Pinneberg
15.10.12

Kreis Pinneberg

Seester streitet um ein Dorfgemeinschaftshaus

Bürgermeister Claus Hell und die CDU sind für ein Dorfgemeinschaftshaus. Gegner setzen aber einen Bürgerentscheid durch.

Von Arne Kolarczyk
Foto: Arne Kolarczyk
Seester
Seesters Bürgermeister Claus Hell vor der Feuerwache, die nach dem Willen der CDU durch ein Dorfgemeinschaftshaus erweitert werden soll. Im Bereich der Fenster würde der Anbau ansetzen

Seester. Die Wände der Gemeinderäume in Seester sind von tiefen Rissen durchzogen. Ein Riss zieht sich auch quer durch die 957 Einwohner starke Gemeinde: Während die CDU-Mehrheitsfraktion den Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses als Ersatz für die Gemeinderäume anstrebt, will eine Handvoll Bürger das Vorhaben verhindern. Sie haben Unterschriften gesammelt und einen Bürgerentscheid erzwungen. Am 11. November können nun die etwa 750 wahlberechtigten Bürger der Gemeinde darüber abstimmen, ob auf den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses als Anbau zum Feuerwehrhaus verzichtet werden soll.

Diese Fragestellung hat die Kommunalaufsicht genehmigt. Ein Ja heißt also den Verzicht auf das Projekt, wer mit Nein stimmt, spricht sich für den Neubau des Dorfgemeinschaftshauses aus. "Der Bürgerentscheid ist momentan das alles bestimmende Thema", sagt Bürgermeister Claus Hell, CDU. Für ihn und seine Partei ist klar: "Ein Dorfgemeinschaftshaus ist mittel- und langfristig die günstigste Lösung für unser Dorf." Und Hell sagt weiter: "Wir wollen das Projekt nicht gegen jemanden durchsetzen, sondern für alle in der Gemeinde realisieren." Ein Dorfgemeinschaftshaus diene allen Generationen, allen Vereinen und Verbänden gleichermaßen und werde die Lebensqualität in Seester erheblich steigern. Die CDU hatte das Projekt im Juni im Gemeinderat mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit gegen die Vertreter von SPD und der Wählergemeinschaft durchgesetzt.

Die Gemeinderäume im Erdgeschoss der Schule sind vor 30 Jahren aus einer Lehrerwohnung hervorgegangen. Sie sind stark renovierungsbedürftig, nicht behindertengerecht und aufgrund der schlechten Raumaufteilung nur eingeschränkt nutzbar. Eine Sanierung soll laut einem Gutachten 320 000 Euro verschlingen, ein behindertengerechter Ausbau ist nicht eingerechnet. "Wir schlagen vor, die Räume zu sanieren und wieder zu einer Mietwohnung umzubauen", sagt Hell.

Veranstaltungen und Sitzungen sollen nach dem Willen der CDU im neuen Dorfgemeinschaftshaus stattfinden. Für das Projekt als Anbau an die Feuerwache sind 400 000 Euro veranschlagt. 150 000 Euro würden als Zuschuss von der Aktivregion Pinneberger Marsch & Geest kommen. 100 000 Euro will Hell der Rücklage entnehmen, den Rest als Darlehen aufnehmen. "Die Gemeinde ist schuldenfrei, die Zinssätze sind historisch niedrig. So günstig können wir ein solches Projekt nie wieder finanzieren."

Heike Kelting, Horst Gänsch und Adelheid Malzahn als Initiatoren des Bürgerentscheids warnen dagegen vor einer Verschuldung der Gemeinde, die somit ihren finanziellen Handlungsspielraum auf viele Jahre einschränken würde. Eine derart weitreichende Entscheidung dürfe nicht mit einer knappen Mehrheit im Gemeinderat gefällt werden. Sie plädieren dafür, sowohl die bisherigen Gemeinderäume als auch den Kirchensaal, den die Gemeinde für bestimmte Veranstaltungen und Gruppen anmietet, zu sanieren und behindertengerecht auszubauen.

Die Kosten für derartige Maßnahmen seien noch nicht ermittelt worden. Außerdem weisen die Initiatoren darauf hin, dass im Nachbarort Seestermühe ein barrierefreies Bürgerhaus und Sportlerheim existiert, das bereits von Bürgern aus Seester genutzt wird.

Das Trio kritisiert zudem, dass in der Kostenschätzung für das Dorfgemeinschaftshaus keine Aufwendungen für die Verkehrsanbindung (Parkplätze, Fußwege) enthalten sind. Zudem würden zusätzliche Unterhaltungs- und Betriebskosten anfallen, die den Haushalt belasten würden. Ihre Folgerung: Es gibt zu viele offene Fragen und keinen erkennbaren Bedarf für ein Dorfgemeinschaftshaus - also könne auf das Projekt verzichtet werden.

Etwa 100 Bürger kamen vorige Woche zu einer Einwohnerversammlung, bei der die Initiatoren ihre Position darstellen konnten. Auch ein Vertreter der Aktivregion und Bürgermeister Hell kamen zu Wort. "Ich glaube nicht, dass es mit breiter Mehrheit entschieden wird", sagt Hell. Er hofft, dass sich letztlich die Position seiner Partei durchsetzen wird. Die Briefwahl ist bereits in vollem Gange. Die CDU hat einen Info-Brief an alle Haushalte verschickt und lädt für Donnerstag, 25. Oktober, zu einem Informationsabend ein. Beginn ist um 19 Uhr in den Gemeinderäumen.

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