10.01.13

Kleine Fluchten

Historische Bibliothek und ein Teehaus im Park

Schloss Steinhöfel in Brandenburg inspirierte schon einen Preußenkönig. Jetzt ist es ein Hotel, eingerichtet in elegantem Landhausstil.

Von Katja Gartz
Foto: pa/ZB
Schloss Steinhöfel
Aus dem gut erhaltenen Haus wurde ein luxuriöses Hotel

Frank John führt Besucher durch den Park und bleibt abrupt an einem Wasserlauf stehen. "Schauen Sie sich diesen Blick an, hier lässt sich jedes Hochzeitspaar fotografieren", sagt er. Die Besucher zücken sofort ihre Kameras, um die traumhafte Kulisse festzuhalten. Schloss Steinhöfel, umrahmt von alten Eichen und Buchen, spiegelt sich wie gemalt im Wasser. An dieser Stelle hält John immer wieder gerneinne, denn es ist eine der schönsten Aussichten der prächtigen Anlage.

Wer das Dorf Steinhöfel hinter sich lässt, dem weisen zwei Sphinxe, auf deren Rücken laternentragende Putten sitzen, an den Seiten der Schlosseinfahrt den Weg. Geschaffen wurden sie 1792 als Sandsteinkopien nach den Originalen von Conrad Nicolas Boy auf der ehemaligen Herkulesbrücke in Berlin. Hinter der Einfahrt erhebt sich das sandsteinfarbene Schloss Steinhöfel. Auf der Wiese davor schmückt eine Wasserfontäne das klassizistische Anwesen. Hinter dem Schloss erstreckt sich der mehr als 40 Hektar große Park mit Wasserläufen, mehreren Brücken, einem Teehaus und einem kleineren Nebengebäude mit Pergola und Balustrade, der früheren Bibliothek. Dort können sich heute Paare die Eheringe überreichen. "Was für ein schöner Ort", schwärmt Besucherin Marianne Wagner. Kaum angekommen, hat sie den Alltag schon vergessen. Sie genießt die üppige Natur und freut sich auf ein Wochenende auf diesem herrschaftlichen Anwesen.

Vor rund zehn Jahren pachtete Frank John mit seiner Frau Evelyn das Schloss, um es als Hotel zu führen. Inhaber des denkmalgeschützten Anwesens ist die Brandenburgische Schlösser GmbH. "Dieses Haus ist einzigartig, 90 Prozent sind noch im Originalzustand", berichtet der Hotelier, der seine Gäste nach der Parkführung zur Terrasse begleitet. Diese wurde als Einzige neu gebaut. Das Herz der Johns schlägt schon lange für alte Häuser und Möbel. Sie führten ein Einrichtungsgeschäft mit vielen Antiquitäten, fuhren regelmäßig auf Messen nach Paris und richteten vor etwa 16 Jahren Schloss Reichenow in Brandenburg ein. "Das hat uns viel Spaß gemacht, das wollten wir weiter ausbauen", sagt Evelyn John. Sie sahen sich viele Schlösser an, fanden schließlich Steinhöfel. Als nach einer neuen Nutzung für das historische Gebäude gesucht wurde, wusste ihr Mann als gelernter Gastronom sofort: ein wunderbarer Ort für ein privat geführtes Hotel.

Schloss Steinhöfel wurde von dem Baumeister David Friedrich Gilly Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und zählt zu den frühen herausragenden Bauten des Berliner Klassizismus der Vor-Schinkel-Zeit. Nicht weniger bedeutsam ist der Park, der zu den frühesten englischen Landschaftsgärten der Mark Brandenburg zählt. Das ehemalige Herrenhaus gehörte der Familie von Massow, die einem alten pommerschen Adelsgeschlecht entstammte. Das Anwesen diente dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin Königin Luise als Vorbild für ihren königlichen Sommersitz in Paretz. Um 1880 wurde das Haus von den Nachfahren der Familie von Massow zum Schloss umgebaut. Der letzte von Massow verkaufte Schloss und Gut Steinhöfel 1931 an einen Landwirt, der nach Kriegsende 1945 und der Bodenreform vertrieben und enteignet wurde. Anschließend ging das Anwesen in Volkseigentum über und wurde zu DDR-Zeiten als Wohnhaus, Kindergarten und Konsum genutzt. "Das Haus ist einigermaßen gut erhalten, weil es immer bewohnt war", sagt John, dem wichtig ist, Altes für die Nachwelt zu bewahren.

Die Johns richteten das Schloss in elegantem Landhausstil ein, dabei ist nichts überladen, sondern stets jedes Detail aufeinander abgestimmt. In den 30 Zimmern kombinierten sie Altes und Neues, beispielsweise Biedermeierschränke und -kommoden mit modernen Designerstücken.

Die Küche ist regional und international, besonders beliebt ist die Kreation des Hausherrn: Zanderfilet auf Weintrauben und Senfsoße. Aber auch Klassiker wie Kalbsfilet mit Kräuterkruste und hausgemachte Tagliatelle mit Trüffel werden gerne bestellt.

Wer bei schönem Wetter das knapp eine Stunde südlich von Berlin entfernte Schloss besucht, kann nach ausgedehntem Spaziergang im Park ein Picknick im Grünen genießen. Die Schlossgeister bestücken den Picknickwagen mit Kaffee, Wein und vielen Leckereien. Sommerfeste, Open-Air-Opern sowie ein exklusives Silvesterprogramm machen Steinhöfel zusätzlich zum beliebten Ausflugsort.

Wenn Frank John seine Gäste durch den Park führt, gibt es alle paar Meter etwas zu entdecken: Schmuckelemente, überraschende Sichtachsen, ungewöhnlich alte Platanen und eine rund 300 Jahre alte Eiche. "Der Stamm ist so mächtig, dass sich sechs Personen an den Händen nehmen müssen, um ihn einmal zu umfassen", sagt Frank John. Für ihn gibt es keinen schöneren Park als den in Steinhöfel.

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