Pinneberg
27.12.12

Strompreise

Stromkunden sollen ihre Tarife prüfen

Allein in Pinneberg gibt es über 200 Angebote. Verbraucherschützer raten den Bürgern zum Preisvergleich, um Geld zu sparen.

Von Christine Weiser
Foto: pa/dpa
Stadtwerke erhöhen Strompreise
Viele Stromkunden sind bequem: Etwa 40 Prozent der Haushalte in Deutschland zahlen den jeweils teuersten Tarif, die sogenannte Grundversorgung

Pinneberg. Die Strompreise im Kreis Pinneberg werden 2013 definitiv steigen. Nach dem ersten Schock haben es die Verbraucher mittlerweile schwarz auf weiß, was genau sie im kommenden Jahr an die Energieversorger zahlen müssen. Der Grund: Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden sechs Monate vor der geplanten Preiserhöhung schriftlich zu informieren.

Doch das hat nach Beobachtungen der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein offenbar nicht überall reibungslos geklappt. Kunden von Vattenfall bekamen das erforderliche Schreiben nicht in jeder Gemeinde fristgerecht. Und das hat Folgen: Wer seine Kundeninformation erst nach dem 20. November erhalten hat, sollte sich mit seinem Energieversorger in Verbindung setzen, raten die Verbraucherschützer. Wer bei seinem Anbieter bleiben wolle, könne das Fristversäumnis geltend machen und auf der Beibehaltung der alten Preise bestehen.

"Wir haben festgestellt, dass die Unternehmen die gesetzlich verursachten Preiserhöhungen nutzen und darüber hinaus die Preise erhöhen", sagt Margrit Hintz von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. In diesen Fällen bestehe für Kunden die Möglichkeit, ein Sonderkündigungsrecht in Anspruch zu nehmen. Das sei jedoch nur möglich, wenn die Unternehmen die Preise über die gesetzlich vereinbarten Regelungen hinaus erhöhe. Die Verbraucherschützerin empfiehlt Kunden, die ihren Anbieter jetzt wechseln wollen, sich beraten zu lassen.

Doch nicht nur Stromverbraucher können ihre Energieversorger wählen. Was nur wenige Bürger wissen: Umgekehrt gilt eine ähnliche Regelung. Einige Versorger nehmen die Preiserhöhungen deshalb zum Anlass, laufende Verträge mit ihren Kunden zu kündigen. "Das ist erlaubt. Auch die Unternehmen haben ein Kündigungsrecht", sagt Margrit Hintz. In die Beratungsstelle kamen zuletzt mehrere Betroffene, deren Verträge zum Teil schon länger als 20 Jahre liefen.

Untersuchungen der Verbraucherschützer ergaben, dass 40 Prozent der Haushalte in Deutschland den jeweils teuersten Tarif zahlen, die sogenannte Grundversorgung. Inzwischen jedoch bieten die meisten Energieversorgungsunternehmen eine Vielzahl von Tarifen an. Margrit Hintz empfiehlt Bürgern, sich unbedingt über die verschiedenen Tarifangebote der Anbieter zu informieren. "Manchmal genügt ein Anruf, um in einen günstigeren Tarif zu wechseln", sagt die Expertin.

Doch nur wenige der etwa 20.000 Stromkunden der Stadtwerke Pinneberg haben die jüngste Preiserhöhung zum Anlass genommen, um sich einmal über andere Tarife zu informieren, sagt Henning Fuchs. "Das war eine überschaubare Anzahl von Nachfragen, zumal durch die gestiegenen Umlagen auch andere Tarife teurer werden", sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke Pinneberg.

Auch bei den Gemeindewerken Halstenbek hielt sich die Zahl der Nachfragen in Grenzen. Einige Kunden hätten sich aber gern die Erhöhungen erklären lassen, sagt Siegmar Hintz. Mehr Aufträge erwartet der Energieberater aber erst dann, wenn die Kunden die Abrechnungen und damit die Zahlen auf dem Tisch haben.

Wie groß die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tarifen sind, zeigt ein Selbstversuch bei dem Strompreis-Vergleichportal Verivox. Als Vergleichsgröße dient ein Vierpersonenhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden. Wer in Pinneberg den Grundversorgungstarif wählt, erhält mehr als 200 Angebote. Die Preise liegen zwischen etwas mehr als 630 Euro und 1300 Euro. Genau hinzuschauen lohnt sich: Auch die Details wie Vertragslaufdauer, Kündigungsfristen und eventuell vereinbarte Mindestverbrauche müssen Stromkunden unter die Lupe nehmen.

"Zu mir kommen Verbraucher immer dann, wenn die Abrechnungen ins Haus flattern", sagt Angelika Grade-Schielein. Die freischaffende Gebäudeenergieberaterin und Architektin berät im Auftrag der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein Einwohner von Pinneberg, Kaltenkirchen und Itzehoe.

Konkrete Fragen zur Energieversorgung hätten ihre Klienten selten. "Mindestens die Hälfte der Beratungen dreht sich um die Möglichkeiten energetischer Gebäudesanierung", sagt Angelika Grade-Schielein. Davor, sich zu vermeintlich günstigen Tarifen am Telefon oder an der Haustür überreden zu lassen, warnt Margrit Hintz. Die Verbraucherschützerin hat einen Tipp, mit dem Kunden in jedem Fall ihre Ausgaben senken können. "Wer seinen Verbrauch und sein Verhalten kritisch überprüft und Stromsparlampen einsetzt, kann auf jeden Fall Geld sparen."

Die Energieziele der Regierung und der Status quo
  • Klimaschutz

    40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) und 80 bis 95 Prozent weniger bis 2050. Bis zum Jahr 2011 wurden minus 26,4 Prozent erreicht.

  • Erneuerbare Energien

    Bis 2020 mindestens 35 Prozent Anteil am Stromverbrauch, bis 2050 mindestens 80 Prozent. Bis 2011 waren 20,3 Prozent erreicht. 2012 gibt es nach vorläufigen Zahlen bereits einen Anteil von rund 23 Prozent für Strom aus erneuerbaren Energien.

  • Gebäude

    Der Wärmebedarf soll bis 2020 um 20 Prozent sinken, bis 2050 soll der gesamte Energiebedarf um bis zu 80 Prozent sinken. Zum jetzigen Stand fehlen Angaben. Die Regierung will die Rate bei den energetischen Gebäudesanierungen gemessen an den 18 Millionen Gebäuden in Deutschland von ein auf zwei Prozent jährlich verdoppeln.

  • Effizienz

    Der Energieverbrauch soll im Vergleich zu 2008 bis 2020 um 20 Prozent sinken, bis 2050 um 50 Prozent. Bis 2011 wurden 6 Prozent weniger erreicht. Der Stromverbrauch soll bis 2020 um 10 Prozent sinken, bis 2050 um 25 Prozent. 2011 waren es 2,1 Prozent.

  • Verkehr

    Gegenüber 2005 soll der Verbrauch bis 2020 um 10 Prozent zurückgehen, bis 2050 um 40 Prozent. Zwar sank der Verbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometern (1998) auf 5,9 Liter (2011) – zugleich gibt es aber mehr Autos, der Gesamtverbrauch sank daher nur um 0,5 Prozent. Bis 2020 soll es eine Millionen Elektroautos geben, bis 2030 sechs Millionen. Bis 2011 gab es aber bundesweit erst rund 6600 E-Autos.

  • Kosten

    Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien sollte nicht über 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen. Nun steigt sie aber 2012 auf knapp 5,3 Cent – auch wegen einer Ausweitung von Industrierabatten bei den Förderkosten, die die Umlage für die Bürger aufblähen. Da auch fast alle anderen Energiewendekosten, etwa für den Netzausbau und den Anschluss von See-Windparks, auf den Strompreis aufgeschlagen werden, wird es 2013 Erhöhungen um im Schnitt zwölf Prozent geben

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