26.11.12

Urteil des Kieler Landgerichts

Triebtäter setzte Tabletten ab – er muss in Psychiatrie

14 Jahre saß der Mann wegen Vergewaltigungen bereits in Haft. Triebhemmende Mittel setzte er ab und schlug wieder zu.

Von Karen Katzke
Foto: dpa
Die Statue der Justitia (Symbolfoto)
Die Statue der Justitia (Symbolfoto)

Kiel. Wegen versuchter Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung ist ein 51 Jahre alter Sexualstraftäter am Montag zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Kieler Landgericht ordnete für den als hochgefährlich geltenden und mehrfach einschlägig vorbestraften Angeklagten dabei die Unterbringung in der Psychiatrie an. Die Strafkammer folgte mit dem Urteil dem Strafantrag der Staatsanwältin. Die Verteidigung hatte vier Jahre und drei Monate gefordert. Der 51-Jährige hat bereits insgesamt 14 Jahre wegen Vergewaltigungen im Gefängnis gesessen.

Der verheiratete Angeklagte gilt aufgrund einer schweren Persönlichkeitsstörung mit Gewaltfantasien und sadistischen Zügen als eingeschränkt schuldfähig. Doch er habe genau gewusst, was er tat, hatte Staatsanwältin Barbara Gradl-Matusek betont: "Seine Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit war nicht eingeschränkt." Als die Wirkung des triebhemmenden Medikamentes nachließ und sexuelle und Gewaltfantasien wieder einsetzten, plante er demnach das Verbrechen zielgerichtet.

Sein Opfer, eine damals 22-jährige Studentin, köderte der verheiratete Vater zweier Kinder über eine Internet-Anzeige, in der er eine Babysitterin für eine angebliche dreijährige Tochter suchte. Dann kaufte er in einem Sexshop ein, besorgte Handfesseln und ein Tierabwehrspray – dies gilt als Waffe und im Prozess als strafverschärfend.

Das erste Treffen mit der heute schwer traumatisierten Studentin nutzte der Angeklagte, "um zu sehen, ob es sich lohnt, sie zu vergewaltigen", sagte die Staatsanwältin. Beim zweiten Treffen bei der Studentin zu Hause schlug er zu: Hinterrücks fiel er über die junge Frau her, sprühte ihr das Pfefferspray ins Gesicht. Doch sie wehrte sich sofort, schrie laut: "Sie wissen, dass Du da bist." Irritiert ließ er kurz von ihr ab. Dabei gelang ihr, obwohl durch das Spray fast blind, die Flucht aus der Wohnung. Nachbarn eilten herbei. Der Täter floh zu seiner Bewährungshelferin und stellte sich dann der Polizei.

Einen strafbefreienden Rücktritt vom Vergewaltigungsvorsatz, den der Angeklagte und sein Verteidiger geltend machten, sahen weder das Gericht noch die Staatsanwältin. Der Angeklagte habe vielmehr die Aussichtslosigkeit der Situation erkannt: "Wir wissen, dass Gewalt zu den Elementen gehört, die ihn erregen. Er floh erst, als er selbst der Gelackte war", sagte die Staatsanwältin. Auch der Vorsitzende Richter Michael Scheck betonte: "Es gibt keinen Raum für einen strafbefreienden Rücktritt." Der Angeklagte habe die Tat nur wegen der Gegenwehr seines Opfers abgebrochen.

Strafmildernd wertete das Gericht das weitgehende Geständnis des Angeklagten, seine, wenn auch späte Entschuldigung beim Opfer und dass er sich zur Kastration bereiterklärte. Durch die Anordnung einer Therapie habe der 51-Jährige "die Chance, eines sicher nicht naheliegenden Tages freizukommen".

Der Angeklagte selbst, dem ein Gutachter schauspielerisches Talent und die Fähigkeit, andere für sich einzunehmen, bescheinigte, betonte in seinem Schlusswort, er habe bisher noch nie eine fachmännische Psychotherapie bekommen. Er nehme wieder sein Medikament und wisse, "wenn ich jetzt professionelle Hilfe bekomme, kriege ich meine Probleme in den Griff".

Der Verteidiger hatte fehlerhafte Entscheidungen der Behörden kritisiert. Trotz eindringlicher Warnung des Sexualmediziners habe der Angeklagte das Medikament mit richterlicher Zustimmung absetzen dürfen. Dann habe er zwei sozialtherapeutische Termine verstreichen lassen, ohne dass dort reagiert worden sei. Schließlich sagte er seiner Bewährungshelferin einen Tag vor der Tat, dass er seinen Trieb kaum mehr kontrollieren könne. Ein Termin beim Therapeuten wurde aber erst für den nächsten Tag vereinbart. Es war der Tattag.

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