Pinneberg
31.10.12

Energieprojekt

Bürger protestieren gegen die Biogasanlage

Der Bönningstedter Bauausschuss lehnt das Energieprojekt ab. Der Landwirt hingegen hofft auf die Genehmigung durch die Kreisverwaltung.

Von Burkhard Fuchs
Foto: Burkhard Fuchs
Etwa 60 Bürger protestierten bei der Sitzung des Bauausschusses gegen den Bau einer Biogasanlage im Ort
Etwa 60 Bürger protestierten bei der Sitzung des Bauausschusses gegen den Bau einer Biogasanlage im Ort

Bönningstedt. Die Unruhe ist groß in der Gemeinde Bönningstedt. Seit bekannt wurde, dass Landwirt Thomas Witt auf seinem Hof am nordwestlichen Ortsrand am Wulfsmühlenweg eine Biogasanlage plant, regt sich der Widerstand. 330 Unterschriften will eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gesammelt haben. Montagabend versagte der Bauausschuss nach hitziger Debatte mit 60 aufgebrachten Bürgern und anschließender nicht öffentlicher Beratung dem Bauantrag das gemeindliche Einvernehmen. Gleichwohl ist Witt überzeugt, dass die Bauaufsicht des Kreises Pinneberg die Anlage dennoch genehmigen wird. "Als landwirtschaftlicher Betrieb bin ich privilegiert und darf im Außenbereich bauen."

Das sieht eine politische Mehrheit im Bauausschuss offenbar anders. Nach Informationen des Abendblatts haben nur die CDU-Vertreter im Ausschuss dem Bau der Biogasanlage zugestimmt. BWG und SPD lehnten sie hingegen ab. Ihr Argument: Der Wulfsmühlenweg und die angrenzende Rübekampstwiete sind für überbreite Transporte nicht geeignet. "Das gilt aber schon heute", sagt Bürgermeister Peter Liske von der BWG.

Für die geplante Biogasanlage brauche es überhaupt keiner Transporte, sagt Landwirt Witt. Er will die 75-Kilowatt-Anlage fast ausschließlich mit Gülle speisen, die ohnehin auf seinem 38-Hektar-Milchvieh-Betrieb anfällt. Dies seien heute schon neun Tonnen Gülle am Tag, die er jetzt offen lagere und auf seinen Feldern aufbringe. Künftig sollen es täglich zwölf Tonnen Gülle sein, die in einer geschlossenen Anlage erwärmt werden und jährlich rund 600.000 Kilowattstunden Strom erzeugen, sagt Projektleiter Malte Steinmann von der Firma Agrikomp. "Es wird Energie aus dem Methangas erzeugt, das sowieso anfällt. Das ist ein interner Kreislauf." Sein Unternehmen betreibt bundesweit 600 Biogasanlagen, davon 40 dieser reinen Gülle-Anlagen, wie sie Thomas Witt in Bönningstedt bauen möchte, sagt Steinmann. "Drei davon haben wir bereits in Schleswig-Holstein gebaut. Sie werden komplett ferngesteuert und überwacht von Schenefeld bei Itzehoe aus."

Die Sorgen mancher Bürger sind groß und haben sich seit einer Informationsveranstaltung des Landwirts am 20. Oktober auf seinem Hof mit Politikern und Anwohnern hoch geschaukelt. So fürchten die Nachbarn - das nächste Haus steht 240 Meter entfernt vom Standort der geplanten Anlage - nicht nur eine erhöhte Geruchsbelästigung und einen Preisverfall ihrer Immobilien und sorgen sich um die Verkehrssicherheit, wie BI-Sprecher Uwe Kliewer sagt. "Die geplante Massentierhaltung führt auch zu einer Gesundheitsgefährdung."

Von einer Massentierhaltung könne keine Rede sein, sagt Landwirt Witt. Er wolle die Zahl seiner Milchkühe von jetzt 110 auf 140 Rinder erhöhen, um die notwendige Güllemenge zu erreichen. Zudem will er 75 Jungtiere züchten, um den Nachwuchs sicherzustellen. Dafür brauche er einen zusätzlichen Rinderstall, dessen Bau bereits genehmigt worden ist. "Sein landwirtschaftlicher Betrieb ist 2006 aus dem Ort ausgesiedelt worden, damit er sich erweitern kann", sagt Bürgermeister Liske. Dies könne man ihm nun nicht versagen.

Aber für die Biogasanlage gilt dies nicht. SPD-Fraktionschef Willi Werner tat vor der nicht öffentlichen Diskussion seine ablehnende Haltung kund: "Es ist unzumutbar, so eine Entscheidung in so kurzer Zeit zu treffen. Da fühle ich mich überfordert." Ausschussvorsitzende Resy de Ruijsscher, BWG, sprach von einem Kraftwerk, das im Ort gebaut werden solle. "Für den Kreis Pinneberg hat das Versagen des gemeindlichen Einvernehmens bindende Wirkung", sagt Kreissprecher Marc Trampe.

Landwirtin Ilka Witt betont: "Wir wollen keine Konflikte mit unseren Nachbarn und einfach nur in Ruhe und Frieden Landwirtschaft betreiben." Nach einer Klage vor Gericht, die nötig sein könnte, hört sich das nicht an.

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