Stormarn
29.12.12

Smartphone-Technik

Kommunen planen eine App fürs Amt

Bürger können bald per Smartphone defekte Ampeln oder Schlaglöcher melden. Bargteheide will als erste Stadt in Stormarn damit starten.

Von Ralph Klingel-Domdey
Foto: Andreas Burgmayer
HalloHier! Norfderstedt
Axel Janssen von der Firma Axcentro präsentiert die "HalloHier!"-Applikation

Bargteheide/Glinde/Trittau. Glassplitter auf Radwegen, überquellende Mülleimer, Schlaglöcher in der Fahrbahn oder ein schlechter Winterdienst - immer wieder ärgern sich Bürger über solche Missstände. Viele scheuen jedoch den Aufwand, die Verwaltung telefonisch, schriftlich oder per E-Mail zu informieren. Abhilfe könnte eine Anwendungssoftware für Mobiltelefone, eine sogenannte App, schaffen. In 49 deutschen Städten wird diese technische Innovation bereits angewandt, die die Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltungen optimieren soll. Ab 15. Januar gibt es die App in Norderstedt. Bargteheide ist die erste Stadt in Stormarn, die mit den Vorbereitungen für diese Neuerung begonnen hat.

Bürgermeister Henning Götz sagt: "Diese App wäre eine echte Win-Win-Situation. Ohne zusätzliches Personal gäbe es einen hohen Nutzen - eine interessante Innovation. Wir verhandeln bereits mit einer Firma darüber." Auch die Stadt Glinde sowie die Gemeinden Ammersbek und Großhansdorf erwägen eine eigene App. Verhalten reagiert dagegen die Ahrensburger Verwaltung, eine Absage erteilt die Kreisstadt Bad Oldesloe.

IT-Spezialisten der Hamburger Firma Axcentro haben das virtuelle Angebot entwickelt. "HalloHier!" heißt das Dienstprogramm, das sich jeder Norderstedter in Kürze gratis auf sein Smartphone laden kann. Entdeckt beispielsweise eine junge Mutter auf einem Spielplatz einen Defekt an einem Spielgerät, kann sie diesen mit ein paar Klicks binnen Sekunden an das zuständige Amt melden. Bei Bedarf kann sie sogar auch ein Foto mitschicken. Solche Hinweise sowie sämtliche Anfragen werden in einem sogenannten "Verwaltungscockpit" im Internet aufgelistet. Axcentro erstellt der Stadt eine Übersichtskarte, in der alle Vorgänge angezeigt, der Bearbeitungsstatus erkennbar gemacht werden kann - "rot" steht für unbearbeitet, "grün" für erledigt.

Das Programm fungiert als Schnittstelle zwischen Bürger und Verwaltung

Axel Janssen, 48, ist der zuständige Projektleiter der Hamburger Firma, mit der auch die Stadt Bargteheide verhandelt. Er sagt: "Diese App erleichtert das Arbeiten der Verwaltung erheblich - ohne zusätzliches Personal. "HalloHier!" sei eine optimale Schnittstelle zwischen Bürger und Verwaltung, bei der sämtliche Anfragen gebündelt werden. Janssen: "Die Bürger wollen wahrgenommen werden, möchten wissen, ob die Verwaltung das Problem erkennt und bearbeitet. Die Verwaltung hingegen könne schnell Rückmeldung geben und sich als guter Dienstleister und Problemlöser beweisen."

Das sieht Bargtheides Bürgermeister genauso. Er sagt: "Niemand muss sich mehr zu Hause an den Computer setzen oder telefonieren und sich lange durchfragen. Es wäre ein niedrigschwelliges Angebot der Stadt an alle Bürgerinnen und Bürger." Ammersbeks Verwaltungschef Horst Ansén stimmt zu: "Eine prima Idee. Wir prüfen das. Dabei stehen Wirtschaftlichkeit und Effzienz besonders im Fokus. Es ist auf jeden Fall gut, wenn die Bürger möglichst viele Eingangstüren in ihre Verwaltung haben." Bedenken äußern hingegen die Verwaltungschefs von Bad Oldesloe und Ahrensburg. Tassilo von Bary vermeldet knapp: "Eine zeitnahe Umsetzung scheitert zurzeit am fehlenden Personal." Und Michael Sarach sagt: "Wir rennen nicht jedem Trend hinterher, sind aber nicht grundsätzlich dagegen", so der Ahrensbürger Bürgermeister. "Wenn Bargteheide gute Erfahrungen macht, widmen wir uns dem Thema näher." Ihm sei wichtig zu klären, welche Kosten der Stadt und den Nutzern entstünden.

Axel Janssen gibt Aufschluss. Pforzheim beispielsweise, eine Stadt mit rund 120 000 Einwohnern, habe etwa 6000 Euro in die eigene App investiert. Inklusive Software-Entwicklung, die auf die individuellen Wünsche der Verwaltung zugeschnitten sei, sowie zwei Tage für das Einrichten und "Training on the Job". Hinzu kämen 99 Euro im Monat pro Lizenz zum Bearbeiten von Anfragen durch einen Mitarbeiter der Verwaltung im sogenannten Cockpit im Internet.

Wegen der Kosten hat Norderstedt eine "abgespeckte" Variante gewählt

Diese regelmäßigen Kosten waren es, die die Stadt Norderstedt dazu bewegt haben, Abstand von der ursprünglichen Planung zu nehmen. Denn geht es um kostenpflichtige Dienstleistungen, muss die Stadt - wie bei anderen Aufträgen auch - den Markt prüfen und darf sich nicht auf einen Anbieter festlegen. Deswegen wurde eine "abgespeckte" Variante entwickelt. Axcentro wird nun die Anfragen und Mitteilungen der Bürger über die üblichen Meldewege in die Fachämter kanalisieren.

Dennoch sind die Norderstedter weiterhin begeistert von der Grundidee. Betriebsamtschef Martin Sandhof sagt: "77.000 Augen in der Stadt sehen mehr als nur die Augen der Betriebsamtsmitarbeiter. Die App wäre ein spannender Weg, den Leuten zu zeigen, wie super wir sind."

Wie steht Trittaus Bürgermeister zu dieser technischen Innovation? "Zweifellos ist so etwas die Zukunft. Wir versuchen aber gerade, unseren Internet-Auftritt zu verbessern. Wir werden darauf achten, dass die neue Homepage vernünftig auf den Smartphones abgebildet werden kann", sagt Walter Nussel. Michael Sarach sieht einen weiteren Kritikpunkt bei der App fürs Amt: "Ahrensburg hat einen hohen Anteil älterer Mitbürger, wie viele davon haben ein Smartphone?" Glindes Bürgermeister hingegen kann sich grundsätzlich für diese Idee begeistern: "Die App ist nicht nur zum Melden von Missständen interessant, sondern auch für die Bereiche Kultur, Volkshochschule, etc.", sagt Rainhard Zug. Zwar sehe er die kostenpflichtige Erstellung und Nutzung über Monatspauschalen kritisch, er befürworte eine "Marktsondierung, um günstige Angebote oder kostenlose Softwarelösungen zu finden." Spätestens ab Sommer 2013 werde sich Glinde intensiv mit dem Thema beschäftigen. Die Waldgemeinde Großhansdorf geht das Thema deutlich gelassener an. Bürgermeister Janhinnerk Voß: "Hochinteressante Idee. Wir haben uns bisher damit noch nicht beschäftigt. Aber in vier oder fünf Jahren werden wir das wohl tun müssen."

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