01.01.13

Vor Wahl in Niedersachsen

Politiker entschuldigt sich für Beschneidungsgedicht

Ulf Dunkel hatte Juden und Muslime als "Arschlöcher" und "blinde Fanatiker" bezeichnet. Er will bei Wahlsieg auf Mandat verzichten.

Von Markus Huth
Foto: dpa
Ulf Dunkel
Der niedersächsische Grünen-Landtagskandidat Ulf Dunkel zieht Konsequenzen aus der scharfen Kritik an seinem abfälligen Gedicht zur Beschneidung bei Juden und Muslimen. Er wolle im Fall eines Wahlsiegs auf sein Mandat verzichten, sagte Michael Jäger vom Grünen-Kreisverband Cloppenburg

Hamburg/Cloppenburg. Sein umstrittenes Gedicht zur religiösen Beschneidungspraxis hat die Ambitionen des niedersächsischen Grünen-Politikers Ulf Dunkel auf einen Landtagssitz vorerst beendet. Nach scharfer Kritik kündigte er am Montag auf Facebook an, im Falle seiner Wahl auf das Mandat zu verzichten. Am Neujahrstag entschuldigte sich Dunkel dann auf seinem Blog beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Der Politiker ist Direktkandidat für die Landtagswahl am 20. Januar im Wahlkreis Cloppenburg und kandidiert auf Platz 34 der Landesliste.

Doch unabhängig vom Wahlausgang wird aus Dunkels Mandat nun nichts. Schuld ist sein im Internet veröffentlichtes Gedicht, das die religiöse Beschneidung von Jungen kritisiert. Darin heißt es: "Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied. Kinder können sich nicht wehren, darum müssen sie uns ehren." Die Verse des 50-Jährigen riefen scharfe Kritik hervor, besonders vom Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann. Er reagierte empört und forderte in der "Süddeutschen Zeitung" den politischen Rückzug Dunkels.

Der dichtende Politiker lenkte ein. Es sei ihm in der Debatte über die religiöse Beschneidungspraxis "leider nicht immer gelungen, die richtigen, maßvollen Worte zu finden", schrieb Dunkel am Dienstag auf seinem Blog. Er entschuldigte sich ausdrücklich bei Graumann "stellvertretend für die Menschen jüdischen Glaubens", aber auch bei den "Menschen muslimischen Glaubens".

Poetischer Wutausbrauch nach Beschneidungs-Film

Gleichzeitig stellte Dunkel klar: "Ich bin weder Antisemit noch Antimuslim, noch bin ich hasserfüllt oder möchte gar hochmütig erscheinen". Ihm sei es nur darum gegangen, die von der religiösen Praxis der Beschneidung betroffenen Kinder vor einer unnötigen und irreversiblen Körperverletzung zu bewahren.

Als Grund für sein Gedicht nannte Dunkel den Dokumentarfilm "It's a Boy" des jüdischen Briten Victor Schonfeld. Dieser Film über Beschneidung habe ihn derart stark bewegt, dass er sich "zu einem Wutausbruch und zu einem, wie ich in der Nachschau eingestehen muss, der Sache nicht angemessenen Gedicht hinreißen lassen" habe, schrieb Dunkel am Dienstag auf seinem Blog.

Derweil bekam der Grünen-Politiker Rückendeckung von seinem Kreisverband Cloppenburg. "Wir nehmen mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass der Niedersächsische Landesvorstand trotz intensiver Gespräche keine Möglichkeit gesehen hat, sich hinter unseren Kandidaten zu stellen", hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Der Kreisvorstand stehe geschlossen hinter Dunkel. Vorwürfe von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus seien unzutreffend. Zugleich begrüßte der Kreisvorstand Dunkels freiwilligen Rückzug, weil er die Partei schütze. Überhaupt sei Dunkels Wahl in den Landtag "unwahrscheinlich".

Die "Süddeutsche Zeitung" nannte Dunkel einen vehementen Verfechter "genitaler Selbstbestimmung". Das jüngst vom Bundestag beschlossene Gesetz, das die im Judentum übliche Beschneidung männlicher Neugeborener ausdrücklich erlaubt, laste er dem "Druck einer anscheinend überstarken religiösen Lobby" an.

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