Pinneberg
30.10.12

Pinneberg

Lebenshilfegruppen - Aus Gegnern werden Freunde

Schenefelder und Pinneberger Ortsgruppe schließen sich zusammen, um neue Behindertenwerkstatt zu gründen.

Von Katy Krause
Foto: Katy Krause
Sie üben den Schulterschluss: Christine Heins, Vorsitzende der Lebenshilfe Schenefeld, und Michael Behrens, Vertreter der Pinneberger Ortsgruppe
Sie üben den Schulterschluss: Christine Heins, Vorsitzende der Lebenshilfe Schenefeld, und Michael Behrens, Vertreter der Pinneberger Ortsgruppe

Schenefeld/Pinneberg . Jahrzehntelang herrschte zwischen der Schenefelder und der Pinneberger Lebenshilfe Funkstille. Obwohl beide Vereine sich für Menschen mit Behinderung stark machen und mit ähnlichen Problemen kämpfen, gönnten sich die Gruppen, beide in der Region Pinneberg aktiv, lange Zeit gegenseitig nichts. Damit ist jetzt Schluss.

Die neue Vorsitzende der Schenefelder Lebenshilfe Christine Heins und Michael Behrens als Geschäftsführer aus Pinneberg überbrücken jetzt die Kluft. Sie haben sich zusammengetan, arbeiten an einer Allianz. Die Idee: Die Lebenshilfen aus Schenefeld und Pinneberg wollen gemeinsam eine neue Behindertenwerkstatt gründen. Gesellschafter sollen beide Ortsvereine gleichberechtigt zu je 50 Prozent sein. Wenn alles nach Plan läuft, soll die neue Firma die Nachfolge der insolventen gGmbH, dem Lebenshilfewerk für Behinderte in Schenefeld, antreten.

Das Unternehmen, zu dem ein Pflanzenanzuchtbetrieb am Schenefelder Gremsbargen, eine Gärtnerei an der Blankeneser Chaussee und die Keramikwerkstatt im Hasselbinnen gehören, ist zahlungsunfähig. Am Freitag wurde der Insolvenzantrag offiziell eingereicht. Die Geschäftsführung musste handeln, nachdem die Banken die Konten Mitte Oktober eingefroren hatten. Seit Jahren fährt das Lebenshilfewerk, für das etwa 160 Angestellte - davon 63 Menschen mit Behinderung - tätig sind, ein Minus ein. Laut Abendblatt-Information fehlten Ende 2011 etwa 200 000 Euro.

Das Hauptproblem, so Christine Heins, seien die Sozialabgaben gewesen. Das gemeinnützige Unternehmen, das als sonstige Beschäftigungsstätte gilt, musste im Gegensatz zu Behindertenwerkstätten die Abgaben für die Betreuten entrichten. Pro Jahr waren das rund 150 000 Euro. Zwar streitet die Lebenshilfe Schenefeld bis heute um ihr Recht, aber das juristische Verfahren zieht sich bereits über Jahre hin. "Irgendwann laufen ihnen einfach die Kosten weg. Man könnte sagen, man hat uns ausgehungert", sagt Christine Heins. Bislang half immer der Verein der Lebenshilfe, der auch Hautgesellschafter des gemeinnützigen Unternehmens ist, aus, schoss Hunderttausende in die Gärtnerei. Jetzt geht es dem Verein finanziell schlecht. Wie es um den Verein steht, erfahren die Mitglieder in einer als nicht öffentlich angekündigten Versammlung am 12. November. Dann soll es um die neuen Entwicklungen und eine geforderte Satzungsänderung gehen.

Den ersten Schritt in Richtung neuer Allianz machte Christine Heins. Sie rief auf der Suche nach einem starken Partner in Pinneberg bei Michael Behrens an. Zusammen wurde der bereits 2011 angedachte, aber verworfene Plan einer Kooperation wieder aus der Schublade geholt. Wie die Zusammenarbeit am Ende genau aussieht, dazu wollen sich die beiden mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht äußern. Auch den Eltern der Betreuten wurde zu den Details nichts gesagt.

Klar ist, dass sich die Betreuung verändern wird. Derzeit kümmert sich in den Schenefelder Betrieben der Lebenshilfe eine Fachkraft um sechs Behinderte. In der Werkstatt Eichenkamp, nach deren Vorbild das neue gemeinnützige Unternehmen aufgebaut werden soll, ist eine Fachkraft für zwölf Menschen mit Behinderung zuständig. Es ist fraglich, ob alle Schenefelder Arbeitsbereiche von Gärtnerei bis Keramikwerkstatt erhalten bleiben. "Es muss sich am Ende auch rechnen und es ist fraglich, ob sich alle Gewerke rechnen werden", sagt Michael Behrens. Angst um ihren Arbeitsplatz müssten die Behinderten nicht haben. Sie hätten ein Recht auf einen Arbeitsplatz und man würde versuchen, dass sie in irgendeiner Form in Schenefeld bleiben können.

Bis zur Gründung einer Behindertenwerkstatt im Schulterschluss von Schenefeld und Pinneberg gibt es noch einige Hindernisse zu überwinden. Der seit Freitag eingeschaltete Insolvenzverwalter Tjark Thies muss das alte Unternehmen erst einmal abwickeln und der Pinneberg-Schenefeld-Lösung zustimmen. Thies war für eine Stellungnahme am Montag nicht erreichbar. Anders die Pinneberger Kreisverwaltung. Auch sie muss den Plänen zu stimmen und signalisiert Aufgeschlossenheit. "Wir haben das gemeinsame Ziel, die Betreuung der Menschen mit Behinderung sicherzustellen", sagte Pressesprecher Marc Trampe. Er bestätigte am Montag auf Nachfrage die Gesprächsverhandlungen mit der neuen Lebenshilfe Allianz.

Das Heins-Behrens-Duo arbeitet bereits erfolgreich. Am vergangenen Sonnabend konnten sie gemeinsam ein eingeleitetes Ausschlussverfahren des Dachverbandes gegen die Schenefelder abwenden. Susanne Stojan-Rayer, Landesvorsitzende der Lebenshilfen in Pinneberg: "Das ist etwas Neues in der Geschichte der beiden Lebenshilfen. Dass sie ihre Fehde beendet haben, ist für uns ein sehr positives Signal."

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