30.12.12

Seehundstation Friedrichskoog

Rekord: 174 Seehundbabys vorm Hungertod gerettet

Die Seehundstation im Kreis Dithmarschen nahm 2012 so viele Heuler auf wie noch nie. Einziger Wermutstropfen: Besucherzahlen sinken.

Foto: dpa
Seehundaufzuchtstation Friedrichskoog
Die Seehundstation Friedrichskoog päppelte 2012 mehr Seehundbabys auf als je zuvor

Friedrichskoog. Ganze 174 verlassene Seehundbabys haben die Mitarbeiter der Seehundstation Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen im Jahr 2012 aufgenommen und so vorm Verhungern gerettet. "Das ist neuer Rekord", sagte Tanja Rosenberger, Leiterin der Seehundstation.

Einziger Wermutstropfen sei die gesunkene Besucherzahl: 2012 wurden nur 130 000 Besucher gezählt und damit rund 17 000 weniger als in den vergangenen Jahren.

Zurzeit sind in der Seehundstation bereits die ersten verwaisten Kegelrobbenheuler des Winters 2012/2013 zu sehen. Kegelrobben werden mitten im Winter geboren. "Die Geburtenzeit dauert noch bis Ende Januar", sagte Rosenberger.

Die Seehundstation Friedrichskoog ist nach einem internationalen Abkommen die einzige berechtigte Aufnahmestelle für Heuler in Schleswig-Holstein. Hier werden die kulleräugigen Tierbabys aus Nord- und Ostsee vor dem Hungertod gerettet. Dafür kommen sie zunächst zwei Tage lang in ein Quarantänebecken, bevor sie in ein normales Aufzuchtbecken umziehen dürfen.

Sieben Aufzuchtbecken standen für die Heuler bislang zur Verfügung, im kommenden Jahr werden es elf sein. Die neuen Becken sollen im Frühjahr bezugsfertig sein, hofft Rosenberger. "Damit sind wir gut gerüstet, einen hohen qualitativen Aufzuchtstandard leisten zu können."

In Friedrichskoog werden die Jungtiere in der ersten Zeit in Gruppen gehalten. "In dieser Zeit suchen sie noch den Kontakt zu ihren Artgenossen", erklärte Rosenberger. Die Heuler drängen sich dann selbst auf großen Liegeflächen eng aneinander. "Auch in der freien Natur werden Seehundbabys erst zum Einzelgänger, wenn sie abgestillt sind", sagte Rosenberger. Das könne man auch in der Station beobachten: "Im Auswilderungsbecken halten sie Abstand zueinander und klatschen mit den Flossen, wenn jemand ihnen zu nahe kommmt: Sie zeigen das normale Sozialverhalten." mehreren

Abgetrennt von den Heulern beherbergt die Station auch Dauergäste. Derzeit lebt in Friedrichskoog neben Seehunden auch die zweite heimische Robbenarte: Die Kegelrobbe. Sie kann bis zu drei Meter lang und 320 Kilogramm schwer werden und ist damit Deutschlands größtes Raubtier. In der Station leben zwei Kegelrobben gemeinsam mit fünf Seehunden in einem knapp 800 000 Liter großen Becken.

In der Seehundstation arbeiten fünf feste Mitarbeiter sowie mehrere ehrenamtliche Helfer. Seit 1996 finanziert sie sich ohne staatliche Zuschüsse ausschließlich mit Spenden und dem Verkauf von Eintrittskarten.

(dpa/abendblatt.de)
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