Pinneberg
21.02.13

Pinneberg

Trainingsprojekt - Die Chance für Schulverweigerer

Landesweit einmaliges Trainingsprojekt von Jugendhilfe, Schulamt und Awo wird auf den ganzen Kreis Pinneberg ausgeweitet.

Von Burkhard Fuchs
Foto: Burkhard Fuchs
Schulrat Dirk Janssen (3. v. l.) und Kreis-Jugendamtsleiter Heiko Willmann (r.) stellten mit Sozialarbeitern Staatssekretär Dirk Loßack (Mitte) das Schulprojekt vor
Schulrat Dirk Janssen (3. v. l.) und Kreis-Jugendamtsleiter Heiko Willmann (r.) stellten mit Sozialarbeitern Staatssekretär Dirk Loßack (Mitte) das Schulprojekt vor

Kreis Pinneberg. Dieses bislang einmalige Modellprojekt könnte bald landesweit Schule machen. In Uetersen werden seit vier Jahren schwer erziehbare und verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche in einem kooperativen Schultraining betreut, das das Schulamt, die Jugendhilfe des Kreises, die kommunalen Jugendämter und die Arbeiterwohlfahrt organisieren.

Die Erfolgsquote sei ausgezeichnet, sagt Schulrat Dirk Janssen. 80 Prozent dieser ehemaligen Schulverweigerer - oft auffällige, traumatisierte und seelisch kranke Kinder - konnten nach zehn bis 18 Monaten intensiver außerschulischer Betreuung durch Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Jugendhelfer in eine Regelschule integriert werden. "Ein beeindruckendes, sehr durchdachtes Konzept mit einer beachtlichen Erfolgsquote", lobte Dirk Loßack jetzt bei einem Besuch in Uetersen. "Das hat Modell-Charakter fürs ganze Land", sagte der Staatssekretär aus dem Kieler Bildungsministerium. "Es gibt schon Anfragen von anderen Landkreisen, die dies auch anbieten wollen."

Zunächst aber wird das ungewöhnliche Erfolgsmodell aus Uetersen auf den ganzen Kreis Pinneberg ausgeweitet, kündigt Schulrat Janssen an. Bis 2014 sollen neben Uetersen/Tornesch drei weitere Standorte eingerichtet werden: für die Schulverweigerer in der Region Pinneberg/Quickborn, für den Bereich Elmshorn/Barmstedt und für den Raum Wedel. Je 25 Grundschüler und Schüler weiterführender Schüler, die einen extrem hohen Förderbedarf wegen ihrer sozial-emotionalen gestörten Entwicklung haben, sollen in diesen vier Zentren in Kooperation der Kreisbehörden mit der Awo und dem Verein für Jugendhilfe fit für den normalen Schulunterricht gemacht werden.

"Diese Kinder und Jugendlichen haben allesamt langjährig zerstörte schulische und familiäre Biografien", so Schulrat Janssen. "Sie sind von vollständiger sozialer Desintegration bedroht." Soll heißen: Ohne dieses intensive Hilfsangebot würden so gut wie alle in einer stationären Einrichtung landen. Sie hätten keinerlei Aussicht auf einen Schulabschluss und wären in den meisten Fällen nicht einmal in der Lage, sich in soziale Gruppen zu integrieren. Ein gefährlicher Start ins Leben, der sie in Kriminalität, Gewalt und Totalverweigerung abrutschen lassen könnte.

Der Bedarf für solche Projekte sei da und steige weiter an, erläutert Janssen anhand von Fakten. So habe bis vor fünf Jahren etwa jeder vierte Grundschüler im Kreis Pinneberg erhöhten Förderbedarf gehabt, heute seien es fast 40 Prozent. Der Anteil der extrem schwierigen Schüler blieb zwar mit acht Prozent konstant, so Janssen. Aber im gleichen Zeitraum habe die Zahl jener Schüler, bei denen die hyperkinetische Störung AHDS diagnostiziert wurde, um 50 Prozent zugenommen. Die Anzahl psychisch kranker Kinder sei auf fast zehn Prozent gestiegen. Alarmierende Zahlen, die den Kreis diese einmalige Zusammenarbeit mit dem Jugendhilfeträger Awo eingehen ließ.

Zunächst 2008 als Modellprojekt, seit 2011 vertraglich ausformuliert, betreuen zwei Lehrer des Förderzentrums und der Partnerschule sowie ein Sozialarbeiter der Awo zwölf Problemschüler in Uetersen an verschiedenen Standorten. Diese befinden sich im Jugendheim Hus Sünnschien und im ehemaligen Schwesternheim an der Bleekerstraße. So werden sie weit weg von einer Schulklasse in kleineren Unterrichtseinheiten angeleitet und zunächst eine Beziehung zu ihnen aufgebaut und ein Förderplan entwickelt, erklärt Awo-Projektleiter Jörg Matthews. Im zweiten Schritt, der Stabilisierungsphase, nehmen sie Kontakt zu Partnerklassen auf, werden mit deren Lernstoff vertraut gemacht und gehen bereits manche Tage wieder in die Schule. Am Ende steht dann die Reintegration in den Regelunterricht, wobei sie weiterhin von ihren außerschulischen Bezugspersonen betreut und bei Rückfällen und Krisen unterstützt werden.

"Diese Schüler kommen danach oft wieder bei uns vorbei, egal was für Randale-Heinis sie vorher auch waren", berichtet Sozialarbeiterin Inga Struve. Zu ihren Intensivbetreuern haben manche Kinder so enge Beziehungen aufgebaut, wie sie es zuvor in ihren zerstörten Familien noch nie erlebt haben.

Matthews: "Wir schaffen für diese Kinder und Jugendlichen zum ersten Mal eine Perspektive für ihr weiteres Leben. Sie bekommen einen positiven Knick in ihrer Karriere. Ohne uns wären sie in ein tiefes Loch gefallen."

Bildungsstaatssekretär Loßack ist angetan: "Das gelingt, indem die Kinder in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt werden. So erfahren sie endlich Spaß am Lernen."

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