Pinneberg
06.02.13

Wedel

An der Stadtgrenze hört die Freundschaft auf

Wedels Wachstumspläne rund um den Businesspark sind Hamburgern ein Dorn im Auge. Anwohner beklagen sich über den zunehmenden Verkehr.

Von Katy Krause
Foto: Medium Architekten
Kurz hinter der Hamburger Grenze plant Wedel einen Gewerbepark der Superlative
Kurz hinter der Hamburger Grenze plant Wedel einen Gewerbepark der Superlative

Wedel. "Wedel wächst auf Kosten der Wohngebiete im Hamburger Westen", sagen die einen. In Hamburg habe man jahrelang den Ausbau der B 431 boykottiert, jetzt regele man Verkehrsprobleme einfach mit Straßensperrungen, kritisieren die anderen. Die Stimmung an der Stadtgrenze zwischen Wedel und dem großen Nachbarn kocht. Wie sehr es derzeit zwischen dem Bezirk Hamburg-Altona und den Wedelern kriselt, offenbarte die gemeinsame Sitzung am Montagabend, bei der sich Politiker beider Städte den aktuellen Streitpunkten wie dem Businesspark, der Verkehrslenkung sowie der Sperrung des Sandmoorweges widmeten. Etwa 200 Anwohner aus Rissen, Blankenese und Wedel nutzten die Chance und machten ihrem Ärger gleich einmal Luft. Sie beklagten sich über den zunehmenden Verkehr in den Wohngebieten.

Links die Wedeler, rechts die Hamburger. Beide Seiten saßen sich unversöhnlich gegenüber. Gleich welches Thema auf den Tisch kam, es flogen die Vorwürfe. Beispiel eins: der Businesspark am Tinsdaler Weg. Der passt so gar nicht in das Konzept der Hamburger, die auf ihrer Seite ein neues Wohngebiet im Grünen planen. Während also in Rissen unter dem Gesichtspunkt Landschaftsschutz gedacht und geplant wird, rollen nebenan die Bagger. Wedel bastelt an einem Zukunftsprojekt der Superlative. Auf dem 18 Hektar großen Gelände sollen in den kommenden Jahren Bürokomplexe und Gewerbetrakte in die Höhe wachsen. Ein 13-geschossiges Kongresshotel, ein Beachclub am Gewerbehafen, ein etwa 2200 Quadratmeter großer Nahversorger sollen große Unternehmen anlocken und kräftig Gewerbesteuereinnahmen in die Stadtkasse spülen. Nicht nur das Gewerbe neben dem Grünzug passt den Hamburgern nicht, auch der geplante Nahversorger ist ihnen ein Dorn im Auge. "Wir sprechen uns deutlich gegen einen Nahversorger aus. Das ist schädlich für unsere Zentren in Rissen und Blankenese", sagte Henrik Strate (SPD). Die Wedeler hielten ihm entgegen, dass die bis zu 8000 Arbeitnehmer auch eine fußläufige Anlaufsstelle brauchen, um sich in der Mittagspause mit Lebensmitteln einzudecken.

8000 Menschen, die zur Arbeit kommen müssen, und zahlreiche weitere Besucher, die den Beachclub oder das Hotel ansteuern, führen zum nächsten Streitpunkt: das Verkehrskonzept. Die Hamburger halten den Wedelern vor, keines zu haben. "Hier entsteht bereits ein riesiges Neubaugebiet, während die Infrastruktur noch in den Sternen steht", kritisiert Karsten Strasser, der für die Linken in der Altonaer Bezirksversammlung sitzt. Konrad Rothfuchs vom Planungsbüro Argus sowie Michael Schernikau (CDU), Chef des Wedeler Verkehrsausschusses, versuchten die Sorgen zu zerstreuen. Erfolglos.

Die Idee, den Verkehr vom Businesspark über die Industriestraße und die B 431 abzuwickeln, zündet in Hamburg nicht. Eine neue Vorfahrtsregelung und ein Linksabbieger sollen die Autofahrer auf diese Route bringen. Eine Lösung, die zu Ungunsten, der Anwohner an der Bundesstraße geht, die damit laut Rothfuchs auch an ihre Belastungsgrenze stößt. Für die Altonaer Politiker klang das unausgegoren. Sie forderten von den Nachbarn, den ÖPNV zu fördern, mit einem Busshuttle, mehr Park & Ride-Parkplätze am Bahnhof sowie einer Fähranbindungen zu verhindern, dass sich Pendler einen Weg durch Rissener Wohngebiete suchen.

An ihrer Belastungsgrenze angelangt, sind auch die Anwohner am Sandmoorweg. Durch die schmale Straße in Rissen bahnen sich bereits heute viele Pendler einen Weg. Die Hamburger planen deshalb, die Straße dicht zu machen. Das wiederum sorgt für Unmut in der angrenzenden Moorwegsiedlung. Die Wedeler legten ein Veto ein. Weil auch die übergeordnete Verkehrsbehörde in Hamburg Bedenken angemeldet hat, ist die Sperrung vorerst vom Tisch, eine Lösung nicht in Sicht.

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