24.03.12

Kleine Fluchten

Zu Gast in den Galerien einer Malerin

Kleine Fluchten: Der Kunstsalon in Bremens Hafenviertel Walle bietet Apartments für die Nacht sowie Möbel und Bilder zum Verkauf.

Von Michael Pasdzior
Foto: Michael Pasdzior
Kunstsalon
In den Räumen hat "jeder Stuhl seine eigene Geschichte"

Bremen. Petra Heitkötter ist in Bremen keine Unbekannte. Ihre Werke wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gewürdigt. Schon immer war es ihr ein besonderes Anliegen, durch die Kunst in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen. Dazu gründete sie den "Kunstsalon". Und um ihre Kunst ständig präsentieren zu können, wurde sie Vermieterin. Heute sind ihre Apartments vor allem bei kunstinteressierten Gästen gefragt.

Nachdem sie eine Kunstlehrerausbildung absolviert hatte, widmete Heitkötter sich der freischaffenden Kunst. Gleichzeitig begann sie, in ihrer Wohnung die Zimmer zu möblieren und an Freunde zu vermieten. Daraus wuchs der Wunsch, das Beherbergen professionell zu betreiben. Da aber im Ostertorviertel, in dem sie damals wohnte, die Preise zu hoch waren, sah sie sich nach einer Alternative um und fand ein preisgünstiges Jugendstilhaus im Stadtteil Walle. "Wenn du innen so schön bist wie außen, kaufe ich dich", war ihr spontaner Gedanke.

Altes und Neues in Kombination – die Möbel sind kunstvoll aufgearbeitet

Fünfeinhalb Jahre ist das her. Obwohl das Haus gut "in Schuss" war, musste einiges instand gesetzt werden. "Aber dank meiner super Handwerker-Crew haben die Arbeiten nur ein Vierteljahr in Anspruch genommen", sagt sie zufrieden. Jedes Apartment wurde in einer anderen Stilrichtung gestaltet.

Angesichts der stärker werdenden Nachfrage sind ihre Unterkunftsmöglichkeiten mittlerweile gewachsen. Die nunmehr sechs Apartments sind auf vier Häuser in drei Straßen im Hafenviertel verteilt. Gekonnt kombiniert die Künstlerin Altes und Neues miteinander, viele Möbelstücke erwirbt sie beim Trödel, Sperrmüll sowie auf Flohmärkten und arbeitet sie auf. Dadurch werden sie in eine kunstvolle Form gebracht. So arbeitet sie besonders gern an alten Stühlen, die die Zimmer verschönern und bereichern. "Jeder der Stühle hat seine eigene Geschichte, die ich entdecken will", sagt sie. Sie verziert die ausgedienten Sitzmöbel bevorzugt mit goldener Farbe und Blattmetallen. "Wichtig ist natürlich, dass die Möbel zu meinen Bildern passen müssen", erklärt sie. Es entsteht ein ganz besonderes Wohnambiente, das sich deutlich vom Einerlei der standardisierten Hotels abhebt. Die persönliche Atmosphäre trägt zum Wohlbefinden der Gäste bei, die sogar häufig Heitkötters Bilder oder die bearbeiteten Möbel erwerben. So sind die Wohnungen gleichzeitig Galerien.

Die sympathische und kommunikative Künstlerin ist extravagant gekleidet. Ihre blonden, lockigen Haare werden von einem Tuch gebändigt, ihre Brille ist rot. Sie trägt eine helle Zimmermann-Cordhose, eine Bluse mit Einschnitten an den Ärmeln und auffälligen Halsschmuck.

Heitkötters künstlerische Vorbilder sind William Turner, Paul Klee und Gerhard Richter. Seit Kurzem hat sie ein Atelier im Hafengebiet angemietet. Ein intensiver Ausdruck von Bewegung, Kraft und Schwingung ist das zentrale Thema ihrer abstrakten Malerei mit interessanten und abwechslungsreichen Bildkompositionen. Wer Lust hat, kann gern einen Termin für einen Besuch im Atelier vereinbaren. In den Apartments verköstigt man sich morgens ganz individuell, fertiges Frühstück wird nicht gereicht. Dafür ist der Kühlschrank mit allem gefüllt, was an Aufschnitt benötigt wird. Brot und Obst sowie Kaffee und Tee sind selbstverständlich auch vorhanden. Man kann sich wie zu Hause alles nach eigenem Geschmack zubereiten - selbst ist der Gast.

Zu empfehlen ist ein Spaziergang durch das alte Hafenarbeiterviertel Walle, das in den 1970er-Jahren stark verfiel und erst in den vergangenen Jahren einen neuen Aufschwung erlebte. Anfangs hatte Petra Heitkötter ihre Schwierigkeiten mit der Umstellung vom schnieken Ostertorviertel auf diese Gegend. "Für mich war es, als ob ich in eine andere Stadt ziehe, aber ich fühlte mich schnell wohl, denn die Menschen hier sind offener und neugieriger, eben typisch für eine Hafenstadt", stellt sie rückblickend fest. Mittlerweile findet in diesem Stadtteil Bremens der große Wandel statt: Walle ist auf dem Weg zum neuen Szeneviertel. Viele junge Menschen und innovative Unternehmen zieht es hierher, denn die Mieten sind noch bezahlbar. Eine angesiedelte Kunstschule belebt das Quartier zusätzlich. Es gibt eine Handvoll gute Restaurants wie die Feuerwache, das Port und das beliebte El Mundo mit ausgezeichneter Küche und großen Portionen, auch zum Mitnehmen.

Genau wie das kleine Original von Petra Heitkötter, das jeder Gast bei der Abreise als aufmerksame Geste geschenkt bekommt.

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