Amtsgericht Kiel Missbrauchsprozess gegen Olympia-Schwimmtrainer geplatzt

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Das Verfahren muss jetzt neu aufgerollt werden. Der Olympia-Schwimmtrainer soll sich an einer Schutzbefohlenen vergangen haben.

Kiel. Der Kieler Missbrauchsprozess gegen einen Olympia- Schwimmtrainer ist am Freitag überraschend geplatzt. Das Verfahren muss neu aufgerollt werden. Verteidigerin Annette Marberth-Kubicki sagte vor Journalisten, das Kieler Amtsgericht habe "endlich unserem Beweisantrag stattgegeben, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zur Zeugin einzuholen". Die Anwältin wies darauf hin, dass dieser Antrag bereits vor längerer Zeit gestellt wurde. "Damit muss das Verfahren völlig neu aufgerollt werden." Dem Trainer wird sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll sich von 2004 bis 2006 in 18 Fällen an der jungen Schwimmerin vergangen haben.

Zu einem ersten Übergriff an der damals 16-jährigen Sportlerin soll es während eines Trainings-Urlaubs auf Kreta gekommen sein. 2009 erstattete die junge Frau Anzeige. Sie ist Nebenklägerin in dem Verfahren und trat auch als Zeugin auf.

Der Prozess hatte im August begonnen – kurz nach Abschluss der Olympischen Spiele in London. Er fand weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur zur Verlesung der Anklage und das Urteil waren Prozessbeobachter zugelassen. Damit sollten die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der Frau geschützt werden.

Das Schöffengericht verhandelte dann an zehn Prozesstagen über den Fall. Nach Angaben eines Gerichtssprechers wurden elf Zeugen vernommen, darunter auch zwei Freundinnen der jungen Frau und ihr Vater.