gutshaus kaufen, gemeinsam leben und arbeiten", sagt die gebürtige Hamburgerin. Claudia Schaffhausen hatte gerade das Abitur gemacht, danach ein bisschen gekellnert. Mit einem eigenen Nutzungskonzept bewarb sie sich bei der Gemeinde und bekam den Zuschlag. Der Vater, Inhaber einer großen Werbeagentur in Hamburg, investierte in die Tochter. Sie und drei Freunde fingen gemeinsam an. Doch schon nach einem Jahr waren zwei der Freunde wieder weg. Der drei Hektar große Park war verwildert, es gab kaum ordentlichen Strom, keine Heizung und kein Telefon. "Es hat Jahre gedauert, bis das ganze Dorf Telefon hatte. Ehrlich gesagt, ich habe manchmal nachts geheult", sagt Claudia Schaffhausen, "andererseits bin ich auch mit den Schwierigkeiten gewachsen, es hat mich gestärkt und mir auch unglaublichen Spaß gemacht."

+++Erholung: Ein Hauch Uruguay mitten in Mecklenburg+++

Zwischendurch fuhr sie noch wochenweise nach Berlin, studierte Marketing und Kommunikation. Heute ist die 37-Jährige Gutsherrin, Hausherrin, Gastgeberin und Gut Gremmelin ein mehrfach ausgezeichnetes Bio-Hotel.

"Am Anfang bin ich jeden Morgen um sechs ins Dorf gefahren, habe Brötchen geholt, Frühstück und Betten, alles selbst gemacht", erzählt sie "jetzt habe ich 22 Angestellte. Wir sind immer professioneller geworden."

Das Haus hat 30 Zimmer, die recht bunt gestaltet sind: blauer Teppich, apfelgrüne Wände, gelbe, weiße oder rote Sessel. Claudia Schaffhausen liebt modernes Design, knallige Farben, besonders Dunkelblau. Immer wieder stellen Künstler in ihrem Haus aus, gibt es Workshops und Begegnungen. Besonders mag sie Wilfried Duwentester aus Görzhausen. Seine riesigen Holzskulpturen markieren die Eingangshalle des Hotels. Zu seinem Atelier in der Teterower Schweiz ist es nicht weit, und viele ihrer Gäste waren schon dort.

+++Bunte Möbel heben die Stimmung+++

Das Anwesen mit seinem weitläufigen Park, mit dem Badesee vorm Haus, mit Bibliothek und Weingewölbe wird immer beliebter für Kurzurlauber. Lohnend ist eine Radtour in die zwölf Kilometer entfernte Barlach-Stadt Güstrow, hier kann man das Güstrower Schloss besichtigen, den schwebenden Barlach-Engel im Dom oder die Holzplastiken in der Gertrudenkapelle und im Atelierhaus. Güstrow ist auch bekannt für seinen Natur- und Umweltpark, vor allem für die Wolfzucht und den Unterwassertunnel, der die heimische Seenwelt in der Tiefe zeigt. In diesem Sommer lockt der Tierpark wieder mit beliebten Wolfsnächten. Bei den karibischen Sommernächten im Güstrower Schlosspark erwarten den Gast heiße Rhythmen und eiskalte Cocktails.

Aber auch im Gutshaus Gremmelin sind die Sommernächte voller Musik und Genuss. Ein besonderes Highlight ist das Bio-Gourmet-Restaurant Landlieb. Es ist das Reich von Christian Porath. Der junge Chefkoch legt großen Wert auf regionale und saisonale Produkte. Rote-Bete-Sorbet, dazu "Himmel und Erde", Heubraten vom Schwein mit Spitzkohl oder Kürbisparfait mit Backpflaumen und Bratäpfeln, das sind nur einige Gerichte, die hier in 100-prozentiger Bioqualität auf der Karte stehen.

Claudia Schaffhausen hat gern interessante Menschen um sich. Manchmal vermisst sie die Großstadt, dann fährt sie raus, hat es nicht weit nach Hamburg oder Berlin. Doch noch lieber veranstaltet sie selbst Kunst-Events, Salsa- und Kochwochenenden. Hier ist ein kreativer Kosmos entstanden, ein Farbfleck in schöner Landschaft.

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